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Sport

27. September 2016 | 03:53 Uhr

Video: Paralympics in Rio : Gold ohne Sattel: Das verrückte Rennen des Hans-Peter Durst

vom

Der 7. Wettkampftag der Paralympics in Rio de Janeiro endet mit einem ungewöhnlichen Sieg für einen Deutschen.

Kurz nach dem Start machte es Knack. Hans-Peter Durst ist auf der paralympischen Radstrecke direkt am Strand von Rio de Janeiro das Ärgerlichste passiert, was einem Sportler passieren kann. Einen enteilten Gegner kann man immer noch einholen, nach einem Sturz vom Fahrrad manchmal auch wieder aufsteigen. Aber wenn einem Sportler das Sportgerät kaputt geht und in diesem Fall einem Radsportler der Sattel abbricht? „Mir sind schon die Tränen runtergelaufen, weil ich dachte: Das war's. Das kann doch nicht wahr sein“, erzählte Durst hinterher. Dass der Senior im deutschen Team dieses Zeitfahren doch noch gewann, obwohl er sich auf 14,5 der 15 Kilometer nicht mehr hinsetzen konnte, zählt zu den bislang verrücktesten Geschichten dieser Paralympics. „Das ist Gänsehaut pur“, meinte der 58-Jährige.

Hans-Peter Durst fuhr ohne Sattel ins Ziel.
Hans-Peter Durst fuhr ohne Sattel ins Ziel. Foto: Jens Büttner
 

Hans-Peter Durst hatte 1994 einen schweren Autounfall. Seitdem ist sein Gleichgewichtssinn gestört, er geht am Stock und kann seinen Sport nur auf einem großen, spezial gefertigten Dreirad ausüben. Als Weltmeister von 2015 und Paralympics-Zweiter von 2012 ging er als Favorit in dieses Zeitfahren. Die größte Zitterpartie und den größten Erfolg seiner Karriere beschrieb er nach dem Rennen so: „Das Ding war lose und hing zur Seite weg, ich musste es in den Hintern einklemmen, um eine gewisse Stabilität zu kriegen. Für mich war klar: Das halte ich niemals 15 Kilometer durch. Aber wenn der Sattel runtergefallen wäre, wäre es vorbei gewesen.“ In dieser Position richtete sich Durst irgendwann ein, hinter ihm fuhr auch der Bundestrainer Patrick Kromer in einem Auto und rief immer wieder: „Weiterfahren, Weiterfahren.“ Das Problem war nur: die Kurven.

„Kurvenfahren ist eigentlich das, was das Dreiradfahren ausmacht. Das Geradeausfahren kriegt man schon hin“, erzählte Durst. „In den Kurven aber müssen wir aus dem Sattel gehen und das Gewicht verlagern.“ Da er das nicht mehr konnte, „habe ich dort jedes Mal viel Zeit verloren - aber das offensichtlich auf den Geraden wieder gutgemacht.“ Dort gab der im Allgäu geborene und in Dortmund lebende Betriebswirt ordentlich Gas, und die Ironie dieser Geschichte ist: „Eigentlich mochte ich diesen Kurs von Anfang an nicht. Aber in diesem Fall kam er mir als Geradeaus-Kurs sehr entgegen.“

Am Ende war der 58-Jährige trotz seines Missgeschicks mehr als eine Minute schneller als seine Konkurrenz. „Jetzt ist alles so egal“, meinte er. „Jetzt bin ich in Rio und bin Paralympics-Sieger 2016!“ Zwei Fragen blieben am Ende noch. Wie es ihm geht und was jetzt mit seinem Sattel passiert? „Wir werden uns irgendwas einfallen lassen“, sagte er. Eine Versteigerung für einen guten Zweck, ein Ehrenplatz zu Hause - alles ist vorstellbar. Und wie er sich fühlt? „Ich habe schon zwei Kinder. Ein neues würde diese Situation jetzt wohl nicht mehr hergeben. Ich muss gleich mal zur Ärztin. Das brennt unglaublich.“

In den weiteren Wettbewerben verpasste das deutsche Team die Podestplätze. So liefen die Wettkämpfe im Schwimmen, Tischtennis und Leichtathletik.

Leichtathleten Bensusan, Behre, Popow im Finale

Silber über die 400 Meter: Irmgard Bensusan.
Silber über die 400 Meter: Irmgard Bensusan. Foto: Jens Büttner
 

Irmgard Bensusan, David Behre und Heinrich Popow haben die Hoffnung auf weitere Medaillen in der Leichtathletik genährt. Die Sprinterin erreichte als Schnellste mit dem Paralympics-Rekord von 26,70 Sekunden das Finale über 200 Meter. Popow war Drittschnellster der Vorläufe über 100 Meter. Behre lief in 47,74 Sekunden Europarekord und ist über 400 Meter Top-Anwärter auf den Sieg.

Sprinter Floors verzichtet wegen Verletzung - Hermann Sechste

<p>Johannes Floors (li.) and David Behre nach dem 200-Meter-Finale der Männer.</p>

Johannes Floors (li.) and David Behre nach dem 200-Meter-Finale der Männer.

Foto: dpa
 

Johannes Floors, wie Behre Paralympics-Sieger mit der Staffel, verzichtete aus Verletzungsgründen auf einen Start. Er hatte sich beim Jubel das Knie verdreht. Die bewegungsgestörte Frances Herrmann hat nach ihrem dritten Platz im Speerwerfen im Kugelstoßen mit 6,64 Metern den sechsten Platz belegt. Rollstuhlfahrer Alhassane Balde verpasste als Vorlauf-Fünfter das Finale über 800 Meter.

Schwimmer nicht auf dem Podest

Denise Grahl gewann bei den Paralympics die erste deutsche Schwimm-Medaille.
Denise Grahl gewann bei den Paralympics die erste deutsche Schwimm-Medaille. Foto: Kay Nietfeld
 

Die Schwimmer bleiben bei einer Silbermedaille durch Denise Grahl. Über 400 Meter Freistil belegte Verena Schott aus Berlin in 5:41,47 Minuten den fünften Platz. Janina Breuer hatte in 1:28,65 Minuten den Endlauf über 100 Meter Brust verpasst.

Tischtennis-Frauen ausgeschieden

Statt sich über das verlorene Finale zu ärgern, freut sich Stephanie Grebe über Silber im Tischtennis. Photo:
Statt sich über das verlorene Finale zu ärgern, freut sich Stephanie Grebe über Silber im Tischtennis. Photo: Foto: Kay Nietfeld
 

Für die Tischtennis-Spielerinnen Juliane Wolf und Stephanie Grebe war im Viertelfinale des Mannschafts-Wettbewerbs Endstation. Das Duo verlor gegen die Brasilianerinnen Bruna Costa Alexandre und Danielle Rauen glatt mit 0:3.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 10:06 Uhr

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