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06. Dezember 2016 | 18:57 Uhr

Schweriner Boxer : Wie „Tractor“ nach Australien kam

vom
Aus der Onlineredaktion

Carsten Bergner, zu DDR-Zeiten Nachwuchsboxer beim SC Traktor Schwerin lebt heute in Adelaide und betreibt dort das Tractor-Boxgym

Vor einigen Wochen erreichte den Boxclub Traktor Schwerin über seinen Online-Shop eine recht außergewöhnliche Bestellung: Ein gewisser Carsten Bergner wollte seine bestellten Traktor-Shirts gern nach Australien gesandt haben, wo er schon seit Jahren lebt. Über Verwandte ließ er sich dann die Shirts mit Extra-Versand nach Australien schicken.

Carsten teilte dem Club in dem Schreiben zugleich mit, dass er sich sehr auf die Shirts freue, dass er ein Gym in Australien gegründet und nach dem BC Traktor benannt habe.

Klar, dass die Sportfreunde in Schwerin da hellhörig wurden. Bei Trainer Dieter Berg klingelte es dann auch wirklich beim Namen Carsten Bergner. Er kannte Carsten tatsächlich aus gemeinsamen Zeiten als Nachwuchs-Boxer beim damaligen SC Traktor Schwerin.

Darauf angesprochen, ließ Carsten Bergner den Schweriner Traktor-Boxern seine Geschichte zukommen. Er schrieb: „Ich habe von 1979 bis 1982 beim SC Traktor Schwerin in der Kinder- und Jugend-Sportschule (KJS) geboxt. Mein größter Erfolg war der dritte Platz bei den DDR-Meisterschaften 1980. Leider hat es nie bis an die Spitze gereicht. Da waren andere (Andreas Zülow) in meiner Klasse einfach immer einen Tick besser als ich.

Als Realist habe ich mich dafür entschieden, nach der 10. Klasse mit dem Boxen aufzuhören. Viele meiner Klassen,- Trainings- und Lebenskameraden sind später wirklich große Boxer geworden. Obwohl es ,nur‘ drei Jahre waren, hat mich diese Zeit für mein ganzes Leben geprägt.

Nach dem Sport habe ich mich komplett auf andere Dinge konzentriert. Bin erst Matrose gewesen, dann habe ich in den 90er Jahren in Berlin an einem großen Theater gearbeitet. Anfang der 2000er hab ich den Weg zurück in ein Boxgym gefunden. Ich habe in der Freizeitgruppe des TSC Berlin zweimal die Woche trainiert. Egon Ohmsen, der Berliner Landestrainer zu der Zeit, war ganz angetan von dem, was ich noch im Ring gegen Jüngere gezeigt habe. Er fragte mich, ob ich nicht einen Trainerkurs belegen und dann die Kinder beim TSC trainieren wolle. Meine Pläne waren aber andere. Ich wollte nach Australien auswandern; und ich musste ihm leider absagen.

2006 bin ich dann nach Brisbane in Australien gezogen. Als ich dort das erste Mal in ein Boxgym kam, war es ein richtiger Kulturschock für mich. Ernsthaft hat da niemand trainiert – Profis eingeschlossen. Ich habe mein eigenes Ding gemacht und beim Sparring auch gegen junge Schwergewichtler keinerlei Probleme gehabt.

Das haben die Trainer dort natürlich auch schnell mitbekommen. Dieses Mal habe ich einen angebotenen Trainerkurs nicht abgelehnt. Gut so! Denn dadurch taten sich mir völlig neue Perspektiven auf.

2008 bin ich – nach einem zwischenzeitlichen Jahr in Berlin – als frischgebackener Vater mit einem 10 Monate alten Baby nach Adelaide gekommen. Hier habe ich dann im April 2009 zu Hause in der Garage mein erstes eigenes ,Gym‘ eröffnet. Es war Platz für zwei Sandsäcke und wenn ich drei Kunden hatte, dann waren die 15 Quadratmeter gut gefüllt. Nach einem halben Jahr musste ich etwas Größeres finden und ab dann wurde es ernsthaft.

Ich musste mir dann natürlich auch einen Namen für das Ganze ausdenken. Schnell war klar, das Gym konnte nur ,Tractor‘ heißen. Und damit ist der BC Traktor nun auch in Australien vertreten. Der Name ist außergewöhnlich hier. Und so fragt mich natürlich jeder, warum und weshalb. Aber wenn ich es erklärt habe, vergisst es niemand mehr.

Ja, und nach einem weiteren halben Jahr war auch das 90-Quadratmeter-Gym zu klein und ich war froh darüber, einen größeren Raum zu erschwinglichen Preisen gefunden zu haben. Seit 2016 rollt der ,TRACTOR‘ nun in einem richtigen 250 Quadratmeter großen Gym.“


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