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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 15:23 Uhr

Segeltücher aus Bad Doberan : Weltmeere im Wohnzimmer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Doberaner Künstlerin Jeannine Rafoth bemalt Segeltücher für Kundschaft in ganz Norddeutschland

Pinsel benutzt Jeannine Rafoth nur im Notfall, stattdessen sind in ihrem Atelier Küchenutensilien gefragt. So tunkt sie ihren roten Teigschaber mal in schwarze, dunkelrote oder auch in blaue Acrylfarbe. Dann zeichnet die 41-Jährige Striche, schnell ist aus wenigen Handbewegungen ein Segelboot entstanden. „Um die scharfen Kanten der Segel hinzubekommen, ist der Schaber hilfreicher als ein Pinsel“, erklärt Rafoth. Dabei ist nicht Papier ihre Arbeitsgrundlage im Bad Doberaner Atelier, sondern es sind ausrangierte Segeltücher.

Von Kunst leben – das war nie die Idee für ihren Lebensfahrplan. Aufgewachsen in Kühlungsborn, studierte sie Innenarchitektur an der Fakultät für Angewandte Künste in Heiligendamm – und zog dann durch Deutschland: Leipzig, Hamburg, Stuttgart. Mal der Liebe wegen, vor allem aber, weil ihre Qualitäten als Innenarchitektin gefragt waren.

Zuletzt war sie einige Jahre für die Innenausstattung einer Bäckerei-Kette in Lübeck tätig. „Ich habe immer gesagt, in die Heimat kehre ich nur als Rentnerin zurück“, erzählt die Künstlerin. Aber die Sehnsucht nach dem Meer, die blieb, und deshalb ist Rafoth schon heute wieder an der Ostseeküste.

Die Rahmen für ihre Segeltuch-Bilder baut sie selbst, direkt im Atelier. Sie misst ab: 1,20 Meter mal 60 Zentimeter soll die aktuelle Auftragsarbeit sein. Dann setzt sie die kleine Stichsäge an, nagelt die Rahmenleisten zusammen und legt am Ende das Segeltuch auf, dreht es noch mal um – und nagelt die umgelegten Ränder fest. „Ich mag es, wenn das Tuch verwittert ist und Macken hat“, sagt sie. Das gebe dem ganzen Bild mehr Einzigartigkeit – ebenso wie bunte Nähte im Tuch. „Mit der Geschichte der alten Segeltücher kommen die Weltmeere ins Wohnzimmer“, sagt die Wahl-Doberanerin, die selbst segelt, seit sie acht Jahre alt war.

Vor drei Jahren kam das Meer in ihr Zuhause: Ein Freund schenkte ihr sein ausrangiertes Segeltuch aus Baumwolle und irgendwie sei die Idee entstanden, darauf zu malen. Es habe einige Nächte voller Gedanken gebraucht, dann kündigte sie ihre Anstellung in Lübeck und zog nach Bad Doberan, eröffnete dort ihr Atelier.

Dass sich viele Menschen in ihre Werke verlieben, verdankt sie auch der Kühlungsborner Galeristin Claudia Brepohl. Bis vor Kurzem verkaufte sie Rafoths Bilder: „Sie fangen Energie und Fluss des Wassers und des Segelns ein.“ Bei dem Maluntergrund könne man leicht die Qualität des Malens erkennen, da „sie nicht übermalen oder korrigieren kann“. Ihre Kunden begeistere, dass Rafoth Flecken und Gebrauchsspuren einarbeite, sagt Brepohl.

Regatten, einzelne Boote im tosenden Meer, Menschen auf der Reeling – in Quer- und Hochformaten hängen die Bilder an den Atelierwänden in Bad Doberan. In der Sommerzeit, erzählt Rafoth, sind auch viele Touristen ihre Kunden. Einige wünschten spezielle Motive, dann liefere sie auch je nach Entfernung bis nach Hause. Wenn sie den Kopf freibekommen möchte, fährt sie an den Strand oder auf die Ostsee, am liebsten im Segelboot.

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erstellt am 08.Okt.2016 | 16:00 Uhr

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