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Die K-Frage Umfrage: Braucht Deutschland eine Katzensteuer?

Von Teresa Dapp | 23.01.2017, 21:00 Uhr

Wer einen Hund hält, muss dafür Steuern zahlen. Wer eine Katze hält, muss das nicht. Das kann man ungerecht finden oder völlig richtig, vor allem kann man heftig darüber streiten. Fest steht: Deutschland hat mancherorts ein Katzenproblem.

„Typ Hund“ oder „Typ Katze“? Die Haustier-Vorliebe sagt angeblich viel über den Charakter eines Menschen aus - und kann zu handfestem Streit führen. Stinken nasse Hunde, sind Katzen bösartige Egoisten? Ist es nicht unfair, dass nur Hundebesitzer Steuern zahlen, wenn auch Katzen öffentliche Sandkästen als Klo nutzen? Eine Katzensteuer muss her! Oder? Fast 13 Millionen Katzen halten die Deutschen, im Vergleich zu „nur“ 7,9 Millionen Hunden. Kein Wunder, dass das Thema Katzensteuer Wellen schlägt. Aber der Reihe nach.

Will die Politik jetzt die Katzensteuer einführen? Nein. Losgetreten hat die Debatte eine Äußerung des Bundessprechers der Grünen Jugend, Moritz Heuberger, der auf Anfrage der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Steuer nicht ablehnte, sondern sagte, man brauche dafür erst mal mehr Informationen. Die Partei stellte sofort klar: Berichte, man fordere eine Katzensteuer, seien „Quatsch“.

Richtig ist aber: Deutschland hat mancherorts ein Katzenproblem. „In einzelnen Regionen Deutschlands haben sich Kolonien aus herrenlosen, wildlebenden Katzen entwickelt, weil Tiere ausgesetzt wurden oder entlaufen sind“, sagt eine Sprecherin von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU). „Die Katzen erfahren ohne menschliche Obhut und Versorgung häufig Schmerzen, Leiden oder Schäden in teilweise erheblichem Ausmaß.“ Aber nicht nur die Katzen selbst, auch ihre Beutetiere brauchen Schutz. „Der Speiseplan sieht immer ähnlich aus“, sagt Torsten Reinwald vom Deutschen Jagdverband. Ein Viertel Vögel, 70 Prozent kleinere Säugetiere wie Mäuse, Ratten oder junge Hasen und fünf Prozent Reptilien und Insekten. Wenn man von zwei Millionen herrenlose Katzen in Deutschland ausgehe, dann fielen diesen pro Jahr 14 Millionen Vögel zum Opfer. Nicht nur kranke und schwache, sondern auch gesunde und vor allem junge Vögel.

Meinung

Brief eines empörten Katers

Meinung – Sebastian Schramm
Ich sage Ihnen einmal was: Mein Katzenleben, es ist der pure Stress. Wer etwas anderes behauptet, lügt! Oder steckt unter einer Decke mit der Maus. Immer diese fortwährenden Entscheidungen, die sich jeden Tag auftürmen wie Kratzbäume: Wann soll ich essen? Wer spielt mit mir? Welcher Schlafplatz soll es heute sein? Wer lässt mich raus, damit ich in meinem Revier für Recht und Ordnung sorgen kann? Miau. Es ist die Hölle.

Seit ein paar Tagen kann ich nicht mehr schlafen. Ein Redakteur der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ forderte in einem Kommentar doch wirklich, es wäre an der Zeit, endlich eine Katzensteuer einzuführen, analog zu diesen nervigen Vierbeinern, die immer nur das machen, was ihnen von den Herrchen gesagt wird. Er bezeichnet uns liebevolle Stubentiger als ein Herr von Prädatoren, schätzungsweise 13 Millionen Katzen, die Deutschlands Straßen und Wohnzimmer mit ihrer felligen Diktatur unterjochten, jeder Tag ein einziges, beängstigendes Gemetzel. Dosenfutter würde uns nicht reichen, unser angeborener Trieb wäre unauslöschbar, selbst nach dem leckeren Pastetchen von Sheba. Er ist sich nicht sicher, und ich zitiere ihn, „wie viele Amphibien und Reptilien sonst noch von ihnen massakriert würden“.

Ganz unrecht hat er nicht. Erst letzte Woche schaffte ich es endlich, diesen gottverdammten Laserpointer zur Strecke zu bringen. Aber sind wir doch mal ehrlich: Warum sollte ich mich wider meine Natur verhalten? Sehe ich bei einem entspannten Auslauf ein kleines und leckeres Mäuschen, dann packe ich zu. Entweder für den Snack zwischendurch oder ich lege es Herrchen vor die Haustür. Mein persönliches Zeichen der Zuneigung. Was kann ich denn dafür, wenn sich die Hundebesitzer schon bei einem nassen Stock freuen? Ich bin halt anders.

Ein bisschen verstehe ich ihn ja: Schätzungsweise zwei Millionen arme Brüder und Schwestern von mir laufen frei herum, ohne ein richtiges Zuhause. Sie sind nicht kastriert oder sterilisiert, so wie ich. Sie vermehren sich, brauchen Fressen, hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck, wie der Redakteur nachvollziehbar schreibt. Die Tierheime sind dadurch überfüllt und überfordert. Keine schönen Zustände.

Aber deshalb eine Katzensteuer, wenn doch schon die Taxe der Hunde von jeder Kommune frei verwendet werden kann? Vor ein paar Tagen sprach ich mit dem Sprecher vom Tierschutzbund. Er meinte: „Eine Erweiterung der Steuern für andere Luxustiere, wie Katzen, wäre nur dann akzeptabel, wenn die Erlöse zur Verbesserung des Tierschutzes eingesetzt würde.“ Ein Vorschlag: Das Paderborner Modell deutschlandweit nutzen. Seit 2008 muss in Paderborn jeder Katzenhalter, der seinem Stubentiger Ausgang gewährt, dafür sorgen, dass er kastriert ist, gechipt oder tätowiert. Tut zwar höllisch weh, ich weiß es, aber immerhin wird damit die unkontrollierte Fortpflanzung gestoppt, zumindest eingedämmt. Für die Sache! Und Tierheime könnten sich besser kümmern, weil wieder mehr Platz bei ihnen ist. Eine Katzensteuer braucht es dafür nicht. Sogar die Grünen, diese Tierfutterpartei, halten es für Humbug.

Und vielleicht kann ich bald endlich wieder schlafen, mich den wichtigen Fragen widmen: denen nach dem Essen, dem Schlafplatz und meinem Revier. Sie wissen schon: Einfach Katze sein. Miau!
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Eine Katzensteuer fordern die Jäger aber nicht. Das sei vielleicht eine Möglichkeit, aber Sache der Politik. Sie sprechen sich für eine flächendeckende Pflicht für Katzenhalter aus, ihre freilaufenden Haustiere registrieren und kastrieren zu lassen. Vorbild sei die Paderborn, wo man so eine Regelung früh eingeführt habe.

Das sehen Tierschützer ganz genau so. Etwa die Tierärztin Sophie Arnold von der Akademie für Tierschutz. Die Einführung einer Katzensteuer könne dazu führen, dass Tiere ausgesetzt werden, sagt sie. Außerdem seien Steuern für Tierhalter generell nur sinnvoll, wenn das Geld auch wieder für den Tierschutz ausgegeben würde - aber Steuereinnahmen sind nicht zweckgebunden, auch die Hundesteuer nicht.

Der Tierschutzbund begrüßt, dass inzwischen mehr als 430 Kommunen von ihrem Recht Gebrauch machen, das Kastrieren vorzuschreiben. Er spricht sich für eine deutschlandweite Regelung aus. Daraus wird aber vorerst nichts: Die Bundesregierung hält so etwas für „unverhältnismäßig“, da streunende Katzen nur in manchen Regionen ein Problem seien, wie es im Tierschutzbericht heißt.

Nicht mal die Städte und Gemeinden, denen die Katzensteuer-Einnahmen zugute kämen, wollen Katzenbesitzer zur Kasse bitten. Diese Steuer werde immer wieder diskutiert, teilt der Städte- und Gemeindebund mit. „Schließlich finden sich auch Katzenfäkalien auf öffentlichen Straßen und Wegen, für deren Beseitigungsaufwand eine Steuer - analog zur Hundesteuer - in der Sache gerechtfertigt wäre.“ Der Aufwand für die Verwaltung wäre aber wegen des geringen Ertrags nicht gerechtfertigt.

Will denn überhaupt irgendwer die Katzensteuer, für deren Einführung übrigens nicht der der Bund, sondern die Bundesländer und Kommunen zuständig wären? Der Rheinische Landwirtschafts-Verband zum Beispiel ist dafür: Die Steuer würde „langfristig bewirken, dass Bürger sich bewusster für eine Katze entscheiden und sie nicht einfach wieder aussetzen“.