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Streit um Abschussprämie 20 Euro für jedes tote Wildschwein

Von Mathias Hausding | 09.12.2016, 05:00 Uhr

Geteiltes Echo auf Abschussprämie gegen Schäden an den Deichen von Oder und Neiße

Zwanzig Euro für jedes zusätzlich erlegte Wildschwein – mit diesen und anderen Maßnahmen eines in der vergangenen Woche gestarteten Sofortprogramms will das Umweltministerium gefährliche Wühlschäden an den Deichen verhindern. Der Landesjagdverband begrüßt die Abschuss-Prämie als „Zeichen des guten Willens“, wie Verbandssprecher Tino Erstling betont. „Die Prämie hat sicher in erster Linie einen symbolischen Charakter, dürfte aber durchaus auch Anreize schaffen, mehr zu jagen“, ist er überzeugt.

Skeptisch ist Peter-Claus Neigenfind, Chef des Jagdverbands Bernau. „Wegen 20 Euro geht niemand extra raus“, glaubt er. Ziel der Maßnahmen ist die Reduzierung der Bestände. „Wir haben überall im Land starke Wildschäden, aber an den Deichen steht besonders viel auf dem Spiel“, erklärt Erstling. Schon in einer Nacht könne eine Sau mit ihrem Wühlen viel Unheil anrichten. Grund für die steigenden Schäden sei die starke Vermehrung der Tiere. Als Hauptursachen dafür nennt Erstling die milden Winter, den intensiven Maisanbau in der Landwirtschaft und ein durch den Klimawandel erhöhtes Nahrungsangebot etwa an Eicheln für das Schwarzwild.

Ulrich Hardt, Leiter der obersten Jagdbehörde im Land, hält die 20 Euro für einen „guten Kompromiss zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren“. Ob das auf zwei Jahre angelegte Modellvorhaben erfolgreich sein werde, sei offen. Es gebe bundesweit kaum vergleichbare Maßnahmen. Die Behörden hätten sich zum Handeln gezwungen gesehen, „als die Lage im Nationalpark Unteres Odertal hochkochte“, so Hardt. „Auch von anderen Deichabschnitten gab es Berichte über Wühlschäden an den aufwendig sanierten Hochwasserschutzanlagen.“ Die Tiere brechen demnach die Grasnarbe auf der Suche nach Würmern und anderer Nahrung.

Um die Schweine zurückzudrängen, werden im Nationalpark an einigen Stellen Elektrozäune errichtet. Auch mehr Kirrungen soll es geben, also Futterplätze, an die das Wild gelockt wird. Weiterhin setzt man auf mobile Hochsitze am Deich, um gezielter jagen zu können. Die Durchführung größerer Jagden im Park wird vereinfacht.

Die Abschuss-Prämie aber gilt für die gesamten Landkreise Uckermark, Barnim, Märkisch-Oderland, Oder-Spree und Spree-Neiße sowie für Frankfurt und Cottbus. Konkret fließen 20 Euro für jedes Wildschwein, das im Vergleich zum vergangenen Jagdjahr zusätzlich erlegt wird. Die Schwarzwildstrecke umfasst im Jagdjahr 2015/2016 ) in Brandenburg 71 364 Tiere – 507 mehr als im Vorjahr. Die mit Abstand höchsten und auch im Vergleich zum Vorjahr deutlich höheren Abschüsse wurden mit 9433 Tieren aus der Uckermark gemeldet. Diese Zahl gilt es also zu übertreffen, dann fließt Geld.

Ulrich Hardt räumt ein, dass die Prämie allein kein Allheilmittel ist, sondern ein Mosaikstein einer ganzen Reihe von Maßnahmen. So habe man in Zusammenarbeit mit dem Landestierarzt die Regeln für den Abschuss von Bachen vereinfacht. „Wir hinken hier dem Mindestabschussplan hinterher, müssen eigentlich doppelt so viele weibliche Tiere erlegen“, erklärt der Leiter der obersten Jagdbehörde.