Tote Schweinswale in der Ostsee : Behörde nicht über Minensprengung informiert

Dänemark, Kerteminde: Ein Schweinswal schwimmt im Fjord-Belt-Sealand im dänischen Kerteminde.

Dänemark, Kerteminde: Ein Schweinswal schwimmt im Fjord-Belt-Sealand im dänischen Kerteminde.

Über die Sprengung von 42 Kriegsminen im Schweinswale-Gebiet Fehmarnbelt soll nicht wie vorgeschrieben informiert worden sein. 18 tote Wale wurden gefunden. Die Marine sieht kein Fehlverhalten.

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25. November 2019, 18:06 Uhr

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ist nach eigenen Angaben nicht wie vorgeschrieben vorab über die Sprengung von 42 Kriegsminen im Schweinswale-Gebiet Fehmarnbelt in der Ostsee bei einem Marine-Manöver informiert worden. Insgesamt 18 tote Wale waren nach der Marineübung im August gefunden worden. Für die Zukunft sei eine bessere Form der Abstimmung zu gewährleisten, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums am Montag in Berlin. Es gebe nicht viele Schweinswale in der Ostsee. Daher sei es „sehr besorgniserregend“, wenn in einem Monat 18 der streng geschützten Tiere anlanden.

Sprengungen außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte, bisher sei bei laufenden Untersuchungen kein direkter Zusammenhang der Minensprengungen mit den toten Schweinswalen hergestellt worden. Die Sprengungen seien außerhalb der deutschen Hoheitsgewässer, also außerhalb der Zwölf-Meilen-Zone erfolgt.

Bei der Sprengung seien Vorschriften befolgt worden, Tiere aus dem Gebiet fernzuhalten. Das Wasser- und Schifffahrtsamt habe die Position von 42 Minen bekannt gegeben, um diese zu vernichten. Die Objekte seien mittlerweile so empfindlich für Druck oder Schläge, dass ein herabfallender Anker oder ein Fischernetz ausreichten, eine Detonation auszulösen. Das Amt fasse solche Minen daher nicht mehr an, allein die Marine sei dazu in der Lage.

Nach einer Abwägung sei entschieden worden, diese Gefahr zu bannen. Die Sprengung bei einer Nato-Übung im August habe dafür gesorgt, dass ein viel befahrener Seeweg der Ostsee sicherer werde.„Das Bundesamt für Naturschutz hätte nach § 3 Absatz 5 Satz 1 Bundesnaturschutzgesetz als zuständige Naturschutzbehörde in der ausschließlichen Wirtschaftszone (12 bis 200 Seemeilen-Zone, AWZ) von einer Räumung durch die durchführende Stelle vorab in Kenntnis gesetzt und beteiligt werden müssen“, erläuterte eine Sprecherin.

Bisher kein etabliertes Verfahren zur Einbindung des Bundesamtes

Dies insbesondere, da die Sprengungen im Naturschutzgebiet „Fehmarnbelt“ stattfanden, das zugleich auch ein europäisches Natura 2000-Schutzgebiet sei. „Im vorliegenden Fall ist dies nicht erfolgt, obwohl die Lage der Seeminen seit 2016 bekannt war.“ Bisher gebe es allerdings kein etabliertes Verfahren zur Einbindung des Bundesamtes bei der Bergung oder Entschärfung von Munition im Meer. Ein solches Verfahren soll jedoch im Zuge der Umsetzung der Managementpläne für die Naturschutzgebiete in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee entwickelt werden.

Aus Sicht des BfN sollte zur Vermeidung der Sprengung im Wasser stets zuerst die Möglichkeit einer Beseitigung an Land geprüft werden. Da die Marktreife einer vollautomatischen Roboter-Bergungsmethode in den nächsten Jahren erreicht werden könne, könnte auch zwischenzeitlich Munition in Munitions-Sperrgebiete gezogen werden. Falls eine Sprengung im Wasser nicht vermieden werden könne, ließen sich die Auswirkungen minimieren. Hierzu zählen etwa die Sprengung zu einer weniger sensiblen Zeit sowie so genannte Blasenschleier. Sie können die Detonationswirkung einer Sprengung unter Wasser vermindern.

Alternativen zur Sprengung im Meer

Zugleich betonte das Naturschutzamt, dass die Wirkung von kleinen Vorsprengungen als Vergrämungsmaßnahme bisher nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden konnte. Auch der Einsatz von Sonaren zur Vergrämung sei nicht nachgewiesen. Sogenannte Pinger oder Sealscarer sind Geräte, die unangenehme Geräusche erzeugen, durch die die Tiere aus der Umgebung der Geräuschquelle vertrieben werden. „Sie haben sich als Vergrämungstechnologie zwar bewährt, können einen wirksamen Schutz von Schweinswalen vor sprengungsbedingten Verletzungen jedoch aufgrund der oftmals großen Wirkradien von Sprengungen nur in Kombination mit einem Blasenschleier sicherstellen“, so die Behörde.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) forderte den Bund auf, auf Alternativen zur Sprengung im Meer zu setzen und Projekte zur Unterwasserentschärfung per Roboter zu fördern. In der deutschen Nord- und Ostsee liegen etwa 1,6 Millionen Tonnen Munition. Die Umweltministerkonferenz der Länder beschloss vor knapp zwei Wochen in Hamburg einen Antrag der Küstenländer Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Ziel ist eine Handlungsstrategie: Bund, Länder und die EU sollen das lange vernachlässigte Problem anpacken. Man habe auch die deutsche EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 im Blick und wolle dazu beitragen, das Thema auf die Agenda zu bringen, sagte Albrecht.

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