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Lokaler Sport Zeitung für die Landeshauptstadt

09. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Boxen : Viele Skandale – keine großen Siege

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das deutsche Profiboxen hängt in den Seilen: Nur noch ein Weltmeister – die Briten stellen 15

Schlechte Quoten, laxer Umgang mit dem Dopingproblem – und nur noch ein Weltmeister: Das deutsche Profiboxen hängt mächtig in den Seilen, die einst so profitable Branche kämpft mehr denn je ums Überleben. Nach der Rückgabe des WM-Gürtels durch Felix Sturm und der jüngsten WM-Niederlage von Jürgen Brähmer gibt es in Jack Culcay in den großen Verbänden nur noch einen deutschen Box-Champion, den aber die breite Öffentlichkeit kaum kennt. Für die Altstars ist die Krise hausgemacht.

„Das Boxen tritt seit geraumer Zeit nicht mehr überzeugend auf“, sagt Ex-Weltmeister Henry Maske: „Der Zuschauer hat uns eine klare Antwort gegeben. TV-Quoten unter zwei Millionen Zuschauern sind kein gutes Argument.“

Es werde viel über Skandale geredet, aber nur wenig über Sport, kritisierte Maske: „Das Boxen rückt wieder in die Schmuddelecke, wo es vor 1990 schon einmal war.“

Auch Graciano Rocchigiani lässt kein gutes Haar am Zustand des deutschen Profiboxens. „Es wimmelt von völlig sinnlosen Titelkämpfen, es wimmelt von Pseudo-Champions, die früher bei einer Amateur-Meisterschaft die erste Runde nur mit einem Freilos überstanden hätten“, sagte „Rocky“ der „Berliner Morgenpost“.

Ex-Champion Sven Ottke überrascht die Krise ebenfalls nicht: „Dass wir ein Nachwuchsproblem bekommen, war schon länger abzusehen.“

Doch auch die „Alten“ haben Probleme. Sturm (37) war bei seinem Punktsieg gegen den Russen Fedor Tschudinow am 20. Februar positiv auf die anabole Substanz Hydroxy-Stanozolol getestet worden. Das Ergebnis der B-Probe wird nächste Woche erwartet. Seinen WM-Gürtel hat der Supermittelgewichtler zurückgegeben, allerdings mit der offiziellen Begründung, er könne wegen einer Ellenbogen-OP in diesem Jahr ohnehin nicht mehr kämpfen. Selbst wenn ihn die B-Probe endgültig als Dopingsünder entlarven sollte, droht vom Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) höchstens eine Einjahres-Sperre.

Mehr Ungemach droht Sturm durch die Kölner Staatsanwaltschaft, die wegen des Dopingverdachts gegen ihn ermittelt. Seit Dezember 2015 ist Doping im deutschen Strafrecht verankert.

So oder so: Weder der 37-jährige Sturm noch der ein Jahr ältere Brähmer, der seinen WM-Titel am vorigen Wochenende wegen einer Ellenbogenverletzung an Nathan Cleverly verloren hatte, können die Trendwende im deutsche Profiboxen einleiten.

Brähmers WM-Kampf wollten nur 1,87 Millionen TV-Zuschauer sehen. Auch der entthronte „König Arthur“ Abraham (36) und Marco Huck (31), Weltmeister des unbedeutenden IBO-Verbandes, sind keine Galionsfiguren mehr. Tyron Zeuge (24) und Vincent Feigenbutz (21) haben Talent, das Format eines Champions jedoch noch nicht. „Wir müssen hoffen, dass irgendwann wieder ein Rohdiamant rausfällt“, sagte BDB-Präsident Thomas Pütz.

Großbritannien setzt seit Jahren nicht nur auf das Prinzip Hoffnung, sondern auf systematische Talent- und Trainerförderung. Der Lohn: Aktuell befinden sich 15 WM-Gürtel in den Händen britischer Boxer. Davon kann Box-Deutschland zurzeit nur träumen.

Jörg Soldwisch

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