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Mecklenburg-Vorpommern

24. Juli 2016 | 22:26 Uhr

Gewalt in der Familie : Zu wenig Hilfe für Gewaltopfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kein Frauenhaus in MV barrierefrei – Behinderte suchen Schutz in anderen Ländern

Die Zahl bekanntgewordener Fälle von Gewalt in Familien nimmt in Mecklenburg-Vorpommern zu. Im ersten Halbjahr suchten 1746 Kinder und Jugendliche in den Beratungs- und Interventionsstellen des Landes Schutz und Hilfe vor prügelnden Eltern. Dies sei eine Zunahme von 12 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, teilte gestern die Landeskoordinierungsstelle Cora mit. Bei hilfesuchenden Frauen sei im ersten Halbjahr ein Anstieg von 7,3 Prozent zu beobachten. In 750 Fällen musste in den ersten sechs Monaten 2014 sogar die Polizei eingreifen, um bei familiären Auseinandersetzungen Schlimmeres zu verhindern.

Doch die Hilfe und Beratung für Opfer häuslicher Gewalt im Land sei unzureichend, kritisieren Verbände. „Viele Betroffene erreichen wir nicht, weil das Hilfenetz nicht über entsprechende Ressourcen verfügt“, bemängelte gestern Ulrike Bartel, stellvertretende Vorsitzende des Landesfrauenrates. In den acht Beratungsstellen arbeite jeweils nur ein Mitarbeiter. Viele seinen überfordert, so Bartel. Zudem gebe es „weiße Flecken“ in ländlichen Gebieten, wo keine Beratung und Hilfe angeboten werden könne.

Fünf der acht Frauenhäuser im Land sind nur mit zwei Betreuerinnen ausgestattet, die sich rund um die Uhr um gepeinigte Frauen kümmern. „Diese Einrichtungen sind permanent unterbesetzt“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Frauenrates. Die Frauenhäuser stehen jeden Tag im Jahr für Opfer offen.

Hinzu kommt, dass keine der Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern barrierefrei ist. Erika Dittner, stellvertretende Vorsitzende des Landesbehindertenverbandes, kritisiert: „Rollstuhlfahrerinnen, die Opfer von häuslicher Gewalt werden, müssen Schutz in anderen Bundesländern suchen.“ Auch die acht Beratungs- und fünf Interventionsstellen im Land seien oft nicht barrierefrei, „so dass vielfach noch nicht einmal die Kontakte zustande kommen“, berichtete Erika Dittner.

Eine Online-Petition des Landesfrauenrates „Opferschutz als Pflichtaufgabe“ sei bisher von mehr als 4000 Menschen unterzeichnet worden. Die Unterschriftenlisten sollen am 25. November in Schwerin nach einer Demonstration an Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und Sozialministerin Birgit Hesse (beide SPD) übergeben werden, sagte Ulrike Bartel.

Nach Angaben der SPD-Landtagsfraktion wird der Opferschutz im Land momentan überprüft. Ein „Landesaktionsplan zur Bekämpfung von häuslicher und sexualisierter Gewalt“ sei in Arbeit.

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erstellt am 19.Nov.2014 | 07:55 Uhr

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