Umweltprojekt : Angler geben Fischen eine Zukunft

Laich-Auftakt in Aukrug: Lachse und Meerforellen werden gefangen, damit sie ihre Eier nicht im verschlammten Flussbett ablegen.

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23. November 2017, 11:22 Uhr

Einst als äußerst selten geltende Lachse und Meerforellen sind längst wieder an den Küsten von Nord- und Ostsee zu Hause. Im Herbst kehren die ausgewachsenen Fische aus den Meeren über die Bäche und Flüsse wie Stör, Bramau, Treene oder Trave zum Laichgeschäft ins Binnenland zurück – meist dahin, wo sie selbst einmal geboren wurden. Das ist die Zeit vieler Mitglieder des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein. Sie greifen in ihren Vereinen der Natur flächendeckend unter die Arme und sorgen ehrenamtlich für ein reibungsloses Laichgeschäft der Fische. Denn: in den meisten Bächen und Flüssen würden die kostbaren Fischeier schnell absterben. Landesweiter Auftakt des Laichgeschäfts von Lachsen und Meerforellen war jetzt in der Stör bei Aukrug.

Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Stör-Bramau griffen mit Hilfe der Elektrofischerei von einem Aluminiumboot aus laichbereite Lachse und Meerforellen ab. „Dabei hilft uns ein Gleichstromfeld, mit dem bis zu 360 Volt ins Wasser und somit an den Fisch gebracht werden“, sagte der Aukruger Hartwig Hahn. Er betreut seit Jahrzehnten als Referent des Landessportfischerverbandes ein Bruthaus für Lachse, Meer- und Bachforellen. In der Arge stehen ihm bis zu 30 ehrenamtliche Angler zur Verfügung. Dieses hohe Ehrenamt lobten vor Ort im strömenden Regen die Bundestagsbgeordnete Gyde Jensen und der Landtagsabgeordnete Dennys Bornhöft (beide FDP).

Meerforellen und Lachse suchen in den Oberläufen der Flüsse zur Ablage ihrer Eier meist vergeblich nach grobkiesigen Lebensräumen. „Im Idealfall könnten sie hier ihre Eier ablegen, die bis zum Schlüpfen der Fische zwischen 60 und 120 Tage stets von sauerstoffhaltigem Wasser umspült werden müssen“, sagte Peter Heldt, Präsident des knapp 40000 Mitglieder starken Landessportfischerverbandes. Doch der Umbau der Kulturlandschaft mache den Fischen einen Strich durch die Rechnung. Bachläufe würden begradigt, Gewässersohlen ausgehoben oder Sohlabstürze eingebaut, klagen die Angler. Die Fließgeschwindigkeit von Flüssen und Bächen ist dadurch so gering, dass die Sedimente den fürs Brutgeschäft nötigen grobkiesigen Grund absinken, verschlammen und die Lachs- und Meerforelleneier absterben lassen.

Den Anglern ist es zu verdanken, dass Lachse und Meerforellen ihre Eier nicht in den verschlammten Flussbetten ablegen. Vor ihrer Eiablage werden die Fische schonend gefangen. Hartwig Hahn und seine Helfer streifen im Bruthaus den Rognern (weibliche Fische) die Eier und den Milchnern den Samen ab, bevor die Elternfische nach einer Erholungsphase wieder in die Gewässer gelassen werden. Pro Kilogramm Fisch erwarten die Angler rund 1500 Eier. Hahn: „Die in einer Saison rund 800 000 befruchteten Eier werden in Aukrug zum Ausbrüten in speziellen Brutrinnen aufgelegt und etwa 90 Prozent Überlebende von März bis Mai wieder in den Flüssen ausgesetzt, aus denen ihre Elterntiere entnommen wurden.“ Die Jungtiere bleiben bis zu fünf Jahre im Süßwasser-Fluss bevor sie in Nord- oder Ostsee abwandern. Nach vier bis sieben Jahren kehren sie dann gut ernährt und geschlechtsreif in die schleswig-holsteinischen Flüsse und Bäche zurück.

„Die Umweltverbände wollen Fangverbote, die nichts erreichen“, sagte Verbandspräsident Heldt. Wenn die Angler sich nicht ehrenamtlich um Lachse und Meerforellen kümmerten, dann würde es keiner machen. Das Engagement der Angler gebe Lachsen und Meerforellen in Schleswig-Holstein eine Zukunft.

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