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Sie töten selbst Pinguine und Kängurus Auf Raubzug im Zoo

Von PRI | 28.02.2014, 07:20 Uhr

In die Tierparks der Region strömen nicht nur zahlende Besucher, nachts kommen auch ungebetene Gäste. Vor allem Füchse, die sich in die Gehege schleichen, werden zur Plage. Viele Betreiber rüsten daher auf.

In die Tierparks der Region strömen nicht nur zahlende Besucher, nachts kommen auch ungebetene Gäste. Vor allem Füchse, die sich in die Gehege schleichen, werden zur Plage. Viele Betreiber rüsten daher auf. Wenn Mitarbeiter im Cottbuser Tierpark durchzählen und einige Exemplare fehlen, dann wissen sie: Wieder einmal haben es die Füchse geschafft. Sie springen über Zäune, graben sich Tunnel, um in die Gehege gelangen. Enten, Gänse, Fasane oder Pinguine haben keine Chance. „Die finden immer einen Weg“, sagt Zooinspektor Lutz Robel.

So verschwand in Cottbus unlängst eine wertvolle Gans, die wichtig für das Zuchtprogramm war. Aber auch andere Vogelarten sind betroffen. „Ärgerlich“, meint Robel. Auch Elektrozäune um die Gehege haben noch keinen durchschlagenden Erfolg gebracht. Den Außenzaun zu verstärken, würde eine sechsstellige Summe kosten – zu viel Geld.

Gut ein Dutzend Tiere holten sich Füchse in den vergangenen Wochen im Heimattiergarten Fürstenwalde, darunter auch Pfauen und Fasane. „Wir haben es mit Fallen versucht, aber sie sind zu schlau“, sagt Geschäftsführer Uwe Drewitz, der rund 400 Tiere verantwortet. Um sich gegen die Räuber mit den buschigen Schwänzen zu wappnen, werden im Tierpark Kunsterspring manche Geflügelarten schon nachts eingesperrt. „Die größte Gefahr sind Krankheiten, die Füchse übertragen können“, sagt Leiter Peter Manke.

Mit dem gleichen Problem wird der Tierpark Angermünde konfrontiert. „Füchse sind dreist“, sagt die Leiterin Sabine Lehmann. Erst kürzlich wurden Ganter und ein Pfauenhahn gerissen, die Kadaver hatten die Räuber auf dem Gelände verscharrt, offenbar um Futterreserven anzulegen. Zudem hatten Marder schon eine Voliere heimgesucht und sämtliche Tauben getötet. Krähen bedienten sich im Meerschweinchen-Gehege. „Einen kompletten Schutz gegen Eindringlinge gibt es nicht“, meint Lehmann. Man müsse damit leben. Auch mit anderen Vierbeinern, die durch den Tierpark spazieren: Ein Rudel Rehe fühlt sich bereits heimisch.

Angesichts schmerzlicher Verluste hat sich der Zoo Eberswalde vor einigen Jahren mit einem 3,5 Kilometer langen Spezialzaun gewappnet, finanziert vom Förderverein. „Jetzt können wir sogar Rebhühner frei laufen lassen“, sagt Zoodirektor Hensch. Früher hätten Füchse mitunter Pinguine getötet. „Wir haben hier ja eine Obhutspflicht.“ Die anderen Gäste aus dem Tierreich sind dagegen willkommen. Alljährlich landen Hunderte Stockenten auf dem Areal, Graureiher kommen im Winter. „Die füttern wir gerne mit durch“, so Hensch. Sein Kollege Robel berichtet dagegen, dass die im Cottbuser Zoo brütenden Reiher jährlich Hunderte Kilo Fisch vertilgen, was durchaus in die Kosten geht.

Weit größere Schäden beklagt der Berliner Zoo. In den vergangenen Wochen seien rund 40 Tiere gerissen worden, sagt Sprecherin Claudia Bienek. „Das ist so viel wie noch nie.“ Zur Beute wurden auch seltene Tiere wie Parmakängurus, Zwergantilopen und Brillenpinguine aus Südafrika. Die auf dem Gelände lebenden Pfleger und Biologen sollen nun nachts den Füchsen auf die Schliche kommen.

Die Senatsverwaltung schätzt die Zahl der Füchse in der Hauptstadt auf 1600 Tiere. Ganz andere Dimensionen in Brandenburg: Dort wurden im abgelaufenen Jagdjahr 28 300 Füchse erlegt. „Die Population ist nach der Wende explodiert, weil sie gegen Tollwut geimpft werden“, sagt Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes. Die Räuber kommen mit wenig Lebensraum zurecht. Auch in Schutzgebieten breiten sie sich aus: So haben Füchse bereits Großtrappen getötet. „Sie sind die Profiteure des Strukturwandels“, sagt der Chef des Landesjagdverbandes, Georg Baumann.