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Wirtschaft MV

26. August 2016 | 03:33 Uhr

Geflügel in MV im Stall : Enten, Gänse, Puten bleiben drinnen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Geflügel in MV im Stall: Gestern haben die Landkreise die Stallpflicht verfügt / Keine Ansteckungsgefahr für Menschen

Die am Wochenende von Agrarminister Till Backhaus (SPD) angekündigte Stallpflicht für die 13 Millionen Stück Nutzgeflügel in Mecklenburg-Vorpommern ist seit gestern in Kraft. Die Landkreise erließen die entsprechenden Verfügungen. Viele Geflügelhalter hatten Fragen – beim Bürgertelefon des Ministeriums in Schwerin liefen die Drähte heiß. Am Sonntag gab es rund 50 Anrufe, am Montag etwa 40, wie ein Sprecher sagte. Gegen Nachmittag habe sich der Ansturm dann beruhigt. Von der Stallpflicht ausgenommen sind lediglich Tauben, die dem Ministerium zufolge als nicht anfällig für die Vogelgrippe gelten. Als Einstallung gilt auch die Unterbringung in überdachten Volieren.

Auch in anderen Bundesländern müssen nach dem Fund einer mit dem gefährlichen Vogelgrippe-Virus H5N8 infizierten Wildente am Wochenende auf Rügen Hühner, Enten und anderes Geflügel vorsorglich in den Stall. Dies betrifft einige Regionen in Niedersachsen und Brandenburg. In Nordrhein-Westfalen soll von heute an Geflügel in Risikoregionen mit durchziehenden Wildvögeln eingesperrt werden.

Sachsen-Anhalt bereitet ebenfalls eine Stallpflicht für Geflügel in Risikogebieten vor. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) empfahl den Ländern, vorsichtshalber eine Unterbringung von Geflügel in Ställen in die Wege zu leiten. Baden-Württemberg und Sachsen verstärkten die Kontrolle von Wildvögeln. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems bei Greifswald arbeitet mit Hochdruck an einer Risikobewertung für die Einschleppung von H5N8 in Nutzgeflügelbestände. Sie soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden, vielleicht sogar schon am Dienstag, wie Sprecherin Elke Reinking sagte.

Gefahr für Menschen bestehe nach bisherigen Erkenntnissen nicht. Der Nachweis von H5N8 in der Wildente auf Rügen am Wochenende stütze die Hypothese, dass Wildvögel an der Übertragung beteiligt sind. Der Ornithologe Franz Bairlein von der Vogelwarte Helgoland hält aber auch den internationalen Handel für eine Möglichkeit der Übertragung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vogelgrippe über einen Wildvogel übertragen wurde, ist nicht größer, als dass es über internationale Tierprodukte erfolgt ist“, sagte er. „Wir müssen überlegen, wie ein so scheuer Wildvogel mit aufgestallten Puten in einem Mastbetrieb in Kontakt kommen sollte“, sagte Bairlein in Anspielung auf den ersten Fall in Deutschland Anfang November in Heinrichswalde. Da seien noch viele Fragen offen. In Heinrichswalde mussten rund 30 000 Tiere getötet werden, nachdem 2000 verendet waren.


Tiere in überdachten Unterständen


Bei der Mecklenburger Landpute GmbH in Severin (Landkreis Ludwigslust-Parchim) sind die freilaufenden Waldputen und Biohähnchen schon seit einiger Zeit im Stall. „Das haben wir nach dem Ausbruch der Geflügelpest in Heinrichswalde vorsichtshalber gemacht, man kann das Risiko nicht recht einschätzen“, sagte Landpute-Geschäftsführer Armin Kremer. Die rund 2000 Waldputen, die in Kremers Betrieb das ganze Jahr über im Freien sind, seien in überdachte Unterstände gesperrt worden. So sollen Kontakte mit Wildvögeln oder deren Ausscheidungen vermieden werden. Die rund 12 000 Bio-Hähnchen blieben in ihren Ställen, die ihnen ohnehin für die Nacht zur Verfügung stünden.

Kremer zufolge dürfen die Tiere trotz des aktuellen Auslaufverbots als Bioware vertrieben werden. „Es handelt sich ja um eine Ausnahmeregelung“, sagte er. Dies bestätigte auch die Bio-Vermarktungsorganisation Biopark in Güstrow. Nach Angaben aus dem Landwirtschaftsministerium gilt die Stallpflicht zunächst bis auf Weiteres.

 

 

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