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Sport in Rostock

29. August 2016 | 23:47 Uhr

Rostocker FC : RFC schafft Integration mit Sport

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Verein bietet Bewohnern vom Flüchtlingsheim Fußball-Training vom Jugend- bis in den Männerbereich an. Es ist sogar ein Ausbau des Projektes geplant.

Es ist kurz vor 19.30 Uhr. Ibrahim und Amin betreten den durch das Flutlicht hell erleuchteten Trainingsplatz des Rostocker FC. Die beiden jungen Männer sind Bewohner des Asylbewerberheimes in der Satower Straße. Sie gehen direkt in die Umkleidekabinen und begrüßen die gut zehn anderen Kicker der dritten Mannschaft. Kurz darauf stehen sie alle auf dem Kunstrasenplatz bereit. Dann kommt das Trainergespann Georg Richter und Andreas Riske. Der 28-jährige Richter erklärt kurz den Ablauf des Trainings und fordert dann alle auf, sich mit dem „Lauf-Abc“ und dann in kleinen Gruppen spielend zu erwärmen.

„Das Schöne am Fußball ist, dass er auch ohne Sprachen funktioniert. Es reichen Gestik sowie Mimik – und wenn mal nicht, nehmen wir Hände und Füße“, so der Trainer.


Mehr als 15 Migranten kicken beim RFC


Nicht nur im Männerbereich wird Integration durch den Sport gelebt, sondern bereits in den Nachwuchsteams. Dort spielen beispielsweise Kicker aus Somalia, Eritrea, Indien und Afghanistan mit. Bei den Männern (erste bis vierte Mannschaft) kicken im Schnitt zehn bis 15 Migranten mit – beim dritten Team haben bereits fünf
Kicker einen Spielerpass –, bei den Frauen gibt es zwei mit Migrationshintergrund. In diesem Bereich möchte der Verein in Zukunft noch gezielter arbeiten und junge Frauen für Sport begeistern.

„Wir wollen einfach, dass es den Leuten Spaß macht und sie ein wenig Abwechslung von ihrem Alltag bekommen. Wir wollen einen Ausgleich schaffen. Das wirklich Schwierige war, dass viele der ausländischen Spieler keine Sportklamotten hatten – und Trikots helfen maßgeblich bei der Identifikation. Aus diesem Grund haben viele Eltern und ältere RFC-Mitglieder Kleiderspenden und auch alte Fußballschuhe gesammelt, sodass wir am Ende 30 oder 40 blaue Säcke voll Klamotten hatten. Das war eine tolle Aktion“, so Georg Richter. Im Moment finanziert der Verein noch aus eigener Kasse die Mitgliedsbeiträge vieler Migranten. „Bei 15 Euro pro Person kommt da einiges zusammen. Deshalb sind wir über jede Hilfe froh“, sagt Richter.

Der 28-Jährige ist seit dem Jahr 2005 im Verein und engagiert sich seit 2010 als Trainer. Sein 30-jähriger Co Andreas Riske durchlief ab der D-Jugend den Nachwuchsbereich des Rostocker FC, spielte bis 2007 noch für den Club und ist seit Anfang 2014 Trainer.


Förderungen von Land und Gesundheitskasse


Zur richtigen Zeit kommt für die weitere Arbeit mit den Flüchtlingen die Förderung in Höhe von insgesamt 4500 Euro durch unter anderem den Integrations- und Vielfaltspreis des Landesfußballverbandes MV sowie der AOK Nordost. Der Verein plant sogar, das Sportangebot auf weitere Flüchtlingseinrichtungen auszuweiten.

„Das ist toll, da sich manche Firmen mit einem Sponsoring schwer tun“, verrät Coach Richter, der hofft, dass sich in Zukunft für die Migranten wie Amin und Ibrahim die Bedingungen verbessern lassen. „Wir wollen uns aber aus der Politik raushalten, wir machen hier nur Sport“, sagt er bescheiden. Und teilt seine Jungs für ein Testspiel in unterschiedliche Mannschaften ein.

Die Verständigung funktioniere mit Englisch, um aber die ausländischen Gäste für den Alltag fit zu machen, hätten einige Kicker einen Deutschkurs ins Leben gerufen. „Die Jungs haben von sich aus gesagt, dass sie was machen wollen. Und man merkt, dass die Bereitschaft da ist, denn es kommen nicht mehr nur Spieler, sondern auch andere Bewohner des Flüchtlingsheims – mittlerweile konnten wir auch eine Fremdsprachenlehrerin gewinnen, die uns dabei unterstützt“, berichtet Richter. Beim nächsten Mannschafts- oder Grillabend werden dann die ersten Witze ausgetauscht…

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erstellt am 13.Mär.2016 | 09:00 Uhr

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