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Rheinsberg Bombodrom als Naturerbe?

Von Georg-Stefan Russew | 15.09.2009, 01:57 Uhr

Länderübergreifend soll das Militärareal touristisch genutzt werden, so das Ergebnis einer gestrigen Konferenz. Bürgerinitiativen sprechen sich für die Ausweisung als Natura-2000-Gebiet aus.

Benedikt Schirge hat eine klare Vision für die Kyritz-Ruppiner Heide: "Das Bombodrom soll als nationales Naturerbe in die Liste der Natura-2000-Projekte aufgenommen werden", so der Sprecher der Bürgerinitiative Freie Heide gestern. Zusammen mit mehr als 200 Unternehmern aus der Region sowie Vertretern von Gemeinden und Landesregierungen aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern diskutierte er in Rheinsberg (Ostprignitz-Ruppin) auf einer Tourismuskonferenz über mögliche Perspektiven der Heidelandschaft. "Mit einer Eintragung in diese Liste hätten wir die Möglichkeit, das Naturareal zu erhalten und zugleich zu pflegen. Voraussetzung dafür wäre natürlich die Gründung einer Stiftung", sagte Schirge weiter. Für seinen Vorschlag ernte er viel Zustimmung.

Öko-Landwirt Wilhelm Schäkel, der in Zempow bei Wittstock eine Bio-Ranch betreibt, unterstützt bedingungslos diese Idee. "Ein Biosphärenreservat wäre hier nach dem Vorbild der Lüneburger Heide genau das Richtige." Sein Betrieb liegt nur wenige hundert Meter von der Grenze des 144 Quadratkilometer großen militärischen Sperrgebiets entfernt. Neben 400 Rindern, betreibt er noch mehrere Ferienhäuser mit 28 Gästebetten "Unsere Gäste suchen die Ruhe, die unberührte Natur, einen Ort zum Durchatmen", erklärt Schäkel. Deshalb wäre die Freude bei ihm auch so groß gewesen, als Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) im Juli den Verzicht auf den Luft-Boden-Schießplatz erklärte. "Mit den Tieffliegern hätten unsere Gäste  uns den Rücken gekehrt", ist sich der Bio-Landwirt sicher. Jetzt plant er, seine Gästebetten zu verdoppeln. "In Zeiten der Wirtschaftskrise wird das sicher nicht einfach." Vertreter von Sparkasse und Raiffeisenbank signalisierten jedoch Gesprächsbereitschaft. Georg Hellwege von der Raiffeisenbank Neuruppin sagte auf der Konferenz, dass man bereits Tage nach der Verzichtsentscheidung der Bundeswehr erste Projekte finanziert habe. So habe sein Haus einen 300 000 Euro-Kredit an einen Tourismusbetrieb vergeben. "Es kommt ausschließlich auf die Konzepte an."

Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) versprach ebenfalls Unterstützung. "Ich nehme immer Geld in die Hand, wenn ein Unternehmer ein Risiko schultert. Das Entscheidende ist die Kreativität der touristischen Akteure hier in der Region. Wir geben dann Hilfe zur Selbsthilfe", unterstrich Junghanns

Das A und O sei in der Kyritz-Ruppiner Heide jetzt die Weiterentwicklung des sanften Tourismus, so Junghanns. "Hier wird es keine Bettenburgen geben, sondern es sollen kleinteilige Angebote von Natur über Kultur bis Sport entstehen", erklärte der Chef der Tourismus Marketing Brandenburg, Dieter Hütte. "Die fünf Säulen für die Entwicklung der Region sind

Natur-, Aktiv-, Wasser-, Kultur- und Gesundheitstourismus."

Mit der mecklenburgischen Seite wäre man bereits in Gesprächen. "Es gibt deutschlandweit gesehen nur drei Destinationen. Das sind  Berlin, die Mecklenburger Seenplatte und die Ostsee. Darum klinken wir uns bei der Vermarktung der Rheinsberger Seenplatte in die mecklenburgische Seite mit ein", sagte Hütte.

Für Barbara Lange von der mecklenburgischen Bürgerinitiative Freier Himmel sind in Sachen Verzichtserklärung der Bundeswehr noch nicht alle Messen gesungen. "Wir haben erst einen Zwei-Drittel-Sieg errungen. Jung hat sich noch nicht abschließend zur Zukunft der Heide erklärt", so Lange und verwies auf eine Anfrage der Linkspartei. In dem Antwortschreiben schrieb das Verteidigungsministerium: Über eine weitere Verwendung des Truppenübungsplatzes ist noch nicht entscheiden.