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Newsticker Nord

26. September 2016 | 12:28 Uhr

Außenhandel : Land legt beim Export zu: Milchbauern aber darben

vom

Allen Handelsbeschränkungen und Krisen zum Trotz bleibt die Exportwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern im Aufwind. Mit einem Warenwert von 4,2 Milliarden Euro verzeichneten die im Bundesvergleich gemeinhin als exportschwach geltenden Firmen des Landes ein bislang nicht erreichtes Halbjahresergebnis. Das Plus gegenüber dem ersten Halbjahr 2014 betrug nach vorläufigen Berechnungen des Statistikamtes in Schwerin 14,6 Prozent, was auf einen neuen Exportrekord zum Jahresende schließen lässt. Der steht seit 2013 bei 7,3 Milliarden Euro.

Doch nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen von der wachsenden Nachfrage nach Erzeugnissen aus dem deutschen Nordosten, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Insbesondere in der Ernährungsgüterwirtschaft gab es im ersten Halbjahr teilweise empfindliche Einbußen im Außenhandel. Während vor allem drastisch gestiegene Weizen- und Kartoffelexporte für ein Plus vom 21,5 Prozent bei pflanzlichen Nahrungsgütern sorgten, brachen Fleisch-, Fisch- Milch- und Käseexporte massiv ein. Das Minus zum Vorjahreszeitraum bei Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs betrug fast 20 Prozent.

«Unsere Milchbauern bekommen den schwächelnden chinesischen Markt und die seit August 2014 geltenden Handelsbeschränkungen mit Russland besonders hart zu spüren», stellt Agrarminister Till Backhaus (SPD) fest. Für Molkereien in Mecklenburg-Vorpommern sei Russland bis zuletzt ein wichtiger Markt gewesen, Ersatz zu finden sei angesichts der aktuellen Marktlage nicht leicht. «Es gibt ein großes Überangebot an Milch weltweit und das nutzen Lebensmittel-Discounter auch in Deutschland aus. Der Preiskampf ist gnadenlos, er geht zulasten der Bauern. Es ist zum Heulen», beschreibt Backhaus die Lage.

Das wird auch vom stellvertretenden Vorsitzenden des Landes- Bauernverbandes, Gerd Göldnitz, bestätigt. «Der Milchpreis ist um ein Drittel auf inzwischen 25 Cent gesunken. An jedem Kilogramm verdient ein Bauer somit 12 Cent weniger. Und vier Cent davon gehen auf das fehlende Russland-Geschäft», rechnet Göldnitz vor, der in Lübesse bei Schwerin selbst einen Milchbetrieb führt. Die Einnahmen deckten längst nicht mehr die Kosten. 56 kleinere Milchbauern im Land hätten in diesem Jahr schon das Handtuch geworfen.

Auch wenn die Ernährungsgüterwirtschaft Mecklenburg-Vorpommerns nur noch halb so viele Geschäfte mit Russland macht wie vor dem Embargo, so wuchsen die Exporte in die Föderation insgesamt um fast 14 Prozent und erreichten im ersten Halbjahr ein Volumen von 135 Millionen Euro. Weit größer war der Zuwachs aber bei den Ausfuhren in die Niederlande, die zur Jahresmitte mit einem Warenwert von 404 Millionen Euro Polen als wichtigsten Exportmarkt verdrängten. Spürbar rückläufig waren im ersten Halbjahr Ausfuhren unter anderem nach Dänemark, Griechenland und Italien.

Weiterhin gute Geschäfte macht Mecklenburg-Vorpommern mit Saudi-Arabien und dem Iran, Abnehmer vor allem für Weizen. Das Exportvolumen für beide Länder summierte sich laut Statistikamt im ersten Halbjahr auf zusammen 423 Millionen Euro. «Das ist für die Umschlagshäfen ganz gut. Mir wäre es aber lieber, wir könnten das Getreide zumindest zum Teil im Land verarbeiten und die Wertschöpfung so erhöhen», erklärte Backhaus.

Die Industrie konnte ihre Exporte ebenfalls spürbar steigern. Dabei erfüllte sich unter anderem die Erwartung der Landesregierung, dass Hersteller von Anlagen zur Gewinnung von Ökostrom Abnehmer zunehmend auch im Ausland finden und so die Exportkraft des Landes erhöhen. Der Absatz von Stromgewinnungsanlagen wie Windräder stieg um über 50 Prozent auf ein Volumen von 322 Millionen Euro. Das Holzcluster in Wismar steigerte seinen Schnittholzexport auf 69 Millionen Euro.

Neben den Wirtschaftskammern im Land reagierte auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) erfreut auf den Trend. Das steigende Außenhandelsvolumen zeige, dass sich Firmen Mecklenburg-Vorpommerns im internationalen Wettbewerb behaupten könnten. «Vieles ist möglich in Mecklenburg-Vorpommern und vieles kommt auch außerhalb unseres Landes gut an», sagte Sellering und ermunterte die Unternehmen, ihre Chancen im Export noch besser zu nutzen.

Statistik Exporte

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