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Kleine Geschenke Auf dem Traktor zur Bescherung

Von Redaktion svz.de | 22.12.2017, 05:00 Uhr

Jedes Jahr an Heiligabend kutschiert Ortsvorsteher Dieter Juritz Weihnachtsmann, Engel und Wichtel durch Sternebeck

„Leise rieselt der Schnee“ klingt es von einem mit Lichterketten und Weihnachtsbaum geschmückten Traktor, auf dessen Hänger jede Menge bunt verpackte Geschenke liegen. „Na, mit dem Schnee wird es ja dieses Jahr wohl wieder nichts“, knurrt Sternebecks Ortsvorsteher Dieter Juritz. Zusammen mit Weihnachtsmann, Weihnachtsengel und Wichtel macht er sich jedes Jahr zu Heiligabend mit dem Traktor auf zu einer Beschertour durch Sternebeck und den Nachbarort Harnekop (Märkisch-Oderland).

Kinder bis zwölf Jahre sowie Senioren, die aufgrund schlechter körperlicher Verfassung kaum noch aus dem Haus kommen oder zu Weihnachten keinen Besuch haben, werden mit kleinen Aufmerksamkeiten erfreut - Süßigkeiten, Spielzeug, Tee, Honig und Plätzchen. Wie lange das in Sternebeck schon Tradition ist und wer einst die Idee dafür hatte, weiß keiner mehr so genau. „Kurz nach der Wende muss das gewesen sein“, sagt Wolfgang Rettke, der selbst seit über 20 Jahren schon in den roten Weihnachtsmantel und den Rauschebart schlüpft.

Fast genauso lange holt der Sternebecker Ortsvorsteher Juritz den Traktor am 24. Dezember aus der Garage. Wie schon gesagt, auf den Schnee sei ja seit Jahren kein Verlass mehr, meint er zur Erklärung.„Früher haben wir zwei Pferde vor einen großen Schlitten gespannt, das war natürlich viel romantischer“, erzählt der ganz in Weiß gekleidete Weihnachtsengel Melanie Schimanek. Nun diene eben der Traktor als „Schlechtwettervariante“.

An dem Gefährt hängt eine Glocke, mit der die Dörfler auf die Weihnachtstour aufmerksam gemacht werden. „Die meisten warten schon hinter der Tür“, sagt Weihnachtsmann Rettke, der in seinem wahren Berufsleben in einer Bauservicefirma arbeitet. Ohne Gedicht oder Weihnachtslied gebe es allerdings keine Geschenke - ob nun für Kinder oder Senioren. Sei das erfolgreich geschafft, halte sein als Wichtel verkleideter Enkel Marvin den großen Sack auf, damit der Bescherte hinein greifen könne. In diesem Jahr stehen mehr als 32 Mädchen und Jungen sowie über 20 betagte Dörfler auf dem Besuchsprogramm.

Für die Geschenkebringer gibt es von den Bescherten auch etwas zurück - ein Stück Stollen oder ein Schnäpschen. „Da müssen wir schon aufpassen und auch mal ablehnen, sonst halten wir die Tour nicht bis zum Ende durch“, deutet der Weihnachtsmann augenzwinkernd an. Denn nicht nur durch den 155-Seelen-Ort Sternebeck geht die Tour morgens ab 9 Uhr, sondern auch durch das Nachbardorf Harnekop mit seinen rund 170 Bewohnern. „Wir waren früher mal eine Gemeinde“, erklärt der Ortsvorsteher. Inzwischen gehörten beide Dörfer zur Gemeinde Prötzel, doch in anderen Ortsteilen habe ihre Weihnachtsaktion bisher keine Nachahmer gefunden, sagt der 76-Jährige.

Das ganze Jahr über sammelt er Spenden, mit denen zwei weitere Helferinnen kleine Aufmerksamkeiten kaufen. „Das sind die Dorfbewohner selbst, die Geld dafür geben“, stellt Juritz klar. Für ihn sei der Heilige Abend alljährlich ein Höhepunkt. „Du triffst gerade unter den Älteren Nachbarn, die Du lange nicht gesehen hast.“ Weihnachtsmann Rettke fühlt sich dabei manchmal auch wie ein Seelentröster. „Die Senioren schütten ihr Herz aus, erzählen von ihren Problemen.“ Engel Schimanek nutzt die Tour, um selbst in Weihnachtsstimmung zu kommen. „Schaust Du in die glänzenden Kinderaugen, ist der Geist der Weihnacht plötzlich da“, beschreibt die 38-Jährige.

Das Engagement des ehrenamtlichen Sternebecker Ortsvorstehers gehe weit über das normale Maß hinaus, sagen seine weihnachtlichen Mitstreiter, die auch im örtlichen Karnevalsverein aktiv sind. „Dass Menschen für ihren Ort mehr tun, als sie müssten - so etwas gibt es auch in anderen Dörfern“, sagt Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Seenland Oder-Spree. Als Beispiel nennt sie den Ortsvorsteher des Oderbruch-Dorfes Neulietzegöricke (Märkisch-Oderland), der regelmäßig als Dorfschulze verkleidet Besucher durch den Ort führt. In Ranzig (Oder-Spree) sei der Ortschef jedes Jahr für die Vorbereitung des gemeinsamen Silvester-Feuerwerks verantwortlich.