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09. Dezember 2016 | 12:40 Uhr

«Maximale Verunsicherung» : Deutsche Schwimmtrainer in großer Sorge

vom

Eigentlich fanden in Berlin zwei deutsche Schwimm-Meisterschaften statt - auf der Kurzbahn und abseits des Beckens. Rekordverdächtig wurde geredet, getuschelt, diskutiert. Die Verunsicherung ist groß. Chefbundestrainer Lambertz weist Kritik aus Kollegenkreisen zurück.

Im deutschen Schwimmsport brodelt es. Im Wasser plätscherten diese Kurzbahn-Meisterschaft meist vor sich hin, abseits des Beckens schlagen die Wellen höher.

Weltmeister-Trainer Frank Embacher ist auf dem Absprung. Die von Chefbundestrainer Henning Lambertz angekündigten Reformen sorgen ebenso für Unruhe unter den Stützpunkttrainern wie deren Zukunftssorgen angesichts ausstehender Verträge. «Es weiß keiner, was kommt. Es herrscht maximale Verunsicherung bei allen Trainern», sagt Bernd Berkhahn, der Magdeburger Coach von Europameisterin Franziska Hentke.

Die neu gewählte Präsidentin Gabi Dörries hat keine übliche Schonfrist von 100 Tagen, sie muss sich fast pausenlos erklären, wie auch Lambertz. Der aber vermisst seinerseits, dass die Heimtrainer ihre Kritik mehr den Medien als ihm mitteilen: «Ich verstehe die Kollegen, dass sie nicht zufrieden sind, das sind wir alle nicht, aber ich wünsche mir den Austausch.» Er und die Software- Unternehmerin Dörries steht beim Neustart im deutschen Schwimm- Verband nach der Olympia-Enttäuschung vor vielen Problemen.

TRAINER-VERTRÄGE: Wie bereits vor vier Jahren wissen die meisten Trainer immer noch nicht, welchen Job sie künftig haben. Der DSV weiß wohl erst nach einem weiteren Gespräch mit dem Deutschen Olympischen Sportbund am Mittwoch, ob es bei bislang avisierten Einsparungen von 350 000 Euro bleibt. Erst danach herrscht Klarheit über den Personaletat. «Man möchte auf der ganz sicheren Seite sein. Das kann ich nicht verstehen», sagt Frank Embacher, Trainer des zurückgetretenen ehemaligen Weltmeisters Paul Biedermann. Inwieweit er bei der Zusammenlegung der Stützpunkte Halle/Saale und Magdeburg eine Rolle spielt, ist unklar.

Embacher erwartet in den nächsten Tagen ein Signal, er wird sich sonst bis 30. November auf eine Stelle in der Sportförderung in Halle/Saale bewerben. Es könne nicht sein, dass jemand nur 14 Tage nach Amtsantritt eines neuen Präsidiums eine Lösung fordere, konterte Lambertz und forderte mehr Vertrauen in Dörries.

STÜTZPUNKT-STREIT: Neun Bundesstützpunkte gab es bislang, sieben hat der DOSB dem DSV bewilligt (Hamburg, Berlin, Magdeburg/Halle, Essen, Heidelberg, Würzburg, Potsdam). Chefbundestrainer Lambertz will die Elite aber eher in vier oder fünf Stützpunkten konzentrieren,findet damit im Geflecht vieler Eigeninteressen naturgemäß wenig Beifall. «Das ist das Schlimmste, was du dem deutschen Sport antun kannst. Überall gibt es Insellösungen, mit denen man gut arbeiten kann, bis hin zur Weltspitze», sagt der Magdeburger Berkhahn über Zentralisierung nicht nur im Schwimmen. «Ich will gar nichts platt machen», sagte Lambertz, mehr Personal an weniger Standorten sei aber sinnvoll, um nicht weiter hinterherzuschwimmen.

KRAFT-KONZEPT: Für Unmut sorgt auch das Krafttrainings-Konzept, das Lambertz allen Trainern vorgeben will. Diese Beschneidung ihrer ureigenen Kompetenzen schmeckt nur wenigen. Allerdings lieferten auch nur wenige Trainer bei Olympia Argumente für die Fortsetzung ihrer bisher eigenverantwortlichen Konzepte. «Mehr Athletik und das Schwimm-Training soll auf dem gleichen Level bleiben - die Vorstellung ist sehr ambitioniert», sagt Embacher.

NORMEN: Lambertz plant auch angesichts der notwendigen Einsparungen härtere Normen. Eine Zeit wie Platz acht bei Olympia soll künftig gefordert sein, das bedeutet deutliche kleinere Teams bei WM oder EM. Viele Schwimmer würden keine Perspektive mehr sehen, für den Nachwuchs wären diese Normen eh illusorisch. Freiwasser-Bundestrainer Stefan Lurz schlug bereits eine U23-Norm vor. Noch sei nichts entschieden, betonte Lambertz nun, er sei offen für Vorschläge.

FINANZEN: Präsidentin Dörries muss mit weniger Geld auskommen. Nach jetzigem Stand gibt es 2017/18 noch 97 Prozent der bisherigen Gelder, danach nur 75 Prozent. Der TV-Vertrag läuft zum Jahresende aus, bislang bestimmten die öffentlich-rechtlichen Sender den Termin deutscher Meisterschaften als Qualifikation für die Großereignisse mit. Will der DSV, wie von den Trainern gefordert, die DM in den Sommer legen, könnte das viel Geld kosten.

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erstellt am 20.Nov.2016 | 16:32 Uhr

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