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MV zum Wolfsland erklärt : Wenn der Jäger zum Gejagten wird

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die wilden Wölfe sind zurück: Aufgrund ihrer zahlenmäßigen Zunahme hat Umweltminister Till Backhaus jetzt das ganze Land zum Wolfsgebiet erklärt

Der Feind von Klaus Seebürger hat vier Pfoten. Er kommt nachts und hinterlässt eine Blutspur. Seitdem sich der Wolf seit 2006 auch wieder in Mecklenburg-Vorpommern ansiedelt, hat der Schäfer aus Preten (Amt Neuhaus) eine Sorge mehr. Seebürger besitzt vier Schafsherden. Mehrmals seien sie schon Opfer von Wolfsattacken geworden. Allein 2013 hätten die Raubtiere drei Mal seine Schafe auf einer Weide bei Schwerin Süd angegriffen – nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein emotionaler Schaden für Seebürger: „Ich bin kein Wolfsgegner, aber ich möchte nicht noch zwei Rudel in MV haben.“

Wie viele Wölfe verträgt MV? Das war am Freitag eine der zentralen Fragen in Schwerin bei einer Tagung zur Rückkehr des Wolfes mit rund 100 Teilnehmern im Schweriner Schloss. Bisher gibt es im Land nur zwei etablierte Rudel. Klaus Seebürger und weitere Schäfer fordern dennoch jetzt schon eine Obergrenze für den Wolfsbestand.

Grafik: Denny Schröter 
Grafik: Denny Schröter 
 

Die Zahl der Wölfe steige kontinuierliche an, teilte Andreas Krüß vom Bundesamt für Naturschutz gestern mit. Deutschlandweit sei sie aber noch weit von einer stabilen, selbsttragenden Population entfernt. Etwas mehr als 300 Tiere in 31 Rudeln hätten sich inzwischen angesiedelt, so Krüß. In Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

In MV gebe es bisher nur wenige Tiere. Im vergangenen Jahr registrierte das Umweltministerium dennoch 13 Attacken im Land, bei denen der Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde oder nicht ausgeschlossen werden konnte.

Auch aus diesem Grund hat MVs Umweltminister Till Backhaus (SPD) nun das gesamte Land zum Wolfsgebiet erklärt. Bisher galt dies nur für den Süden von MV. Ausgeschlossen sind die Inseln in der Ostsee. Mit der Ausweitung des Gebiets können ab sofort auch Nutztierhalter im Norden Förderungen für die Schutzmaßnahmen gegen Angriffe auf ihre Weidetiere beantragen. Dazu gehöre der Bau spezieller Zäune oder die Anschaffung und Ausbildung von Herdenschutzhunden. Die Kosten könnten mit bis zu 75 Prozent gefördert werden.

Ein Angriff pro Monat
In Mecklenburg-Vorpommern greifen Wölfe im Durchschnitt einmal im Monat Nutztiere auf der Weide an. Im vergangenen Jahr registrierte das Umweltministerium 13 Attacken, bei denen der Wolf als Verursacher nachgewiesen wurde oder nicht ausgeschlossen werden konnte. Dabei wurden 34 Nutztiere getötet und 16 verletzt. Das Land zahlte knapp 11 000 Euro Schadensausgleich an die Halter. In diesem Jahr wurden
bislang sechs Angriffe von Wölfen mit 22 getöteten und
23 verletzten Nutztieren registriert. Die überwiegende Zahl der im Jahr 2016 getöteten und verletzten Nutztiere waren dem Ministerium zufolge nicht ausreichend geschützt, etwa durch Elektrozäune oder Herdenschutzhunde.

„Wenn die Landwirte ordnungsgemäß ihre Tiere geschützt haben, dann bekommen sie auch 100 Prozent Schadensersatz bei Riss“, so Backhaus. 700 Halter im betreffenden Gebiet würden darüber regelmäßig informiert. Dennoch seien viele Herden nicht ausreichend geschützt.

Dass ein adäquater Schutz trotz der Förderungen finanziell kaum möglich ist, meint der Schäfer Ingo Stoll aus Langsdorf. Die Obergrenze der Finanzierung liege nämlich bei 15    000 Euro. Er benötige jedoch 60    000 Euro, um seine Tiere ausreichend zu sichern. „Es werden nur die Anschaffungskosten bezahlt. Da ist noch keine Stunde Lohn beglichen“, kritisiert Stoll. Außerdem gebe es nur eine Entschädigung für verletzte oder getötete Tiere, wenn der Schäfer konkrete Vorschriften im Weideschutz einhielte. Stolls Zaun sei dafür 20 Zentimeter zu kurz. „Diese finanzielle Frage muss dringend geklärt werden.“

 

Auch Jürgen Lückhoff, Vorsitzender des Landesschaf- und Ziegenzuchtverbandes forderte gestern eine 100-prozentige Förderung des Mehraufwands. Er verwies in dem Zusammenhang auf die geringen Verdienste selbstständiger Schäfer, die sich im Schnitt auf 5,32 Euro pro Stunde beliefen.

Auf eine Obergrenze für die Wolfspopulation konnte sich gestern nicht geeinigt werden. Eine solche forderte auch Till Backhaus. Es mache keinen Sinn, diese Entscheidung immer weiter in die Zukunft zu verlegen. Ab einem gewissen Punkt müsse man auch beim Wolf vom Jagdrecht gebrauch machen. Der Wolf hat einen Feind. Er kommt auf zwei Füßen und hat eine Flinte.

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erstellt am 04.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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