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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 05:40 Uhr

Kindesmissbrauch in Schwerin : Zigaretten als „Lohn“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

60-Jähriger wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt

Ein 60-jähriger Frührentner hat sich in Schwerin an zwei Jungen vergangen. Nach den Übergriffen „bezahlte“ er seine zwölf und vierzehn Jahre alten Opfer mit einer Handvoll Zigaretten. Seit gestern muss sich der gelernte Maurer und Kabeltechniker vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfachen, teils schweren sexuellen Missbrauch von Kindern und sexuelle Nötigung vor.

Der Angeklagte verkaufte offenbar ab und an vor einer Schule einzelne Zigaretten an Schüler. Dafür kassierte er 25 Cent pro Stück. Einige Kinder und Jugendliche besuchten den Mann auch in seiner nahegelegenen Wohnung. Zwischen 2012 und 2013 soll der Frührentner dort fünfmal einen anfangs zwölf Jahre alten Jungen ausgezogen und ihn auf verschiedene Arten missbraucht haben. Obwohl der Junge später aussagte, er habe das alles als „eklig“ und „unangenehm“ empfunden, besuchte er doch immer wieder den Angeklagten. Nach einigen der Übergriffe bekam der Junge Zigaretten, für die er nichts bezahlen musste. Im Dezember verging sich der Angeklagte auch an einem 14-Jährigen. Als es an der Wohnungstür klingelte, ließ er von ihm ab.

Herausgekommen sind die Übergriffe, weil einer der Jungen von seinen Mitschülern in der Schule mit sexuellen Anspielungen gemobbt wurde, was seiner Mutter zu Ohren kam. Anfangs fragte sie ihren Sohn vergeblich, was der Grund für die Hänseleien ist. Als er doch mit der Sprache herausrückte, erstattete sie Anfang 2014 Anzeige bei der Polizei.

Bitter für die Familie ist, dass der Junge offenbar auch im Visier von Peter B. stand, dem ehemaligen Leiter des Jugendclubs Power for Kids in Schwerin. Peter B. wurde im Frühjahr wegen vielfachen sexuellen Missbrauchs zu sechs Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Ein zweiter Prozess steht ihm bevor, da nicht alle seine Übergriffe ermittelt waren, als der erste Prozess lief. Die Kriminalpolizei hat auch versucht herauszufinden, ob der Frührentner weitere Kinder oder Jugendliche missbraucht hat. Die Nachforschungen blieben ohne Ergebnis.

Der Prozess gegen den Frührentner hätte längst geführt werden können. Bereits vor einem Jahr war er vorgeladen worden. Damals allerdings bestritt er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft – entgegen der Erwartungen der Richter und seines Verteidigers. Da das Gericht keine Zeit eingeplant hatte für viele Zeugenvernehmungen, war der Prozess zunächst geplatzt. Gestern ließ der 60-Jährige durch seinen Verteidiger mitteilen, dass er die Taten einräumt. Vorher hatten sich die Juristen darauf verständigt, dass dem Angeklagten im Falle eines Geständnisses höchstens eine Strafe von zwei Jahren und drei Monaten droht. Zumindest ersparte er den Jungen, als Zeugen vor Gericht zu Details der sexuellen Übergriffe befragt zu werden. Auch der Angeklagte will sich nicht weiter zu den Taten befragen lassen. Mit einem Urteil ist nächste Woche zu rechnen.

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erstellt am 04.Nov.2016 | 08:00 Uhr

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