Mauerfall-Jubiläum : Berlin baut Mauer aus Licht

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Kurz vor dem Mauerfall-Jubiläum teilt eine Grenze Berlin wieder in Ost und West - aber nur symbolisch. Tausende weiße Ballons zeichnen bis Sonntagabend einen Teil des einstigen Verlaufs der Sperranlagen nach. Touristen sind begeistert.

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09. November 2014, 00:00 Uhr

Der einstige Todesstreifen leuchtet. Knapp 7000 Licht-Kugeln erhellen in kilometerlanger Reihe den Abendhimmel über Berlin. Die Ballons - noch an drei Meter hohen Stangen befestigt - scheinen zu schweben, leicht schwingen sie hin und her. Berliner und Touristen sind am Freitagabend in Scharen unterwegs, um die symbolische Lichtgrenze in Augenschein zu nehmen. Dort, wo die Mauer einst Menschen trennte, spazieren sie nun friedlich. Die Lichterkette hat sich Berlin zum 25. Jahrestag des Mauerfalls einfallen lassen.

Ein älteres Ehepaar aus Kopenhagen ist extra zu den Feierlichkeiten angereist. Beide laufen in der Nähe des früheren Grenzkontrollpunkts Checkpoint Charlie direkt auf dem Pflasterstreifen, der den Verlauf der Mauer markiert und wo jetzt die Ballonkette aufgestellt ist. „Es ist beeindruckend“, sagen beide. Sie ärgern sich noch heute, dass sie nach dem Fall der Mauer nicht sofort nach Berlin gefahren sind. „Aber nun kommen wir zweimal im Jahr.“

Auf etwa 15 Kilometern ist die einstige Grenze als Lichtkette wieder zu erkennen - sie reicht von der Bornholmer Brücke, wo vor 25 Jahren unter dem Druck der Ost-Berliner zuerst der Schlagbaum hochgezogen wurde, über das Brandenburger Tor bis zur Oberbaumbrücke.

Als Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Installation offiziell eröffnet, sind auch frühere DDR-Bürgerrechtler dabei. Wowereit sagt, ihr Anteil an der friedlichen Revolution dürfe nicht vergessen werden. Hier, an der Marschallbrücke nahe dem Reichstag spiegelt sich die leuchtende Linie in der Spree. Einige hundert Menschen sind zur Eröffnung gekommen. Der 49-jährige Gunnar Lowack aus Regensburg freut sich, dass er das Mauerfall-Jubiläum in Berlin miterleben kann. „War für mich immer ein Unding, dieses geteilte Deutschland.“ Am Sonntagabend wird Wowereit, der sein Amt im Dezember aufgibt, bei einem Bürgerfest am Brandenburger Tor das Startzeichen zum Aufstieg der Ballons - und damit zur Auflösung der Lichtgrenze - geben: etwa zu der Uhrzeit, als vor 25 Jahren das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski seine berühmte Pressekonferenz gab.

Einstige DDR-Bürgerrechtler, Friedensnobelpreisträger, Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Panikrocker Udo Lindenberg werden dabei sein, wenn die Kugeln mit persönlichen Botschaften und Wünschen in die Höhe steigen. Und sicher wird es Gänsehaut-Feeling geben, wenn die Staatskapelle unter Daniel Barenboim dazu Beethovens „Ode an die Freude“ intoniert. Nach Berlin gekommen ist auch der ehemalige sowjetische Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow, der mit seiner Politik von Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) einst den Wandel in Osteuropa und der DDR eingeleitet hatte. „Ich bin auch stolz darauf, dass ich ein bisschen etwas beigetragen habe dazu, dass wir heute so leben, wie wir leben“, sagte der 83-Jährige bei einem Besuch am früheren alliierten Grenzübergang Checkpoint Charlie.

Auch wenn am Freitagabend noch die eine oder andere Lampe ausfällt, haben die Organisatoren ein logistisches Mammutprogramm gestemmt. Entlang der Kette stehen Infotafeln, an der Bornholmer Straße sind auf Videowänden Filme zum Mauerfall zu sehen. Überall werden Handys für ein Foto gezückt. Familien sind samt Fahrrad und Kinderanhänger unterwegs, Jogger laufen entlang der Lichtgrenze. Die East Side Galerie, das noch existierende Mauerstück an der Oberbaumbrücke, erscheint im besonderen Licht der Installation, die nicht überall exakt der ehemaligen Grenze folgt, sondern sich mancherorts dem heutigen Verkehr anpasst.

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