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09. Dezember 2016 | 10:44 Uhr

Vier EM-Medaillen : Nacken-Probleme stoppen Boll - EM-Titel für Lebesson

vom

Timo Bolls Hoffnungen auf den siebten EM-Titel haben sich nicht erfüllt. Wegen einer Verletzung spielt der Tischtennis-Profi das Turnier nicht zu Ende. Bronze ist ein kleiner Trost.

Für Ausnahmekönner Timo Boll ist die Tischtennis-Europameisterschaft abrupt und mit Schmerzen zu Ende gegangen.

Der 16-malige Rekordchampion, der nicht in Bestform nach Budapest gereist war und sich trotzdem bis ins Halbfinale gekämpft hatte, musste die Partie gegen den Franzosen Simon Gauzy beim Stand von 1:2-Sätzen wegen einer Verletzung aufgeben. Als kleines Trostpflaster erhielt er bei der Siegerehrung die Bronzeplakette.

Frankreichs zweiter Topspieler Emmanuel Lebesson krönte sich mit einem 4:1 gegen seinen Landsmann Gauzy zu Europas neuem Tischtennis-König. Lebesson trat mit seinem Sieg die Nachfolge von Dimitrij Ovtcharov an, der bereits in der zweiten Runde ausgeschieden war. Der neue Champion ist nach Jacques Secretin 1976 der zweite Franzose auf dem EM-Thron.

«Im zweiten Satz ist die alte Nacken-Geschichte von Olympia wieder aufgebrochen. Es ist bitter, aber ich wollte kein Risiko eingehen», erläuterte Boll seine Entscheidung, die die Fans in der Tüskecsarnok-Halle völlig überraschte. Der 35 Jahre alte Düsseldorfer hatte sich kurz mit Bundestrainer Jörg Roßkopf an der Box beraten. «Ich hoffe, dass es die richtige Entscheidung war. Die WM im Mai 2017 in Düsseldorf spielt da auch eine Rolle. Nochmals sechs Wochen Pause kann ich mir da nicht erlauben», erklärte der deutsche Rekordmeister.

Bereits bei den Olympischen Spielen in Rio hatte sich der deutsche Fahnenträger die schmerzhafte Nacken-Verletzung mit rausgesprungenen Wirbel zugezogen. Er legte danach eine Auszeit ein, trainierte sehr wenig, trat aber dennoch bei der EM an. Am Samstag kämpfte er sich mit guter Moral, Erfahrung und Spielübersicht in zwei Zitterpartien zum neunten Mal in das Halbfinale, wo ihn das unerwartete Aus ereilte.

Auch Roßkopf wollte nicht eine längere Zwangspause seines Top-Stars riskieren. Er hat Boll trotz seiner dann 36 Jahre fest für die WM eingeplant. «Timo war nicht gut vorbereitet, hat aber dennoch entspannt eine gute EM gespielt. Andere denken in seinem Alter an die Zeit nach dem Sport. Er macht sich Gedanken, wie er sich noch verbessern kann», urteilte der Bundestrainer.

Durch Bolls Aufgabe endete auch die stolze Serie des DTTB, der seit 2010 fünfmal in Serie den Europameister gestellt hatte. Den Nachfolger des früh gescheiterten Titelverteidiger Dimitrij Ovtcharov spielten am Abend die Franzosen Gauzy und Emmanuel Lebesson unter sich aus.

Ovtcharov litt ähnlich wie die DTTB-Damen im Einzel unter den Olympia-Nachwirkungen. «Dima hat viele Baustellen, eine Pause wäre für ihn gut. Wichtig ist, dass er sich vom 1. Januar an voll auf die WM konzentriert», sagte Roßkopf.

Trotz der mageren Einzel-Bilanz sprangen bei dem Turnier immerhin vier Medaillen heraus. In den Doppel-Endspielen war der DTTB gleich dreimal vertreten. «Das war eine anständige EM, auch wenn wir uns wünschen, in allen Wettbewerben Medaillen zu gewinnen», bilanzierte Sportdirektor Richard Prause. Wie Damen-Bundestrainerin Jie Schöpp kritisierte er die Nähe zwischen Olympia und EM. «Wir müssen den Wettkampf-Kalender überprüfen und entzerren», sagte Prause.

Bei den Damen holte sich Hu Melek aus der Türkei den EM-Titel. Die gebürtige Chinesin setzte sich im Endspiel klar mit 4:1-Sätzen gegen Yu Fu aus Portugal durch und ist nun neue Tischtennis-Europameisterin. Titelverteidigerin Elizabeta Samara aus Rumänien und Li Jie aus den Niederlanden erhielten die beiden Bronzemedaillen. Die an Nummer eins gesetzte Han Ying aus dem deutschen Olympia-Team hatte im Viertelfinale gegen Hu Melek verloren.

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Ansetzungen und Resultate auf der ITTF-Homepage

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erstellt am 23.Okt.2016 | 19:38 Uhr

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