Ärger um Finderlohn : Ex-Obdachloser über Friedrich Merz: "Total unverschämt"

Friedrich Merz kandidiert für den CDU-Vorsitz.
Friedrich Merz kandidiert für den CDU-Vorsitz.

Ein Obdachloser fand 2004 das Notebook von Friedrich Merz. Der zeigte sich beim Finderlohn alles andere als großzügig.

svz.de von
24. November 2018, 14:36 Uhr

Berlin | Friedrich Merz hatte vor 14 Jahren wohl ziemliches Glück, dass sein Laptop in die Hände von Enrico J. geriet. In einem Interview mit der "taz" erzählt der ehemalige Straßenzeitungsverkäufer, wie er damals am Berliner Ostbahnhof das Notebook des Politikers an einem Taxistand fand und schnell bemerkte, dass es sich um ein ganz besonderes Fundstück handelte.

"Plötzlich hatte ich die Handynummern von den wichtigsten Politikern vor mir: Gerhard Schröder, der damals Bundeskanzler war, Angela Merkel, Edmund Stoiber, Theo Waigel und viele andere. Da dachte ich mir: Oh, das Ding ist heikel."

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Als Finderlohn gab es ein Buch mit persönlicher Widmung

Nach eigenen Angaben brachte Einrico J. den Laptop zum Bundesgrenzschutz und hinterlegte dort die Adresse der damaligen Obdachlosenhilfe. "Vier Wochen später bekam ich von einer Sozialarbeiterin als Dank das neue Buch von Friedrich Merz in die Hand gedrückt." Der Titel des Werkes: „Nur wer sich ändert, wird bestehen. Vom Ende der Wohlstandsillusion – Kursbestimmung für unsere Zukunft“. Zusätzlich habe sich noch eine persönliche Widmung darin befunden: „Vielen Dank an den ehrlichen Finder.“

Über diese Art des – ziemlich unpassenden – Finderlohnes ärgert sich Enrico J., der mittlerweile als Steinsetzer arbeitet und eine eigene Wohnung hat, noch heute: "Das fand ich echt total unverschämt. Ich habe das Buch sofort in die Spree geschmissen. Er wusste ja von der angegebenen Adresse genau, dass ich obdachlos war, doch ihm war das nicht mal einen Cent wert."

Doch viel mehr als über Geld hätte sich Enrico J. über ein persönliches "Danke" gefreut, wie er in dem Interview erzählt. "Er hätte einfach mal vorbeikommen und sich ordentlich bedanken können. Immerhin habe ich verhindert, dass geheime Infos über wichtige Politiker in die falschen Hände geraten."

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Auf Twitter gibt es mittlerweile einige Reaktionen auf das veröffentlichte Interview. Der heutige Kandidat für den CDU-Vorsitz kommt darin nicht gut weg. Der bekannte SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach findet zum Beispiel:

Merz sorgte mit einer Grundgesetzänderung im Asylrecht für Kritik

Zuletzt hatte Friedrich Merz mit seinen Äußerungen über das Asylrecht in Deutschland für Unmut gesorgt. Nachdem er eine Grundgesetzänderung im Asylrecht ins Gespräch brachte, ruderte er später wieder zurück. Linken-Chefin Katharina Kipping bewertete Merz Äußerungen als "übles Ablenkungsmanöver". Damit wolle ein Finanzlobbyist von seinem Reichtum ablenken. "Wir werden das Grundrecht auf Asyl immer verteidigen", so die Linken-Bundesvorsitzende bei einem Landesparteitag der Linken in Bremen.

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