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Lokaler Sport Güstrower Anzeiger

04. Dezember 2016 | 11:07 Uhr

Motorsport : Champion verlässt die Grasbahn

vom
Aus der Redaktion des Güstrower Anzeiger

Enrico Janoschka aus Sarmstorf beendet mit 41 Jahren seine aktive Laufbahn als Motorsportler / Schwerer Sturz im letzten Rennen

Heute wird einer der erfolgreichsten Grasbahnfahrer Deutschlands offiziell aus dem aktiven Rennsport verabschiedet. Enrico Janoschka aus Sarmstorf bei Güstrow erhält am Abend bei der Norddeutsche Bahnmeister (NBM)-Ehrung in Mulmshorn einen würdigen Abschied, nachdem er den Motorsport auf der Grasbahn in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten mitprägte. „Ich höre hauptsächlich aus zeit- und altersgründen auf“, begründet der 41-Jährige seinen Entschluss.

Aber auch gesundheitlich steht es um den gebürtigen Güstrower derzeit nicht so gut. Bei einem schweren Sturz am 7. August in Melsungen brach er sich drei Halswirbel (2,4,5) und ist seitdem krankgeschrieben. Auch wenn dieser Unfall nicht der Auslöser für sein Karriereende war, so bestärkte er Enrico Janoschka, sich endgültig in den bahnsportlichen Ruhestand zu begeben. „Es hätte ja auch schlimmer ausgehen können“, sagt er und ist froh, dass er sich inzwischen auf dem Wege der Besserung befindet. Sein Allgemeinzustand sei okay, doch der Weg bis zur Genesung ist noch beendet. Im Moment befindet er sich in physiotherapeutischer Behandlung und hat noch immer mit den Folgen des Sturzes zu kämpfen. „Meine Beweglichkeit nach links ist h eingeschränkt“, sagt Janoschka.


Rennsportgene wurden in die Wiege gelegt


Dass der Sturz solch schlimme Ausmaße annimmt, war dem Rennsportler zunächst gar nicht bewusst. „Es hat nicht einmal wehgetan, doch nach einer CT-Untersuchung und einer Röntgenaufnahme war klar, dass drei Halswirbel betroffen sind“, sagt er. Janoschka hatte aber „Glück im Unglück“, denn er musste nicht operiert werden. Das macht es für den selbstständigen Transportunternehmer aber nicht einfacher, denn seit dem Unfall ist an Arbeiten nicht zu denken. Sein Gewerbe auf Rennen habe er im letzten Monat abgemeldet.

Trotz dieser schweren Zeit zum Laufbahnende kann Enrico Janoschka mit Stolz auf eine erfolgreiche Rennsportkarriere zurückblicken. Schon in jungen Jahren trat er in die Fußstapfen seiner Großeltern beziehungsweise seines Onkels und Vaters. Die Rennsportgene wurden ihm quasi in die Wiege gelegt. „Meine Oma und Opa sind damals Seitenwagen gefahren, mein Onkel und Vater Bahnrennen. Mit fünf Jahren habe ich das erste Mal in einem Seitenwagen gesessen“, erzählt Janoschka. Im Alter von zwölf Jahren begann dann seine aktive Zeit. „Je mehr ich gewachsen bin, umso größer wurden die Motorräder“, sagt Enrico Janoschka. Anfangs fuhr er noch Speedway, erst kurz nach der politischen Wende wechselte er auf die Grasbahn (1992). Wesentlicher Unterschied dieser beiden Motorsportarten ist der Untergrund beziehungsweise die Länge der Rennstrecke und die Geschwindigkeit der Gefährte.


Internationale Erfolge bei EM und WM


Enrico Janoschka fuhr sich auf der Grasbahn ziemlich schnell ins Rampenlicht. Mitte der 1990er-Jahre hatte er sogar ein Vertragsangebot aus England. „Da hatte ich aber keine Lust drauf. Die Strapazen mit der Hin- und Herfliegerei wollte ich nicht in Kauf nehmen“, sagt er. Dabei hätte er finanziell dort durchaus gutes Geld verdienen können, dafür hätte aber auch der sportliche Erfolg stimmen müssen. Und das konnte keiner garantieren.

Die internationalen Erfolge blieben aber trotzdem nicht aus. Im Jahre 2000 wurde Enrico Janoschka Dritter bei der Grasbahn-Europameisterschaft. „Das kam völlig überraschend, denn eigentlich war ich noch nicht so weit. Ich hatte aber einen guten Tag, das muss schon sagen“, erklärt der Sarmstorfer. Im Laufe der Jahre kamen dann noch viele weitere Achtungserfolge dazu. Alle aufzuführen, würde den Rahmen sprengen, aber zu nennen sind sicherlich noch Platz vier bei der Einzel-EM 2004 („ohne einen Motorschaden im letzten Grand-Prix wäre ich wahrscheinlich Dritter geworden“ – O-Ton Janoschka), Rang drei bei der Grasbahn-EM 2014 sowie die drei Team-Weltmeisterschaften mit dem Deutschland in Frankreich (2007), in den Niederlanden (2009) und in Finnland (2014). Auch in der Region war Enrico Janoschka sehr erfolgreich, so gewann er unter anderem vier Mal den Bergringpokal in Teterow.

Erinnert an die ganzen Erfolge wird der zweifache Familienvater auch weiterhin, denn in seinem Haus in Sarmstorf schmücken zahlreiche Trophäen und Medaillen die Einrichtung.


Endlich Zeit mit der Familie verbringen


Das Hauptaugenmerk soll aber künftig bei der Arbeit beziehungsweise seiner Frau und den beiden Kindern liegen. „Ich hatte in den letzten Jahren fast keine Zeit für die Familie. Wenn ich abends von der Arbeit nach Hause gekommen bin, bin ich noch nach Güstrow in die Werkstatt gefahren und habe die Motorräder für die nächsten Rennen vorbereitet“, sagt Janoschka. An den Wochenende hat er dann immer die Grasbahnen in Deutschland und Europa unsicher gemacht, hat das Risiko, sich zu verletzen, dabei nie gescheut, denn der Motorsport ist und bleibt nun mal gefährlich. Das hat nicht zuletzt der schwere Unfall Enrico Janoschkas in seinem letzten Rennen gezeigt. Überschattet wird seine Karriere davon aber glücklicherweise nicht, schließlich ist er mehr oder weniger mit dem „Schrecken“ davongekommen und wird stattdessen mit seinen sportlichen Erfolgen bei den Motorsportfans in Erinnerung bleiben.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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