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Wolfsbestand wächst : Wölfe auf Reviersuche in MV

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Ausbreitung des Wolfes im Land schreitet schneller voran als angenommen.

Die tödlichen Auto-Kollisionen von zwei Wölfen Anfang März sind nach Ansicht von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Indizien dafür, dass Jungtiere auf der Suche nach Partnern und neuen Revieren sind. Pro Jahr kämen in einem Rudel vier bis sechs Welpen zur Welt. In der Lübtheener Heide werde in diesem Frühjahr nun der dritte Wurf erwartet. „Die geschlechtsreifen Jungtiere spalten sich spätestens nach zwei Jahren ab, weil sie im Rudel keinen Platz mehr haben“, erklärte Backhaus.

In den Monaten zuvor erkundeten sie die Umgebung und zögen dabei immer weitere Kreise. Der junge Rüde „Arno“, der mit einem Sender ausgestattet war, im Dezember aber von einem unbekannten Schützen erschossen wurde, habe seine Streifzüge von Lübtheen aus schon bis in die Nähe von Rostock ausgedehnt. „Wölfe legen lange Strecken zurück und haben ein erstklassiges Navigationssystem“, sagte Backhaus. Auch die beiden Wölfe, die nach Zusammenstößen mit Autos südlich von Schwerin und nahe Ratzeburg verendet waren, stammten aus dem Rudel, das seit vier Jahren auf dem früheren Truppenübungsplatz in der Lübtheener Heide südlich von Ludwigslust heimisch ist.

Laut Backhaus gibt es in MV neben diesem weitere Rudel in der Kalißer Heide nahe Dömitz sowie in der Ueckermünder Heide. Wie der vorpommersche Wolfsexperte Frank Jüttner sagte, konnte anhand von Genmaterial in Kotproben nachgewiesen werden, dass sich Wolfsnachkommen aus Ückermünde auch in Niedersachsen aufgehalten haben. Backhaus verwies auf Indizien, die dafür sprächen, dass sich auch im Müritz-Nationalpark ein Wolfspaar niedergelassen hat. „Die Ausbreitung des Wolfes kommt offenbar doch schneller voran als zunächst angenommen“, sagte Backhaus. Experten gingen davon aus, dass in Deutschland inzwischen etwa 450 Tiere leben. Eine Schätzung, wie viele davon im Nordosten heimisch sind, wollte er nicht abgeben.

Für diesen Herbst erwartet Backhaus einen Bericht der Bundesregierung zur Entwicklung des Wolfsbestandes. „Wir müssen lernen, wieder mit dem Wolf zu leben. Doch sicher kommt die Frage, wie viele Wölfe verträgt Deutschland“, sagte der Minister. Auch wenn er keinen Grund sehe, sich vor dem größten Raubtier in den heimischen Wäldern zu fürchten, so habe er Verständnis für Besorgnis bei vielen Menschen. „In unseren Großschutzgebieten kann der Wolf fast ungestört leben, wenn er aber durch unsere zersiedelte Landschaft wandert und Straßen überquert, kann er für Auto- und Motorradfahrer zur Gefahr werden. Bislang sind schwere Unfälle glücklicherweise ausgeblieben“, sagte Backhaus.

Die Rückkehr des einst in Deutschland ausgerotteten Wolfes führt zunehmend auch zu Konflikten mit Landwirten und Jägern. Nach Angaben des Schweriner Agrarministeriums wurden 2016 bei 14 Attacken mindestens 72 Nutztiere getötet, meist Schafe. Das war eine Zunahme von fast 50 Prozent zum Vorjahr. Tierhalter fordern daher eine Regulierung der ständig wachsenden Bestände. Doch gilt der Wolf als streng geschützte Art und darf daher nicht gejagt werden. Backhaus appellierte an die Tierhalter, die finanziellen Hilfen des Landes zur Anschaffung von Schutzzäunen und speziellen Hunden zu nutzen.

 

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erstellt am 12.Mär.2017 | 20:45 Uhr

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