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Wirtschaft MV

25. Juli 2016 | 19:52 Uhr

Heiligendamm : Ostseebad stellt sich gegen Jagdfeld

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Investitionsverzug im ersten deutschen Seebad: Heiligendamm will Grundlagenvertrag mit Immobilienunternehmer kündigen

Krach in der Weißen Stadt am Meer: Nach jahrelangem Investitionsverzug im ersten deutschen Seebad in Heiligendamm stellt eine Mehrheit des Stadtparlaments Bad Doberan den mit Immobilieninvestor Anno August Jagdfeld geschlossenen Grundlagenvertrag zur Entwicklung des Nobelbades grundsätzlich in Frage. Mit einem Rechtsgutachten solle geprüft werden, unter welchen Voraussetzungen und mit welchen Konsequenzen der Vertrag gekündigt werden könne, erläuterte Bürgermeister Thorsten Semrau gestern. Einen entsprechenden Mehrheitsbeschluss habe das Stadtparlament gefasst. Damit gehen die Abgeordneten über den Vorschlag der Verwaltung hinaus, die über eine Anpassung des Vertrages verhandeln wollte.

Die Abgeordneten ziehen die Notbremse, allerdings ohne ein Alternativkonzept für das Ostseebad vorzulegen. Tiefgarage, Stadtvillen, Klinik, Thalasso-Zentrum, Festscheune, Reitsportzentrum: Von dem im Grundlagenvertrag vereinbarten Investitionen habe Jagdfeld „fast nichts erfüllt“, meinte Semrau. Zusagen seien nicht eingehalten worden, es habe sich kaum etwas entwickelt. Da bleibe der Stadt nichts anderes übrig, als die Vereinbarungen zu überprüfen. Semrau: „Wir fordern zu Recht, dass etwas passiert.“ Dabei hatte Semrau noch vor einem Jahr Hoffnung geschöpft: Nach dem Einstieg neuer Investoren in das ehemals zu Jagdfeld gehörende Grand-Hotel deutete sich zumindest eine Einigung im jahrelangen Wegestreit um einen einfacheren Standzugang für Gäste und Einwohner in der Nähe der Nobelherberge an. Der Weg führt teilweise über ein Grundstück Jagdfelds. Dessen Entwicklungs-Compagnie Heiligendamm (ECH) hätte zwar seinerzeit zugestimmt, den „Weg gibt es aber immer noch nicht“, sagte Semrau.

Gegenseitige Schuldzuweisungen: Bei Kündigung des Grundlagenvertrages setzt Heiligendamm Millionen-Investitionen aufs Spiel. Früheren Angaben zufolge sollten etwa 70 Millionen Euro in die Sanierung der Villen der Perlenkette fließen. Jagdfeld sieht sich zu Unrecht in der Kritik: „Die Stadt hat durch die zahlreichen Blockaden der letzten Jahre bereits viel Vertrauen bei all denen verspielt, die durch ihr Geld erst eine Entwicklung in Heiligendamm ermöglichen“, kritisierte der Immobilienmanager den Parlamentsbeschluss: „Statt Vertrauen wiederherzustellen, setzt das kleine Grüppchen der Anti-Heiligendamm-Politiker jetzt noch eins drauf.“ Erst 2012 hatte die Stadt Jagdfeld nach mehrmaliger Verlängerung und jahrelangem Investitionsstillstand die Baugenehmigung für die Sanierung der Perlenkette entzogen – zu Unrecht, wie ein Gericht 2013 urteilte. Selbst wenn die Baugenehmigung wieder in Kraft gesetzt würde, der Schaden sei groß, erklärte ECH-Sprecher Christian Plöger. Die Blockade-Politik der Kommune habe das Vertrauen bei Interessenten für die Eigentumswohnungen in den Villen zerstört. Bislang hat Jagdfeld lediglich die Villa Perle mit acht Wohnungen wieder aufgebaut.

Verhärtete Fronten: Beide Seiten bieten sich gegenseitig Gesprächsbereitschaft an. Jagdfeld müsse endlich Zusagen einhalten, forderte Semrau. Der setzt auf Vermittlung: „Der Schaden für Bad Doberan und das gesamte Land wird von Tag zu Tag größer.“ Landesregierung, Verbände: „Das neue Jahr muss für einen echten und konstruktiven Neuanfang genutzt werden, der den Stillstand beendet und wieder ein positives Investitionsklima wie in vielen anderen Nachbargemeinden schafft“, forderte er. Alle, die mit Heiligendamm für MV werben, „alle, die Verantwortung tragen, dürfen dem Treiben nicht weiter nur zuschauen“, fügte sein Sprecher Plöger hinzu. Ein Rückzug kommt für Jagdfeld scheinbar jedenfalls nicht in Frage: „Alle, die darauf setzen, uns mürbe machen zu können, die irren“, ließ Plöger wissen.


 

 

 

 

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erstellt am 29.Jan.2014 | 21:00 Uhr

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