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Frankfurt (Oder) A12: Tempo 40 sorgt für Frust

Von Mathias Hausding | 08.06.2019, 05:00 Uhr

Massive Verkehrseinschränkungen an der Dauerbaustelle bei Briesen. Fahrbahndecke muss wegen Betonkrebs erneut werden

„Bauen dort dieselben Leute wie am BER?“ „Warum wird die Autobahn nicht gleich ganz gesperrt? Dann gibt es wenigstens keine Unfälle.“ „Warum stehen da nur Baken, und es wird nicht gebaut?„ – „40? Tempo 60 ist ja für die meisten schon schwer einzuhalten.“ – „Ich mache jetzt Home-Office.“ Die am Montag bekannt gewordenen massiven Verkehrseinschränkungen auf der A12 zwischen Briesen und Müllrose (Oder-Spree) haben viele Leute aufgewühlt.

Die „Autobahn der Freiheit“, manche sagen „Autobahn der Frechheit“, ist seit Jahren eine Dauerbaustelle. Seit Mai nun wird ein acht Kilometer langes Stück erneuert, das teilweise noch nicht einmal zehn Jahre alt ist. Der älteste jetzt zu sanierende Abschnitt ist nach Angaben des Landesbetriebs Straßenwesen von 2001, hat also auch noch nicht viele Jahre hinter sich. Sie alle werden wegen Schäden durch die  Alkali-Kieselsäure-Reaktion saniert, auch als Betonkrebs bekannt. Von der angegriffenen Betondecke werden einige Zentimeter abgefräst und durch Asphalt ersetzt. Das soll zehn bis zwölf Jahre halten, ist dann aber vergleichsweise einfach zu erneuern. Von den Betondecken dachte man einmal, dass sie 30 Jahre halten. Der Betonkrebs und die ständig zunehmenden Belastungen durch schwere Trucks ließen diese Hoffnungen platzen.

Nun gesellen sich zu den Baustellen noch bislang nicht gekannte Tempo-Einschränkungen – in Richtung Berlin die schon teilweise üblichen 60 Stundenkilometer, in Richtung Bundesgrenze aber werktags bis 22 Uhr Tempo 40. Und das voraussichtlich bis Ende September.

Dass das für Ärger sorgt, ist auch dem Landesbetrieb Straßenwesen klar. „Wir sind alle Pendler. Wir kennen die Probleme und müssen mit diesen Einschränkungen leben“, sagt Pressesprecherin Cornelia Mitschka. Tempo 40 habe sich niemand ausgedacht, um die Leute zu schikanieren, sondern sei Bestandteil von ,ASR A 5.2’, einer neuen Arbeitsschutzregel, die seit diesem Jahr bundesweit gilt.

Damit will der Bund mehr Sicherheit für Arbeitsplätze an Straßenbaustellen schaffen. Schwere Maschinen, Lärm, dichter Verkehr – das sind für die Bauleute große Belastungen. Für die Baustelle an der A12 bei Briesen sieht die Regel teilweise Tempo 40 vor, weil wenig Platz zwischen Fahrbahn und Arbeitsplatz ist und die Bereiche lediglich durch Baken voneinander getrennt sind, und nicht durch eine Schutzwand. Bei manchen Baustellen innerorts sorge die neue Regel dafür, dass die Durchfahrt komplett gesperrt werden muss, wo bislang der Verkehr zumindest einspurig vorbeigeführt werden konnte, ergänzt Cornelia Mitschka.

Und warum Baken und keine Schutzwände, die auf der A12 zumindest Tempo 60 ermöglichen würden?  „Die Baustelle soll immer wieder je nach Fortschritt der Arbeiten verschwenkt werden können. Außerdem sollen Baufahrzeuge eine leichte Zufahrt haben“, erklärt Cornelia Mitschka. Mit dem ständigen Auf- und Abbau von Schutzwänden würden die Bauarbeiten unter dem Strich wesentlich länger dauern. Am schnellsten würde es übrigens tatsächlich bei einer vorübergehenden Vollsperrung der Autobahn gehen, sagt die Sprecherin des Landesbetriebs. Aber eine komplette Schließung der Verbindung von Berlin nach Warschau dürfte unvorstellbar sein.