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09. Dezember 2016 | 06:48 Uhr

Fußball : Klopp reißt alte HSV-Wunde wieder auf

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Durchgefallen beim Trainer-Casting: Coach des FC Liverpool verrät Details über seinen geplatzten Wechsel nach Hamburg im Jahr 2008

Markus Gisdol steht vor seinem Debüt als Cheftrainer des krisengeschüttelten Bundesligisten Hamburger SV, ein anderer prominenter Fußballlehrer erinnert sich derweil mit Grausen an sein Fast-Engagement in der Hansestadt zurück. Während Gisdol mit seiner neuen Mannschaft heute (15.30 Uhr) in der Auswärtspartie bei Hertha BSC ein Lebenszeichen aussenden will, hat Jürgen Klopp eine alte HSV-Wunde wieder aufgerissen. Der langjährige Erfolgstrainer von Borussia Dortmund und heutige Coach des FC Liverpool äußerte sich in einem Interview detailliert zu den Hintergründen seines geplatzten Wechsels nach Hamburg im Jahr 2008 – und rechnete dabei gnadenlos mit dem HSV ab.

Rückblende: Weil die Hanseaten sich an Äußerlichkeiten störten, entschieden sie sich vor gut acht Jahren gegen den damaligen Mainz-Coach. Stattdessen kam der Niederländer Martin Jol an die Elbe, Klopp unterschrieb in Dortmund – der Rest ist bekannt. Bereits vor Jahren hatte der heutige HSV-Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer, der 2008 als Sportdirektor für die Hanseaten tätig war, die Entscheidung gegen Klopp öffentlich bereut.

Nun räumte der einst Verschmähte ein, dass ihn die HSV-Absage schwer getroffen hat. „Ja, das kann ich so sagen“, erklärte Klopp im Gespräch mit dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“. Und weiter: „Der HSV hat damals so eine Art Casting veranstaltet. Meine Beurteilung: flapsiger Umgang mit der Presse, Unpünktlichkeit, Löcher in den Jeans, Raucher.“

In der Tat schickte der HSV damals auf Betreiben von Beiersdorfer einen Scout nach Mainz, wo Klopp als Shootingstar der Trainerszene auf sich aufmerksam gemacht hatte. Der Spion soll mit obiger Mängelliste zurückgekehrt sein. „Rauchen stimmt leider“, erklärte Klopp rückblickend. „Unpünktlichkeit ist eine absolute Unwahrheit. Ich war in meinem Leben nie unpünktlich, wenn ich es irgendwie verhindern konnte. Flapsig im Umgang mit der Presse – was soll das? Und dann noch der Spitzname ‚Kloppo‘, verbunden mit der Frage nach fehlender Autorität.“

Die Folgen der Spionage-Tour dürften so manchem HSV-Anhänger noch heute die Zornesröte ins Gesicht treiben. Klopp, der bis dahin einem Engagement in Hamburg zugeneigt war, erteilte dem Traditionsclub eine Absage für alle Zeiten. „Ich habe damals zu den Hamburgern gesagt: ‚So, Freunde, falls von eurer Seite noch Interesse besteht: Ruft mich nie wieder an. Ich bin Fußballtrainer, und wenn euch solche Sachen wichtig sind, seid ihr die Falschen. Dann können wir nicht zusammenarbeiten.‘“

In der Folgezeit gewann der heute 49-Jährige mit dem BVB Titel, machte sich international einen Namen und zog schließlich 2015 nach Liverpool weiter. Übrigens: Beim HSV saßen seit der denkwürdigen Nicht-Verpflichtung von Klopp – inklusive Gisdol – elf Cheftrainer auf der Bank.

Hrubesch: "In Hamburg stimmt vieles nicht"
Clublegende Horst Hrubesch hat die Zustände beim Hamburger SV scharf kritisiert. „Mir fehlt eine  Vereinsphilosophie. Allein der Trainerverschleiß spricht Bände –    15 in  15 Jahren, da  kann  nicht jeder Coach schlecht gewesen sein. Ob das auf Dauer der richtige Weg ist? In jedem Fall stimmt   in Hamburg  vieles nicht“, sagte der ehemalige HSV-Kapitän,  der mit dem  Club  1983 den Europapokal der Landesmeister gewonnen hatte.  Zudem zeigte sich der 65-jährige Hrubesch offen für ein Engagement in der Bundesliga.  „Warum nicht?  Es kommt auf die Anfragen an. Ich bin da   ganz entspannt“, sagte der  Trainer,  der  zuletzt   mit der deutschen Olympia-Auswahl   in Rio  die Silber gewonnen hatte.
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