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Boxen

03. Dezember 2016 | 03:23 Uhr

WM-Kampf Boxen : „Das soll’s noch nicht gewesen sein“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Brähmer muss mit verletztem Ellenbogen WM-Kampf gegen Cleverly aufgeben – und verspricht schon jetzt „einen heißen Rückkampf“

Am Ende ging es ganz schnell. Viel zu schnell für den Geschmack der rund 4600 Zuschauer im Neubrandenburger Jahnsportforum. Nach sechs begeisternden Runden, in denen sich Jürgen Brähmer und Nathan Cleverly nichts, aber auch gar nichts schenkten, hatten sich die Fans am Samstag auf eine ebenso spektakuläre zweite Hälfte des WM-Duells der Halbschwergewichtler gefreut. Und dann das: Statt des Gongs zur siebten Runde mussten sie die Aufgabe Brähmers erleben. Eine Verletzung am rechten Ellenbogen hatte den morgen 38 Jahre alt werdenden Titelträger gestoppt und seinen acht Jahre jüngeren Herausforderer aus Wales zum WBA-Weltmeister werden lassen.

Völlig verdient, wie der befand. De facto hatte Cleverly damit Recht, ist doch ein Aufgeben aufgrund einer im Kampf erlittenen Verletzung laut Reglement gleichbedeutend mit einer Niederlage durch technischen K.o. Jedoch sah sich der Brite auch sportlich als Gewinner.

„Brähmer ist ein großer Athlet. Er hat meine Landsleute Collins, Maccarinelli und als Amateur auch die späteren Weltmeister Hatton und Froch geschlagen. Aber ich war für ihn der eine Brite zu viel“, sagte Cleverly und bedauerte nur, wie der Kampf zu Ende ging. „Schade! Wir hatten einen Abbruch durch den Ringrichter geplant, der definitiv auch noch passiert wäre.“

Dass er bei allen drei Punktrichtern 56:58 und damit zwei Runden hinten lag, störte seine Selbstwahrnehmung nicht die Bohne. „Das gehörte zur Taktik. Wir hatten sechs Runden lang einen gewaltigen Schlagabtausch, aber ich hatte Brähmer gebrochen, das war klar zu sehen. Schon bald wäre es für ihn sowieso vorbei gewesen.“

Das sah der entthronte Champion ganz anders. „Mit solchen Schlägen bricht er keinen“, hielt der Schweriner dem sehr viel, aber wenig präzise und erst recht nicht hart schlagenden Waliser entgegen. Und konditionell wäre er schon gar nicht eingebrochen. „Ich bin nicht umsonst die Weinberge um Stuttgart herum hoch- und runtergerannt. Ich gehe ja nicht als Osterhase in solch einen Kampf.“

Und Trainer Conny Mittermeier zeigte sich überzeugt: „Jürgen hätte den Kampf in der achten oder neunten Runde durch K.o. gewonnen.“

Die Verletzung hatte sich Brähmer nach eigenen Worten bei einem Seitwärtshaken in der vierten, fünften Runde geholt. „Dabei bin ich gegen Cleverlys Ellenbogen gekracht. Dass etwas war, habe ich sofort gespürt. Und dann gehen dir tausend Gedanken durch den Kopf: Machst du weiter, hörst du auf? In der sechsten Runde konnte ich nur noch mit links schlagen, da hat dann die Vernunft gesiegt. Sechs weitere Runden mit nur einem Arm – das geht nicht.“

Morgen soll die Diagnose bekanntgegeben werden. Cleverly glaubt eher an eine vorgeschobenen Grund zur Aufgabe und sagt: „Wenn du ein Kämpfer bist, dann kämpfst du.“

Sich an die vertraglich vereinbarte Rückkampf-Klausel zu halten, ist für den Briten Ehrensache. Eine entsprechend schnelle Genesung vorausgesetzt, soll der Anfang 2017 steigen – wohl wieder in Deutschland. „Und der wird dann noch heißer“, verspricht Jürgen Brähmer.

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erstellt am 03.Okt.2016 | 21:00 Uhr

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