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Wirtschaft MV

28. September 2016 | 07:08 Uhr

Moderne Sklaverei : Im Norden steigt Zahl der Wanderarbeiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nach Jobskandal: neue Regeln gegen Missbrauch von Werkverträgen

Ohne Lohn und Essen im Stich gelassene 100 ausländische Arbeiter in Groß Stieten und Lubmin, um 500 000 Euro Lohn und Sozialabgaben betrogene Arbeiter in Kiel: Gewerkschaften in MV beobachten einen zunehmenden Missbrauch von Werkverträgen im Norden. Fälle wie in Groß Stieten und Kiel seien nur die Spitze des Eisberges, sagte Uwe Polkaehn, Chef des DGB-Landesbezirks Nord. Werkverträge hätten sich zu einer „modernen Form des Sklavenhandels“ entwickelt. Auf Werften, in Schlachthöfen, in Metall- und Elektrobetrieben, beim Auffüllen von Regalen im Einzelhandel: Überall dort, wo der Einsatz von Leiharbeitern erschwert worden sei, kämen verstärkt Werkvertragsarbeiter zum Einsatz. In einigen Schlachthöfen machten sie 90 Prozent der Belegschaft aus. Genaue Angaben über das Ausmaß gebe es nicht. Schätzungen gehen von 650 000 in Deutschland aus – „moderne Arbeitsnomaden“, so Polkaehn. In vielen Fällen seien die Arbeiter unter „nicht haltbaren Bedingungen“ beschäftigt, kritisierte Meinhard Geiken, Chef der IG Metall Küste.

In Groß Stieten und Lubmin waren Ende Juli 100 ausländische Arbeiter zwei Monate lang, sieben Tage die Woche bis 14 Stunden täglich bei einem Subunternehmer mit Korrosionsschutzarbeiten beschäftigt, ohne Lohn zu erhalten. „Derartige Geschäftsmodelle müssten beendet werden“, so Polkaehn. Die Arbeitgeber in MV seien aufgefordert, den Missbrauch von Werkverträgen zu unterbinden. Sozialstaatssekretär Nikolaus Voss verlangte einheitliche europäische Regelungen für Werkverträge. Das Land unterstütze entsprechende Initiativen. Die Gewerkschaften forderten stärkere Kontrollen und Neuregelungen gegen einen Missbrauch von Werkverträgen. Zudem müsse die Generalunternehmerhaftung für die Auftraggeber von Sub-Sub-Unternehmen eingeführt werden. Außer der Neptun-Werft in Warnemünde habe es bei den Arbeitgebern bislang keine Bereitschaft gegeben, sagte Geiken. Das wiesen die Nordic-Werften zurück: Man werde sich an die derzeit zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften verhandelten neuen Standards halten, sagte ein Sprecher. Auch der Arbeitgeberverband Nordmetall sagte Hilfe zu. „Wenn Betriebe gegen Gesetze verstoßen und bei Unterbringung, Entlohnung und Arbeitszeiten illegal handeln, ist das aufs Schärfste zu verurteilen und konsequent zu ahnden“, so Nordmetall-Hauptgeschäftsführer Nico Fickinger.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 08:06 Uhr

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