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Hansa Rostock

30. Juli 2016 | 18:54 Uhr

FC Hansa : 60 Punkte, dann ist alles möglich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Peter Vollmann im Exklusiv-Interview über die neue Saison, Dominik Stroh-Engel, überholte Geheimcamps und seinen Enkel

Gegenwärtig befindet sich der alte (Juni 2010 bis Dezember 2011) und neue Trainer des FC Hansa Rostock im Karwendelgebirge im Urlaub, entspannt sich beim Wandern. Vorher jedoch nahm sich der Fußball-Lehrer Zeit, um die Fragen von NNN-Redakteur Peter Richter zu beantworten.


Herr Vollmann, am 18. Juni ist Trainingsstart – zu einem Zeitpunkt, zu dem Sie eigentlich noch beim SV Wehen Wiesbaden unter Vertrag stehen müssten. Wie ist das Problem gelöst worden?

Der Vertrag endet am 15. Juni, darüber habe ich mich mit Wehen Wiesbaden einigen können. Am 16. fange ich dann offiziell in Rostock an.


Sie haben in Wiesbaden einen Dominik Stroh-Engel erst geholt und dann nach einem Jahr nach Darmstadt gehen lassen, wo er mit 27 Toren in 34 Spielen zum überragenden Drittliga-Knipser avancierte…
Ihn 2012 aus Babelsberg zu holen war der richtige Zug. Allerdings spielte auf seiner Position Mannschaftsführer Zlatko Janjic, und der hat das gut gemacht, in der Saison auch 15 Tore erzielt. Er spielt nicht umsonst jetzt in der
2. Bundesliga beim FC Erzgebirge Aue. Dominik kam zwar in dem Jahr dennoch auf 34 Einsätze, wurde aber meistens eingewechselt. Er hatte nicht den Eindruck vermittelt, dass er Janjic verdrängen kann, und diesen Zustand wollte er nicht mehr. Doch wir haben nach wie vor ein sehr gutes Verhältnis, wie das bei fast allen Spielern ist, die ich trainierte. Ich habe Dominik sofort nach der gewonnenen Relegation gegen Bielefeld eine SMS geschickt und ihm zum Aufstieg in die 2. Bundesliga gratuliert.

Sie sind in Wiesbaden im Oktober 2013 beurlaubt worden, nutzten die sieben Monate seitdem, um sich weiterzubilden – aber Ihre Familie und speziell Ihr Enkel hatten in der Zwischenzeit sicher auch etwas mehr von Ihnen als sonst üblich?
Ja, es stimmt, ich war einige Zeit in Südafrika bei meinem engen Freund Ernst Middendorp (der dort den Erstligisten Bloemfontein Celtic trainiert und unter dem Vollmann 2009 bei Anorthosis Famagusta in Zypern arbeitete – d. Red.), habe auch in England hospitiert und Trainingseinheiten von Dortmund und Schalke beobachtet. Man muss sich ja immer aktuell informieren. Aber natürlich hatte ich auch für die Familie Zeit und für meinen Enkel. Paul wird jetzt vier. Er war auch schon mal in Rostock im Stadion, als er noch im Kinderwagen lag.


Jetzt sind Sie zurück beim FC Hansa. Haben Sie vom Verein eine Vorgabe bekommen hinsichtlich des Saisonziels?
Erst mal ist wichtig, dass man vorher feststellt, a) welche Spieler stehen zur Verfügung und b) welche Spieler stehen nach der Vorbereitung immer noch zur Verfügung. Unser Ziel ist es, 20 Begegnungen zu gewinnen, danach ist immer alles möglich. Und ich habe mittlerweile gelernt, dass man das Glück, das links und rechts im Straßengraben liegt, mitnehmen muss, das kommt auch ein Stückweit dazu. Wir werden den Kader so verbessern, dass Hansa Rostock eine deutlich bessere Position als in den vergangenen beiden Jahren erreichen kann (lediglich Platz zwölf bzw. 13 – d. Red.). 60 Punkte wären eine gute Ausgangsposition für mehr. Wir müssen 20 Spiele gewinnen, dann ist alles möglich (im Aufstiegsjahr 2010/11 unter Vollmann gab es 24 Siege, in den beiden zurückliegenden Saisons lediglich elf bzw. 13 – d. Red.). Denn es wird 2014/15, glaube ich, keine
außergewöhnliche Mannschaft geben, wie das in dieser Saison Heidenheim war oder auf Grund des wirtschaftlichen Hintergrundes RB Leipzig. Ich rechne mit einem breiten Feld, das Angriff auf die Spitze nehmen kann. Jeder Dreier wird mehr zählen als dieses Jahr.

Spielt auch der Landespokal eine Rolle in Ihren Überlegungen oder hat der erst mal keine Priorität?
Den Landespokal betrachte ich als sehr, sehr wichtig. Diesen Wettbewerb muss man von Anfang an unter dem Aspekt sehen, dass hier die Möglichkeit besteht, zusätzliches Geld zu generieren, indem man ihn gewinnt, dadurch in den DFB-Pokal einzieht und dafür dann die Antrittsprämie bekommt.

Als Sie 2010 das erste Mal nach Rostock kamen, führten Sie gleich ein Geheimcamp durch und wiederholten diese Maßnahme an der Mecklenburgischen Seenplatte im Jahr darauf. Ist so etwas auch in der bevorstehenden Saisonvorbereitung zu erwarten?
Nein, das ist nicht geplant. In meinem Arbeitsfeld spielen Erfahrung, Weiterbildung und Psychologie eine zentrale Rolle. Diese drei Ebenen gilt es jeden Tag bestmöglich miteinander zu koppeln und entsprechend zu vermitteln. Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund – d. Red.) war zu seiner Zeit bei
Mainz 05 der Vorreiter solcher Camps, aber die sind
inzwischen überholt, bieten einfach nichts mehr Neues. Durch die Wiederholungen hat sich gezeigt, das bringt nichts mehr. Wir haben das damals gemacht, um die Mannschaft auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören. Aber das geht auch anders. Wir werden vom 29. Juni bis 4. Juli in Binz ein ganz normales Trainingslager durchführen.


Wie werden Sie Ihren Kapitän finden oder sagen Sie von vornherein, Sebastian Pelzer, der ja seit Beginn Ihrer ersten Amtszeit 2010 Spielführer war, trägt weiter die Binde?
Wir werden das auch jetzt wieder so machen, dass ich am Ende der Vorbereitung drei Spieler bestimme, und aus diesen wird die Mannschaft dann den Kapitän wählen.

Lassen Sie uns über weitere personelle Dinge sprechen. Zuletzt amtierten Uwe Ehlers als Assistenzcoach und Stefan Karow als Torwarttrainer. Auch Sie wollen mit den beiden zusammenarbeiten?
Ja. Es sind in dieser Richtung positive Gespräche gelaufen, aber 100-prozentig sicher ist noch nichts.


Stürmer Nikolaos Ioannidis, dessen Ausleihe von Olympiakos Piräus beendet und der dort bis 2015 gebunden ist, soll gehalten, also aus seinem Vertrag gekauft werden?
Wir versuchen mit Nikolaos Ioannidis und seinem Berater eine Einigung herzustellen und hoffen, zeitnah eine selbige zu erzielen. Es ist eine Frage zwischen Hansa Rostock und dem Spieler und eine Frage zwischen Hansa Rostock und Piräus.


Die Torwarte Jörg Hahnel und Johannes Brinkies sind beide nach wie vor da, aber ihre Verträge laufen de facto zum 30. Juni 2014 aus. Wie ist hier der Stand?
Abhängig von unserem Budget liegt die Priorität auf dem Feld. Erst mal wollen wir also sehen, dass wir eine Mannschaft auf dem Feld zusammenkriegen, hier alle Positionen besetzen, und danach werden wir nach einer Lösung im Torhüterbereich suchen. Wir sind sowohl mit Jörg Hahnel als auch Johannes Brinkies im Gespräch und nicht abgeneigt, die Situation so zu belassen. Ich kann mir vorstellen, dass beide hierbleiben.


Nach Rechtsverteidiger Markus Gröger, Stürmer Marcel Ziemer und Christian Bickel für das linke Mittelfeld ist jetzt der „Sechser“ Kai Schwertfeger verpflichtet worden. Wieviele Neue sollen jetzt noch kommen und für welche Positionen?
Für das defensive Mittelfeld wollte ich einen jungen Spieler haben, der bereits Erfahrungen in der 2. Bundesliga hat und in der Lage ist, das läuferisch nach vorn und hinten notwendige Pensum abzuwickeln. Das trifft auf Kai Schwertfeger zu, der ja mit Karlsruhe auch schon in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Wir werden jetzt noch einen Innenverteidiger versuchen zu verpflichten. Für die Abwehr schwebt mir ein erfahrener Mann vor mit überragendem Kopfballspiel und einer guten Ansprache an die Mitspieler. Allerdings dürfen wir dabei keinesfalls unseren Etat aus den Augen verlieren, der bestimmt, was geht und was nicht geht. Einen Spieler zu verpflichten bedeutet, gute Nerven zu haben, viele intensive Gespräche zu führen und die wirtschaftlichen Mittel für den möglichen Zuschlag des Beraters und seines Spielers zu bekommen. Meistens ist der ganze Aufwand aber umsonst. Deshalb freue ich mich um so mehr, wenn es zum gewünschten Abschluss kommt.


Ab wann werden Sie wieder dauerhaft in Rostock sein?
Für mich geht es aktiv am Wochenende 14./15. Juni los. Da werde ich mein Büro beziehen und eventuell auch schon eine möblierte Ferienwohnung.
















 

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erstellt am 02.Jun.2014 | 09:30 Uhr

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