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09. Dezember 2016 | 02:54 Uhr

«Keine offene Baustelle mehr» : DFB-Präsident Grindel vor Wiederwahl

vom

WM-Skandal? Abgearbeitet. Strukturreform? Umgesetzt. Sportliche Zukunft? Mit Löw-Vertrag gesichert. DFB-Chef Reinhard Grindel zeichnet vor seiner Wiederwahl beim Bundestag ein komplett positives Bild. Doch die Schatten der Vergangenheit können ihn wieder einholen.

Geht es nach Reinhard Grindel wird der lästige WM-Skandal um Mauscheleien und dubiose Millionenzahlungen pünktlich zu seiner Wiederwahl als DFB-Boss für beendet erklärt.

«Die Hauptaufgabe nach dem Außerordentlichen Bundestag im April war es, deutlich das Signal zu setzen, dass wir durchgreifende Konsequenzen aus der Affäre ziehen und sich der DFB neu aufstellt», sagte der Verbandschef vor der Vollversammlung des Deutschen Fußball-Bundes in Erfurt. «Einer der Schwerpunkte am Freitag wird sein, dass wir bei den angekündigten Maßnahmen Vollzug melden können.»

Sieben Monate nach seinem Amtsantritt will Grindel die Botschaft aussenden, dass der DFB unter seiner Führung alles ihm mögliche getan hat, um die Machenschaften der WM-Organisatoren um Franz Beckenbauer und seinen Vorgänger Wolfgang Niersbach aufzuklären. «Es wurde in den vergangen Monaten intensiv gearbeitet, es gibt mit Blick auf unsere Ankündigungen keine offene Baustelle mehr», sagte der CDU-Politiker.

Doch beim Festakt im Theater der thüringischen Landeshauptstadt am Donnerstag mit Bundeskanzlerin Angela Merkel als Stargast werden die dunklen Schatten des Sommermärchens nicht komplett vertrieben sein - wie auch bei der Plenarsitzung mit 620 Delegierten am Freitag in der Erfurter Messe.

Die Aufarbeitung im Schnellverfahren mag dem DFB mit der Aufklärung der irregulären Geldflüsse in Höhe von 6,7 Millionen Euro in Richtung Katar als gelungen erscheinen, der moralische Schaden ist aber nicht gekittet. Und die juristischen Verfahren bei den Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Bern werden sich wohl noch Jahre hinziehen - mit einer möglichen Aberkennung der Gemeinnützigkeit und einem potenziellen Millionenschaden als Ergebnis.

Grindel muss man zugute halten, dass er zumindest in der Verbandsorganisation in wenigen Monaten viel angeschoben hat. «Wir tun alles, was man als Sportfachverband tun kann, um unsere Kontrollmechanismen zu verstärken, Transparenz einzufordern und das umzusetzen, was wir im April versprochen haben», versprach Grindel.

Abstimmen dürfen die Funktionäre nicht nur über Grindels erste ordentliche Amtszeit von drei Jahren. Mit der Einführung einer Ethikkommission will der DFB sich für den Kampf gegen mögliche neue moralische Verfehlungen wappnen. Allerdings wird das Gremium im Gegensatz zum FIFA-Modell keine eigenen rechtsprechende Kammer haben. Die Urteile werden weiter durch die DFB-Gerichtsbarkeit gefällt werden. Als weiterer wichtiger Schritt zu einer moderneren Verbandsführung wird der DFB seine wirtschaftlichen Aktivitäten gebündelt auslagern und damit ideelle und ökonomische Bereiche trennen.

Mit der punktgenauen Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw bis 2020 hat Grindel rechtzeitig vor der Wiederwahl drei wichtige Kontrakte für den Bundestag im Gepäck. Schon während der EM wurde die Zusammenarbeit mit Ausrüster Adidas bis 2022 für 50 statt 25 Millionen Euro pro Jahr ausgedehnt. Der Grundlagenvertrag mit der Deutschen Fußball Liga wird von den Delegierten ebenfalls durchgewunken werden. Ligapräsident Reinhard Rauball versprach Grindel die Unterstützung des Profifußballs.

Die permanente gelobte Kooperation zwischen Amateur- und Spitzenfußball ist aber nicht frei von Konfliktzonen. Auch auf dem Bundestag dürften die Problembereiche wie eine mögliche Neuordnung des DFB-Pokals oder die wirtschaftlich schwierige Lage vieler 3. Liga-Clubs zumindest hinter den Kulissen thematisiert werden, auch wenn Grindel sie gerne komplett ausklammern würde. «Wir werden im kommenden Jahr gemeinsam mit der Liga über den DFB-Pokal sprechen», kündigte er an.

Wie so oft geht es ums liebe Geld. Die Bundesligisten wollen künftig erst später in den Pokalwettbewerb einsteigen. Das wurmt die Amateurvertreter, die ohnehin meinen, vom Milliarden-Geldsegen durch den neuen TV-Vertrag am Ende der ökonomischen Fußball-Nahrungskette zu wenig abzubekommen. Diesen Themen wird sich Grindel stellen müssen - unabhängig von allen noch kommenden Entwicklungen im WM-Skandal.

DFB-Homepage zum Bundestag

DFB-Bundestag

Delegierte beim DFB-Bundestag

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erstellt am 02.Nov.2016 | 12:27 Uhr

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