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Wie sie ticken AfD: Angst, Wut und Empörung

Von Ulrich Thiessen | 22.02.2019, 05:00 Uhr

Studie sieht bei Wählern der rechtspopulistischen Partei pessimistische Weltsicht und Verschwörungstheorien

AfD-Wähler zeichnen sich vor allem durch ihre pessimistische Weltsicht, durch Ängste und Verschwörungstheorien aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die in Potsdam auf einer Tagung des Brandenburger Verfassungsschutzes vorgestellt wurde.

Viola Neu, stellvertretende Hauptabteilungsleiterin der CDU-nahen Stiftung, erklärte, dass die Wähler der AfD sich im Osten nicht von denen im Westen unterscheiden würden. Sie stützte sich dabei auf längere Interviews, die  im Auftrag der Stiftung durchgeführt wurden. Demnach gibt es keine sozio-ökonomischen Gründe für die Parteipräferenz – sprich, die Befragten schätzten ihre persönliche Situation nicht schlechter ein als die Wähler anderer Parteien.

Unterschiede gibt es aber im emotionalen Bereich. AfD-Wähler äußerten besonders häufig Gefühle wie Angst, Empörung, Wut oder Verzweiflung. Das Gefühl zurückgesetzt zu sein, habe sich nicht zuletzt mit der Willkommenskultur 2015 beim Eintreffen der ersten Flüchtlinge verstärkt. „Für die tut der Staat alles, aber für uns ...“, so lautet eine oft geäußerte Meinung bei den Befragungen. Die Wähler der Grünen seien dagegen diejenigen mit der größten Zuversicht.

Die AfD-Wähler zeichneten sich durch besonders hohe Skepsis gegenüber Institutionen aus. Das Misstrauen gegenüber Gerichten, Polizei und der Presse sei signifikant höher als bei den Wählern anderer Parteien. Viola Neu sprach von einer massiven Eliten-Kritik. Wobei der Begriff „Elite“ sehr weit unten angesetzt werde: Das Misstrauen betreffe bereits den Lehrer, den Polizisten oder den Hausarzt. Die Befragungen hätten zudem einen Hang zu Verschwörungstheorien zutage gefördert. „Jeder hat seine eigene Verschwörungstheorie“, beschrieb die Sozialforscherin die Ergebnisse.

Nach wie vor sei die AfD eine Denkzettelpartei, von der man keine Problemlösungen erwartet, sondern mit deren Wahl man die anderen Parteien wachrütteln wolle. Die Frage, ob man die Demokratie abschaffen solle, finde selbst bei den Wählern der rechtspopulistischen Partei keine Zustimmung.

Neu betonte, dass die Zustimmung für die AfD nach Beginn der Zuwanderungswelle und noch einmal 2017 zur Bundestagswahl besonders hoch gewesen sei. Je mehr andere Themen die politische Debatte bestimmen, desto mehr verringere sich die Zustimmung für die AfD. Momentan, so Viola Neu, sei das Wählerpotenzial bis auf vielleicht zwei Prozentpunkte nach oben ausgeschöpft.

Die jährliche Fachtagung war der Neuen Rechten gewidmet und den Versuchen der Extremisten, die Grenzen zum Konservatismus bewusst zu verwischen. Frank Nürnberger, Chef der Verfassungsschutzabteilung, berichtete von gezielt mehrdeutigen Äußerungen, mit denen provoziert und dann von Missverständnissen gesprochen werde. Die Intellektuellen der Neuen Rechten unterschieden sich äußerlich und rhetorisch von den Neonazis, die bislang im Fokus der Behörde standen, sie seien aber keine geringere Gefahr, sagte Nürnberger. ⇥