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Wirtschaft MV

29. August 2016 | 19:59 Uhr

Skandal in Flensburg : Werkverträge: Firmen lehnen Standards ab

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geringere Löhne für jede dritte Firma Grund für Leistungsverträge

Kein Geld, ohne Krankenversicherung und Papiere in einer heruntergekommenen Unterkunft: Die Fälle gleichen sich. Wieder sind griechische Werkvertragsarbeitnehmer gestrandet. In Flensburg mussten 13 Beschäftigte in drei Zimmern hausen – nach Jobs u. a. auf der Volkswerft Stralsund im März von einem Subunternehmer sitzengelassen, berichtet die IG Metall. Erst im August 2014 hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Groß Stieten im Landkreis Nordwestmecklenburg einen ähnlichen Fall aufgedeckt: Auch dort hatte ein Subunternehmer mehr als 100 Werkvertragsarbeitnehmer – 25 griechische und weitere 80 ausländische Arbeitnehmer – ohne Bezahlung nach Jobs auf dem Gelände der Nordic-Werft in Rostock zurückgelassen. Für den DGB Belege für teilweise unhaltbare Zustände in Subunternehmen. „Das sei nur die Spitze des Eisberges“, hatte DGB-Nord-Vize Ingo Schlüter erklärt: „Über Lohndrückerei macht sich die Schmutzkonkurrenz breit.“ „Werkverträge dringen in den Kernbereich der industriellen Wertschöpfung ein und gefährden die Zukunftsfähigkeit der Betriebe“, erklärte IG-Metall-Nord-Chef Meinhard Geiken gestern nach einem Treffen mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in Bremen.

Keineswegs, regierte der Arbeitgeberverband Nordmetall. 54 Prozent der Firmen würden ohne Werkverträge auskommen, ergab eine gestern vorgestellte Nordmetall-Umfrage. Auf 100 Stammbeschäftigte würden sieben weitere Arbeitnehmer kommen. „Dies zeigt, dass sich Werkverträge nicht zur Dramatisierung eignen“, sagte Nordmetall-Chef Nico Fickinger. Werkverträge hätten sich bewährt, um Auftragsspitzen abzufedern und sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren. Fickinger zufolge würde ein„möglicherweise geringerer Stundenlohn“ für die Firmen nur eine „untergeordnete Rolle“ spielen. Allerdings kommt seine Umfrage zu einem anderen Schluss: Immerhin gab fast ein Drittel der Firmen an, dass geringere Löhne der Werkvertragsarbeiter ein Grund für ihre Bestellung ist.

Die Gewerkschaften lassen nicht locker: Nachdem vom DGB aufgedeckten Skandal von Groß Stieten werde der Gewerkschaftsbund bei einem Gipfeltreffen der Sozialpartner, Krankenkassen, Arbeitsverwaltung und des Zoll bei Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) kommende Woche auf die Einhaltung bestehender Vorschriften drängen, sagte DGB-Nord-Vize Schlüter. Nahles kündigte gestern strengere Regeln an: „Niemand will Leiharbeit oder Werkverträge verbieten. Wir werden aber dem Missbrauch einen Riegel vorschieben.“

Firmen in MV geben sich zurückhaltend: Nach dem Werkvertragsskandal im August hätten alle betroffenen Firmen die Einführung von nachprüfbaren Standards bei der Beschäftigung von Werkvertragsarbeitern abgelehnt, sagte IG-Metall-Sprecher Heiko Messerschmidt. Für Nordmetall eine „unerträgliche“ Debatte. Missbrauchsfälle seien klare Gesetzesverstöße und müssten konsequent sanktioniert werden, sagte Fickinger und lehnte Einschränkungen und mehr Mitbestimmung ab. Die Industrie sei sich „der Verantwortung für ordentliche Arbeitsbedingungen bewusst“. Mehr als ein Drittel der Firmen habe einen Verhaltenskodex für Werkvertragsfirmen entwickelt, so die Umfrage.  

 

 

 

 

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erstellt am 18.Apr.2015 | 08:30 Uhr

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