Ein Angebot des medienhaus nord

Neuzelle Auf den Weinspuren der Mönche

Von Redaktion svz.de | 15.09.2016, 11:25 Uhr

Neuzeller Klosterwinzer verarbeiten die Trauben von 420 Weinstöcken. Besucher dürfen kosten, aber kein kommerzieller Verkauf

Janke gehört zum gemeinnützigen Verein der Neuzeller Klosterwinzer, der 2002 damit begann, den einst von den Mönchen der Zisterzienser-Klosteranlage begründeten Weinanbau wiederzubeleben.

Die Anlage des 1500 Quadratmeter großen Weinbergs auf einer ehemaligen Streuobstwiese war damals eine Kompensationsmaßnahme für Bodenversiegelungen und Rodungen, die bei der Sanierung der Neuzeller Klostermauer erfolgten, erzählt der Geschäftsführer der Stiftung Stift Neuzelle, Norbert Kannowsky.

„Der Ort mit den ihn umgebenden sieben Weinbergen war im 18. Jahrhundert einer der größten Weinproduzenten östlich der Elbe“, sagt Kannowsky. An Holzpfählen aufgereiht stehen 420 Weinstöcke auf der Anhöhe. Vor allem die üppigen dunklen Trauben der Rotweinsorte „Regent“ sind mit blauen Netzen eingehüllt. „Sonst ernten wir hier nichts mehr, denn Stare lieben unseren Wein“, erzählt Janke, nach dessen Angaben der „Fraßverlust“ im vergangenen Jahr erheblich war.

Ohnehin sei 2015 kein gutes Weinjahr gewesen, sagt Vereinskollege Manfred Rösler. Lediglich 250 Liter Wein konnten gewonnen werden. Normal sei mindestens das Doppelte. In diesem Jahr haben die 20 Klosterwinzer deshalb Sitzkrücken für Greifvögel aufgestellt, die vor allem Milane gern nutzen und andere Vögel abschrecken.

Zwei blaue und fünf weiße Weintrauben-Sorten gedeihen auf dem Neuzeller Scheibenberg. Nicht alle Sorten, die vor Jahren aus klassischen Weinanbaugebieten geholt wurden, eignen sich für die leichten und sandigen Böden Brandenburgs.

„Den typisch sächsischen Goldriesling haben wir wieder aussortiert. Die Sorten Solaris und Phönix passen besser zu unseren Verhältnissen“, erklärt Rösler, der genau wie seine Mitstreiter zunächst Laie auf dem Gebiet war. In diesem Jahr sind die Neuzeller zuversichtlich, eine gute Ernte einbringen und selbst verarbeiten zu können.

Die Trauben werden vom Stiel getrennt und „angeschlagen“, damit sich der Saft während der Maische in den Gärbottichen leichter löst und gärt. Anschließend wird gepresst, gekeltert und im nächsten Frühjahr in Flaschen gefüllt. „Der Weißwein schmeckt schon kurze Zeit später, der rote erst zu Weihnachten“, erläutert Janke.

Die alte Schmiede auf dem einstigen Wirtschaftshof des Klosters wurde mit Fördermitteln wieder aufgebaut und ist seit vier Jahren Domizil der Klosterwinzer. Hier gibt es einen kleinen Gastraum für Verkostungen, daneben eine Küche, wo die Trauben verarbeitet werden.

Im angrenzenden Schuppen steht neben der hydraulischen Presse auch eine per Handrad angetriebene Entrappmaschine, die das Abbeeren der Früchte von den Stielen erleichtert.

Der Wein reicht auch bei guter Ernte nicht für einen kommerziellen Verkauf. „Wir veranstalten Verkostungen für Besucher und verkaufen weißen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt“, erzählt die Vereinsvorsitzende Uta Kaufmann. Es gehe ja um die Weiterführung alter Traditionen, die 1850 mit dem Ende des Mönchsklosters zunächst vorbei waren.

Jeanette Bederke