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Wirtschaft MV

29. September 2016 | 10:21 Uhr

Energiepolitik : Strom aus Güstrow nach Bayern?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim heftigen Streit um eine Energieautobahn aus Sachsen-Anhalt in den Freistaat könnte MV lachender Dritter sein

Noch sind alle Beteiligten zurückhaltend, aber im Streit um die Nord-Süd-Stromtrasse vom sachsen-anhaltinischen Bad Lauchstädt nach Meitingen bei Augsburg tief in Bayern bahnt sich offenbar eine politische Lösung an, von der Mecklenburg-Vorpommern profitieren könnte.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und seine Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hatten wiederholt erklärt, dass die Nord-Süd-Trasse, offiziell „Süd-Ost-Passage“, geändert werden müsse. Zu dieser Überzeugung hatten sie offenbar monatelange Proteste in Städten und Gemeinden Bayerns gegen die „Monstertrasse“ geführt. Energiepolitisches Argument: Die Passage soll ausgerechnet in Bad Lauchstädt bei Halle beginnen – direkt neben dem ostdeutschen Braunkohlerevier. In Bayern befürchtet man, dass vor allem schmutziger Braunkohlestrom aus dem Osten über die 450 Kilometer lange Gleichstrompassage – eine Hochspannungsleitung für hohe Strommengen – in den Freistaat fließt.

Bei der derzeitigen Novelle des Bundesbedarfsplans aus dem Jahr 2013 wird der als „Korridor D“ bezeichnete Trassenverlauf nun offenbar infrage gestellt. Eine nichtöffentliche Arbeitsgruppe diskutiert über Lauchstädt-Meitingen. „Uns ist bekannt, dass das Bundeswirtschaftsministerium und Bayern im Gespräch über den Korridor D sind“, sagt Siegfried Wagner vom Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission, der für den Netzausbau im Osten verantwortlich zeichnet. Es werde überprüft, ob der geplante Netzausbau in Richtung Süden nach der jüngsten Novelle des Erneuerbaren Energiegesetzes „noch zutreffend“ sei. Aktuell wertet der Netzbetreiber Stellungnahmen und Kritiken der Fachleute und der Öffentlichkeit aus. Im Bundeswirtschaftsministerium sieht man die Angelegenheit ein wenig zurückhaltender. „Die Gespräche laufen noch.“

Denkbar ist die Planung einer komplett neuen Trasse, die vor allem Windenergie aus Mecklenburg-Vorpommern nach Bayern transportieren würde. Dazu müsste der Startpunkt der Leitung nur wenig nach Norden verlegt werden. Denn aus MV kommend ist bereits der Ausbau der bestehenden 220 Kilovolt -Leitung von Güstrow nach Wolmirstedt bei Magdeburg auf eine 380-KV-Leitung im Bundesbedarfsplan festgehalten. Fertigstellung: 2024. Ein Weiterbau bis 2034 in das 140 Kilometer weiter südlich liegende Bad Lauchstädt ist zudem avisiert. Das ließe sich auf eine Gleichstromleitung für große Strommengen umplanen.

„Nach unserem Kenntnisstand wird an den jetzigen Verknüpfungspunkten nicht gerüttelt“, sagt Steffen Wehner, Sprecher im Energieministerium in Schwerin. Sollte sich jedoch daran etwas ändern, könnte dies Auswirkungen auch auf MV haben. Im Klartext: Windstrom aus MV über große Energieautobahnen nach Sachsen-Anhalt und nach Bayern zu bringen, wäre aus Sicht Mecklenburg-Vorpommerns sogar ein Segen. Das Land hat ohnehin Probleme, langfristig die geplanten Strommengen aus Windkraft auf der Ostsee und an Land, an den Verbraucher zu bringen.

2338 Megawatt Windenergieleistung von derzeit 1612 Windrädern an Land und der ersten kommerzielle Offshore-Windpark in der deutschen Ostsee – Baltic 1 mit 21 Windenergieanlagen – ist erst der Anfang. Derzeit entsteht Baltic 2 mit 80 Windenergieanlagen und einer Gesamtleistung von 288 Megawatt. Allein damit können 340 000 Haushalte im Jahr versorgt werden. Zurzeit wird öffentlich heftig über neue Windeignungsgebiete debattiert. Das setzt aber neue Stromtrassen in den Süden voraus. 50Hertz hat erst 2012 die „Windsammelschiene“, eine 380-KV-Nordleitung, zwischen Schwerin und Hamburg in Betrieb genommen. Eine leistungsfähige Verbindung tief in den Süden wäre der zweite leistungsfähige Strang zwischen Ost- und Westnetz und käme dem Land nur entgegen.


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erstellt am 16.Jul.2014 | 11:45 Uhr

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