zur Navigation springen

Sport in der Prignitz

30. September 2016 | 12:02 Uhr

handball : Barfuß und mit unrundem Ball

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

70 Jahre Handballsport in der Rolandstadt – das Perleberger Handball-Urgestein Günter Schabrod erinnert sich an die Anfangszeit

Mit mehreren Aktionen feierte der SV Blau-Weiß Perleberg 70 Jahre Handballsport in Perleberg. Am Sonntag in einer Woche (2. Oktober) findet die große Festveranstaltung im „Belo Horizonte“ statt. Dazu wurden durch das Organisationsteam ehemalige und aktive Handballer der Rolandstadt eingeladen, von denen viele ihr Kommen zugesagt haben.

Ein Perleberger Urgestein ist zweifelsohne Günter Schabrod. Er erlebte die Anfänge als Junge mit, begleitete den Verein über die Jahrzehnte und erstellte so eine ausführliche Chronik. Die wird nur noch übertroffen von den Erzählungen des heute über 80-Jährigen. Der Zuhörer wird auf eine Zeitreise mit Fakten, Anekdoten und aber auch mit den Problemen der zum Teil schwierigen Jahre mitgenommen.

„Eine Handballmannschaft gab es in Perleberg schon 1928. Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre wurde eine Stadtmeisterschaft ausgetragen. Daran nahmen unter anderem der Turnverein, der Verein Poseidon und ein Team der Luftwaffe“, beginnt Günter Schabrod mit einem kurzen Überblich vor dem Zweiten Weltkrieg. Er berichtet von dem ersten Sportplatz auf „Spiegelhagener Gebiet in der Nähe der heutigen Neue Mühle“. Nach Kriegsende gibt es bereits im Herbst 1945 Vergleiche mit Wittenberger Mannschaften. Einige Männer um Kurt Götsch und Siggi Timm hatten den Handballsport in Perleberg wieder angekurbelt. Die offizielle – und hier schon mehrfach erwähnte – Geburtsstunde ist das Spiel gegen das Berliner Team Prenzlauer Berg im Hagen am 1. September 1946. Auf Großfeld. Ohne Tornetze.


„Kasyltenacker“ war von Gegnern gefürchtet


Und so trug mancher Handballer eine Badehose oder es stand ein Kescher bereit, um den Ball aus der Stepenitz zu fischen. Apropos Ball: „Die waren schon anders. Zunächst musste man die Blase aufpumpen und dann zubinden. Richtig rund waren die Bälle nie. Es gab Probleme beim Prellen und auch beim Training nur einen Ball“, sagt Günter Schabrod, der 1948 mit 14 Jahren mit dem Handball begann. „Trikots wurden zwei Jahre getragen. Duschen nach Training oder Spiel? Wir haben uns in der Stepenitz gewaschen“, fügt er hinzu.

Ein weiterer Spielort kam mit dem Kasyltenplatz hinzu. Durch Arbeitseinsätze hergerichtet. Dort herrschte ab 1953 den ganzen Tag Trainings- und Spielbetrieb. Der Platz wurde sehr bald „Kasyltenacker“ genannt. Die Handballer der damaligen Zeit störte das eher wenig. „Schuhe gab es zunächst kaum, wir haben barfuß gespielt“, erinnert sich Günter Schabrod. Der Platz wurde stark genutzt und war deshalb bei den Gegnern der Perleberger, die seit 1950 in der Landesliga spielten, gefürchtet.

„In der Mitte und vor den Toren war kein Rasen mehr, am Rand stand er dagegen sehr hoch. Die Perleberger wussten, dass sie hier nicht prellen, sondern passen mussten. Die Linien waren mit Sägespäne abgestreut und nicht immer gerade“, erklärt er.

Ab 1947 gab es auch schon Turniere. Nicht nur in Perleberg, auch in anderen Ortschaften der Prignitz hatten sich Handballteams gefunden. In Rühstädt, Lenzen, Karstädt oder auch Düpow, damals eine Hochburg. Den Fans gefielen diese Vergleiche. Bei einer Pfingstveranstaltung in der Rolandstadt säumten rund 800 Fans den Platz. Und weil eben diese Turniere im Sommer so beliebt waren, wurden die Punktspiele mitunter in der kälteren Jahreszeit ausgetragen. Günter Schabrod weist auf die Großfeldpartie zwischen Glöwen und Perleberg an einem 17. Februar hin.

Aber die Turniere übten in den ersten Jahren nach Kriegsende noch eine andere Anziehungskraft aus. „Das Essen war ein zusätzlicher Anreiz. Nicht selten gab es dort als Verpflegung Erbsensuppe mit Fleisch. Und das war in diesen Zeiten selten“, blickt Günter Schabrod auf unter anderem auf sportliche Vergleiche in Groß Laasch, Rostock, Schwerin, Premnitz oder Brandenburg zurück. Die Perleberger feierten dabei zahlreiche Erfolge, wurden zum Beispiel 1954 Zweiter im Pokalwettwettbewerb um den Goldenen Traktor oder holten mit der Jugend Rang drei bei der Landesmeisterschaft. Ab 1960 wurden vermehrt Kleinfeldturniere – mit einem anschließenden Sportlerball – gespielt. Später gab es die Altherrenliga. Aus Mangel an Brandenburger Teams wurden Vergleiche mit Teams aus Niedersachsen ausgetragen. Ihr letztes Großfeldhandballspiel absolvierten die Blau-Weißen 1998 in Osterburg. Mit von der Partie der damals 71jährige Heinz Büge.

„Wir haben so lange zusammengehalten, weil es Spaß gemacht hat. Über die Jahre wurde Silvester zusammen gefeiert, gemeinsame Urlaube in Prerow an der Ostsee verbracht und auch viele Kegelabende veranstaltet“, denkt Günter Schabrod gern an diese Zeit zurück. Das ist ihm beim Erzählen anzumerken. Diese Zeitreise ist sehr interessant, sie lässt die Anfänge und die frühen Jahre des Perleberger Handballsports lebendig werden. Das haben bestimmt auch die älteren Jahrgänge so empfunden, die sich am Donnerstag im „Phönix“ trafen, um sich über die alten und neuen Zeiten auszutauschen.

 


zur Startseite

von
erstellt am 23.Sep.2016 | 06:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen