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Bundesliga

03. Dezember 2016 | 01:17 Uhr

Fußball-Bundesliga : DDR-Fußball-Größen: RB Leipzig gut für den Osten

vom

Die Sympathiewerte von RB Leipzig gehen sprunghaft nach oben. Der schwungvolle Spielstil der jungen Sachsen überzeugt auch viele Kritiker. Unterstützung bekommt der aufstrebende Club von den ehemaligen Fußball-Größen aus der DDR.

Geliebt, gehasst und nun auch in obersten Fußball-Kreisen gefürchtet. An Bundesliga-Spitzenreiter RB Leipzig scheiden sich nach wie vor die Geister.

Doch der scheinbar unaufhaltsame Sturm der Sachsen in die Beletage könnte für viele Vereine aus dem Osten auch ein Signal sein. «Für die ostdeutschen Traditionsclubs wie den Halleschen FC oder den 1. FC Magdeburg sollte es auch Ansporn sein», sagte Hermann Winkler, Präsident des Sächsischen Fußball-Verbandes (SFV), der Deutschen Presse-Agentur.

Der sächsische CDU-Europa-Abgeordnete ist vom Weg der «RasenBallsportler» überzeugt. «Wir haben mit Leipzig als DFB-Gründerstadt und mit dem VfB als erstem deutschen Fußball-Meister die Tradition, RB hat dies mit Geld und hervorragender Nachwuchsarbeit sowie mit tollem Konzept zusammengefügt. Davon profitieren alle sächsischen Vereine in der Zukunft», sagte Winkler.

Auch der frühere DFB-Kapitän Michael Ballack hat sich lobend über den Bundesliga-Neuling geäußert: «Es ist einfach großartig, wie sich die Mannschaft und auch die Fans bisher präsentieren», sagte der gebürtige Görlitzer der «Bild». Besonders angetan ist der 40-Jährige von den Auswärtsauftritten. «Das zeugt schon von einer unheimlichen Nervenstärke. Insgesamt bescheinigt Ballack, der im März 2013 sein Abschiedsspiel in der Red Bull Arena austrug, dem jungen Team einen «unbekümmerten, offensiven, aber auch sehr rationalen Fußball».

Sein früherer Kollege bei Bayer Leverkusen, Torjäger Ulf Kirsten, sieht den Emporkömmling etwas kritischer. «Ich respektiere die Leistung und war auch schon ein paarmal im Stadion. Aber das Projekt ist nicht jedermanns Sache. Mit seinem riesigen Potenzial hätte RB schon eher in der Bundesliga sein müssen», sagte Kirsten nach dem RB-Aufstieg im Interview mit der «Leipziger Volkszeitung».

Der ehemalige Torjäger macht keinen Hehl daraus, dass er als langjähriger Dresdner lieber einen Dynamo-Aufstieg vorgezogen hätte. «Für den Ost-Fußball ist jeder Erstligist gut und wichtig, aber ich hätte mir einen anderen Verein ganz oben gewünscht.»

Selbst Ost-Ikone Matthias Sammer äußerte sich in der Vergangenheit positiv über den neuen Leipziger Club. «Ein paar Traditionalisten schreien herum, aber das ist nicht in Ordnung. Wenn es Lok und Chemie Leipzig nach der Wende nicht geschafft haben, ihre Kraft im Interesse des Fußballs vor Ort zu bündeln - dann gibt es immer einen lachenden Dritten», sagte der ehemalige Sportvorstand der Bayern 2014. Aktuell will sich der gebürtige Dresdner aber nicht zur Entwicklung der Roten Bullen äußern - aus strategischen Gründen, wie er sagte.

DDR-Rekordnationalspieler Joachim Streich, der mit großem Interesse den ostdeutschen Fußball verfolgt, bringt es kurz und knapp auf dem Punkt. «Die Zuschauerzahlen bei RB zeigen: Leipzig will Fußball sehen», sagte der 65-Jährige. So sieht es auch sein ehemaliger Libero Klaus Urbanzcyk. Es zeige, dass dort der richtige Weg eingeschlagen worden sei. «Natürlich muss nicht jeder gutheißen, was in der Nachbarstadt geschieht. Aber es sollte sich nicht so ein Hass entwickeln, wie er den Leipzigern entgegenschlägt», sagte die Hallenser Fußball-Legende.

Die Umfragewerte hinsichtlich der Sympathie für den Bundesliga-Spitzenreiter steigen konstant - zuletzt sogar mit zweistelligen Prozentzahlen. RB Leipzig ist in Mitteldeutschland hinter dem FC Bayern und Borussia Dortmund auf Rang drei. Vor allem bei den Attributen wie Leidenschaft, Glaubwürdigkeit, Bodenständigkeit und Sympathie ging es laut einer IRIS-Erhebung im Sommer (Intelligent Research in Sponsoring) steil nach oben.

RB Leipzig: In nur sieben Jahren an die Bundesliga-Spitze. Foto: Hendrik Schmidt
RB Leipzig: In nur sieben Jahren an die Bundesliga-Spitze. Foto: Hendrik Schmidt Foto: Hendrik Schmidt

RB Leipzig: In nur sieben Jahren an die Bundesliga-Spitze

Gründung und 1. Saison in der Oberliga Nordost, 2009/2010:
RasenBallsport Leipzig wird am 19. Mai 2009 gegründet und übernimmt zur Saison 2009/2010 das Startrecht des SSV Markranstädt in der Oberliga Nordost. Der Nordostdeutsche Fußballverband stimmt der Übertragung des Spielrechts zu und genehmigt den Vereinsnamen. Dabei nimmt RB den Spielbetrieb ohne offizielles Vereinswappen auf, da es wegen der Ähnlichkeit zum Red-Bull-Unternehmenslogo vom Sächsischen Fußballverband abgelehnt wird - ein Novum im deutschen Profifußball. Das erste Jahr verläuft nach Plan: Die Leipziger sichern sich vorzeitig den Aufstieg in die Regionalliga.

Regionalliga - 1. Saison, 2010/2011:
RB Leipzig besitzt nun ein Vereinslogo, der Sächsische Verband akzeptiert die modifizierte Version. RB trägt seine Heimspiele in der Red Bull Arena, dem ehemaligen Leipziger Zentralstadion, aus. Die erste Saison in der Regionalliga beendet das Team als Vierter und verpasst den anvisierten Aufstieg. Im Juni 2011 holen die Leipziger mit dem Sieg im Sachsenpokal den ersten Titel der Vereinsgeschichte.

2. Regionalliga - 2. Saison, 2011/2012:
Dritte Saison für RB, dritter Coach: Peter Pacult soll den Aufstieg in die 3. Liga schaffen. Nur drei Spieler aus dem Oberliga-Team der Premieren-Saison stehen noch im Kader. Trotz vieler namhafter Neuzugänge verpasst RB auch im zweiten Anlauf den Aufstieg in die 3. Liga und wird am Ende Dritter.

3. Regionalliga - 3. Saison, 2012/2013:
Die neue Saison in der Regionalliga Nordost beginnt mit zwei entscheidenden Personalien: Ralf Rangnick wird Sportdirektor und bringt Alexander Zorniger als neuen Trainer mit. Drei Tage vor Saisonende ist den Leipzigern die Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. In der Aufstiegsrelegation setzt sich das Team gegen die Sportfreunde Lotte durch und schafft im dritten Anlauf den Aufstieg.

3. Liga - 1. Saison, 2013/2014:
Mit sieben Neuzugängen im Kader, darunter Joshua Kimmich und Yussuf Poulsen, knüpft Trainer Zorniger auch in der 3. Liga an seine Erfolge an. RB entscheidet den Zweikampf an der Spitze mit dem SV Darmstadt 98 für sich und macht einen Spieltag vor Saisonende den Zweitliga-Aufstieg perfekt.

2. Bundesliga - 1. Saison, 2014/2015:
Bevor RB Leipzig in der 2. Liga starten darf, gibt es mit der DFL ein Gerangel um die Lizenz. Die DFL fordert eine Modifizierung des Vereinslogos und Veränderungen im Führungsgremium, so dass in diesem nicht mehr nur direkt von Geldgeber Red Bull angestellte Vertreter sitzen. Zudem hatte sich der Verein bei der DFL dazu verpflichtet, seine Satzung zu ändern, um sich neuen Mitgliedern weiter zu öffnen.

Auch sportlich läuft es nicht. Nachdem in der Rückrunde der Kontakt zu den Aufstiegsplätzen verloren geht, entscheidet der Verein, sich nach der Saison von Coach Zorniger zu trennen. Der Schwabe zieht im Februar 2015 selbst die Konsequenzen und tritt zurück. Bis Saisonende betreut der bisherige U-17-Coach Achim Beierlorzer interimsweise die Profimannschaft und wird am Ende Fünfter.

2. Bundesliga - 2. Saison, 2015/2016:
Neuer Cheftrainer wird in Personalunion Sportdirektor Rangnick, nachdem zuvor Wunschkandidaten wie Thomas Tuchel abgesagt haben. Leipzig verpflichtet unter anderem den Bremer Angreifer Davie Selke für acht Millionen Euro und gibt insgesamt fast 19 Millionen Euro für neue Spieler aus. Am 8. Mai 2016 feiert RB den Bundesliga-Aufstieg.

1. Bundesliga - 1. Saison, 2016/2017:
Der Neuling stellt mit dem neu verpflichteten Trainer Ralph Hasenhüttl gleich einen Rekord auf. Nie zuvor in der Erstliga-Historie ist ein Aufsteiger elf Spieltage lang ungeschlagen geblieben. Mit dem 3:2 bei Bayer Leverkusen verdrängte RB zudem den FC Bayern, der im Topspiel bei Borussia Dortmund patzte (0:1), erstmals seit über einem Jahr von der Tabellenspitze.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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