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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 12:39 Uhr

Hohen Pritz : Windrad wird zum Flammenwerfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Millionenschaden bei Brand in 80 Metern Höhe. Die Ursache war vermutlich ein technischer Defekt.

Eine von 14 Windkraftanlagen nahe Hohen Pritz war am Mittwochabend in Brand geraten  (SVZ berichtete). Kilometerweit  zu sehen, sorgte das Feuer für einen Millionenschaden.

Es war 17.28 Uhr, als der Alarm für die Feuerwehren in Hohen Pritz, Kobrow, Dabel und Sternberg ausgelöst wurde. Kurz zuvor hatten mehrere Personen über Notruf die Polizei informiert. Vor Ort wurde den Kameraden schnell klar, dass sie hier nur schwer etwas ausrichten können. „Das ist zu gefährlich. Zum einen sind dort elektrische Anlagen und zum anderen kommen wir mit unserem Wasserstrahl nicht in diese Höhe von 80 Metern. Außerdem müssen wir den Sicherheitsabstand einhalten, da auch Teile herunterfallen können“ sagt Wehrführer René Pfalzgraf von der Hohen Pritzer Wehr.

Derweil haben sich die Flammen über die gesamte Gondel mit Maschinenteil, Generator und Getriebe ausgebreitet und ergriffen auch ein Rotorblatt. Durch den Wind stoben Flammen und Funken meterweit ins Gelände. Da die Rotorblätter meist aus glasfaserverstärktem Kunststoff bestehen, entwickelte sich schnell eine dicke, dunkle Rauchwolke, die in Richtung Hohen Pritz zog. Für die Kameraden der freiwilligen Feuerwehren war ein Eingreifen schier unmöglich. So zogen die Wehren aus Kobrow, Dabel und Sternberg wieder ab und es blieben die elf Kameraden aus Hohen Pritz zurück, die eine Brandwache stellten.

Das Feuer hatte sich nun soweit durchgefressen, dass ein Rotorblatt krachend und mit einem großen Feuerschweif zu Boden fiel und dort zerschellte. Sofort entstand ein großes Flammenmeer am Boden, doch auch dieses konnte aus Sicherheitsgründen nicht gelöscht werden. „Wir haben Glück mit der Jahreszeit, wäre es jetzt Sommer und hier ein trockenes Getreidefeld, dann wäre das Ausmaß nicht auszudenken“, waren sich vor Ort etliche Zuschauer einig. Doch zum Glück ging nach einiger Zeit das Feuer aus, auch oben an der Gondel, oder was dort noch übrig blieb. „Gegen 21 Uhr haben wir das Objekt verlassen können und das Gelände zuvor mit einem Warnband abgesperrt“, so Wehrführer Pfalzgraf.

Als mögliche Brandursache wird ein technischer Defekt vermutet. Das könnte ein Kurzschluss oder ein heiß gelaufenes Lager sein. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, aber wir untersuchen in Richtung technische Ursache“, bestätigt Klaus Wiechmann von der Polizeiinspektion Ludwigslust. Der Schaden, so das Polizeipräsidium in Rostock, wird mit etwa 1,5 Millionen Euro beziffert. Anwohner in Hohen Pritz waren allerdings nicht in Gefahr, wie die Pressestelle des Polizeipräsidiums gestern auf SVZ-Anfrage bestätigte.

 Premiere in Region  – 2013 drei Windrad-Brände in Deutschland

Derartige Brände sind in unserer Region bislang nicht vorgekommen. „Für die Region Westmecklenburg war dieses Feuer eine Premiere“, bestätigt Edwin Mörer von der Schweriner Leitstelle Westmecklenburg. Neuere Anlagen sind auch mit Branderkennungs- und Löscheinrichtungen versehen, die älteren aber nicht. Auch diese Anlage, die 2001 erbaut wurde, verfügt nicht über diese Technik, bestätigt ein Sprecher der Windpark Hohen Pritz GbR.

Bundesweit kommt dies aber nach SVZ-Informationen relativ selten vor. Nach Angaben des Pressesprechers Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie gibt es in Deutschland aktuell 23 645 Windkraftanlagen an Land, davon 1612 in Mecklenburg-Vorpommern. Im vergangenen Jahr gab es nach seinen Angaben bundesweit drei Brände dieser Art, je einer in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Schleswig Holstein. „Der Turm der Anlage selbst ist nicht brennbar. Dagegen kann die Elektrik im Maschinenhaus hinter dem Rotor Feuer fangen. Auch die äußere Hülle des Maschinenhauses kann brennen, genauso wie die Rotorblätter oder das Trafohäuschen am Boden“, so Axthelm.

Der Deutsche Feuerwehrverband empfiehlt bei derartigen Brandfällen: „Sollte es zu einem Feuer im oberen Teil der WEA gekommen sein (beispielsweise im so genannten Maschinenhaus hinter dem Rotor), so sind die Möglichkeiten für die Feuerwehr in aller Regel sehr beschränkt. Hier sollte von der Option des kontrollierten Abrennens Gebrauch gemacht werden. Aufgrund der Anlagenhöhe reicht kein Hubrettungsmittel in effiziente Arbeitsbereiche, abgesehen von Problemen mit gegebenenfalls nicht ausreichendem Druck und / oder Löschwasser.“

Besonders wichtig sei in diesem Fall das Schaffen eines Sicherheitsbereichs durch äußerst weiträumiges Absperren. „Bei dem Abbrennen ist von herabfallenden Teilen auszugehen. Daher muss ein Radius von mindestens 500 Metern unzugänglich gemacht werden, bei markantem Wind ist in Windrichtung das Doppelte einzuplanen.

Insofern haben die Hohen Pritzer „Blauröcke“  am Mittwoch alles richtig gemacht.

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erstellt am 06.Feb.2014 | 20:46 Uhr

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