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Werk in Hennigsdorf Bangen um 500 Jobs bei Bombardier

Von Benjamin Lassiwe/Rochus Görgen | 07.12.2016, 05:00 Uhr

Ende einer 100-jährigen Tradition der Schienenfahrzeugproduktion im Landkreis Oberhavel droht. Politik will um Arbeitsplätze kämpfen.

Der drohende Verlust von rund 500 Jobs bei Bombardier in Hennigsdorf (Oberhavel) hat Politik und Beschäftigte aufgeschreckt. Es drohe das Ende einer 100-jährigen Tradition der Produktion von Schienenfahrzeugen, erklärte Hennigsdorfs Bürgermeister Andreas Schulz (SPD) gestern. „Dies wäre eine Katastrophe für den Standort, die Region und vor allem die hier arbeitenden Menschen.“ Bombardier wollte die Angaben des Betriebsrats auch gestern nicht bestätigen. Man werde sich in den nächsten Wochen äußern, sagte ein Unternehmenssprecher. Noch nicht mitgeteilt wurde, welche Standorte betroffen sind. Das Werk Hennigsdorf hängt in der Schwebe, seit bekannt wurde, dass Verluste in der Flugzeugsparte des kanadischen Verkehrstechnikkonzerns dazu führen, dass auch im Bahntechnikbereich von Bombardier 5000 Stellen abgebaut werden sollen

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) erklärte gestern, er wolle gemeinsam mit dem Berliner Senat eine Lösung suchen. „Uns kommt es darauf an, Arbeitsplätze zu erhalten.“ Etwa die Hälfte der Belegschaft in dem Betrieb nordwestlich der Hauptstadt stamme aus Berlin. „Arbeitsplätze, die einmal verschwunden sind, kommen nicht wieder zurück“, sagte Gerber.

Auch Vertreter der Landtagsfraktionen haben sich gestern für den Erhalt des Eisenbahnwerks von Bombardier in Henningsdorf ausgesprochen. „Wir hoffen darauf, bald belastbare Aussagen zu Bombardier zu bekommen“, sagte Linken-Fraktionschef Ralf Christoffers. Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Linken, Andreas Bernig, sprach von einem „seelischen Armutszeugnis“ der Betriebsleitung und warnte vor einer Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer. SPD-Fraktionschef Mike Bischoff nannte Hennigsdorf einen „Traditionsstandort“ der Schienenfahrzeugindustrie. „Für uns war, ist und bleibt der Industriearbeitsplatz der Motor der Wirtschaft“, sagte Bischoff. Es wäre bitter, wenn die Mitarbeiter in Hennigsdorf die Probleme in der Flugzeugsparte ausbaden müssten.

Allerdings hatten Schienenfahrzeuge, die in Hennigsdorf entwickelt und produziert wurden, in den letzten Jahren auch durch teils erhebliche Qualitätsmängel auf sich aufmerksam gemacht. So waren die Talent-2-Triebzüge, die unter anderem auf der Strecke Cottbus-Leipzig eingesetzt werden, wegen Problemen mit der Fahrzeugsoftware, der Zugsicherung und den Bremsen jahrelang nicht einsatzfähig. Auch der Verkehrsausschuss des Landtags hatte sich mit diesen Problemen befasst. Zuvor hatte es Probleme mit der Neigetechnik der auch als „Regio Swinger“ bekannten Triebzüge der Baureihe 612 gegeben. Die Bahn hatte deswegen 2013 Schadenersatz in Millionenhöhe von Bombardier gefordert.