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Hansa Rostock

24. Juli 2016 | 18:39 Uhr

FC HAnsa Rostock : Ultras wollten Hansa übernehmen

vom

Die radikalen Hardliner waren sich sicher, bei der Mitgliederversammlung den Aufsichtsrat des Vereins im Handstreich besetzen zu können.

Rostock Die Eskalation zwischen Vorstand und Aufsichtsrat beim Fußball-Drittligisten FC Hansa Rostock war offenbar Rettung in höchster Not. Nach Informationen unserer Zeitung waren sich die radikalen Hardliner der Ultra-Szene sicher, bei der turnusmäßigen Mitgliederversammlung am 1. November den Aufsichtsrat des Traditionsvereins im Handstreich besetzen zu können. 

Seit Monaten wurden demnach sämtliche Aufsichtsräte wie auch Vorstände permanent von Mitgliedern der Fanszene mit E-Mails, SMS und Anrufen bearbeitet, den Aufsichtsratsvorsitzenden Harald Ahrens zu stürzen und gegen den neuen Investor Rolf Elgeti auszutauschen. „Das hatte schon einen Anflug von Sekte“, berichteten uns Insider.

Wie auch der gestern bekannt gewordene E-Mail-Verkehr zwischen Investor Elgeti, der Fanszene und dem Vorstand belegt, wurden unverhohlen Drohungen ausgesprochen. „Wenn jemand von der Szene als vogelfrei deklariert wird, kann man sich im Grunde im Dunkeln nicht mehr aus dem Haus wagen“, erzählt ein langjähriges Vereinsmitglied. Die radikalen Teile der Fanszene hätten definitiv „ihre Schlägertrupps“.

Vier Aufsichtsräte hatten in den vergangenen Monaten bereits das Handtuch geworfen. Jetzt sollte Aufsichtsratschef Harald Ahrens gestürzt werden. Vorstandschef Michael Dahlmann habe sich nahezu täglich mit Vertretern der Ultras getroffen – gegen den ausdrücklichen und immer wieder erneuerten Rat des Präventionsbeauftragten Rainer Friedrich, der immer eine professionelle Distanz zu der Fanszene forderte.

Harald Ahrens, seit 50 Jahren Vereinsmitglied, wollte sich dem Druck aber nicht beugen. Der Chef des Aufsichtsrates bewies Rückgrat, als er ein Angebot von Elgeti ablehnte. Dabei sollte der Vertrag des gestern zurückgetretenen Michael Dahlmann vorzeitig um ein Jahr bis zum 30. Juni 2017 verlängert werden. Im Gegenzug wollte der Investor acht Millionen Euro von den 20,3 Millionen Euro des Stadionkredits erlassen, den er von der Deutschen Kreditbank für rund 7,5 Millionen Euro erworben hat. Allerdings soll der Deal auch ein brisantes Detail enthalten haben: Demnach hätte der Investor zu jedem Ende eines Geschäftsjahres von seinem Engagement zurücktreten können, wenn Dahlmann nicht mehr in einer prägenden Position tätig geworden wäre. Doch der Verein  wollte sich nicht von den möglichen Launen eines Investors und/oder eines von ihm gestärkten Vorstandsvorsitzenden abhängig machen.

In den Reihen der Ultras, die mit dem Investor zusammenarbeiten, stieß dies verständlicherweise auf wenig Gegenliebe, sodass ein harter Kurs gegen den Aufsichtsrat, der eigentlich nur seiner Pflicht im Sinne des Vereins und seiner Mitglieder zu handeln, nachgekommen ist, gefahren wurde.

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erstellt am 01.Okt.2015 | 21:00 Uhr

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