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Mecklenburg-Vorpommern

25. März 2017 | 06:53 Uhr

Rügen : Weg frei für Verkauf von letztem Prora-Block

vom

Nach den Blöcken 1 bis 4 soll nun auch der letzte Bau der NS-Hinterlassenschaft Prora aus der öffentlichen Hand gegeben werden.

Die Privatisierung der NS-Hinterlassenschaft Prora auf Rügen geht voraussichtlich weiter. Der Kreistag von Vorpommern-Rügen ebnete am Montagabend in einer Grundsatzentscheidung den Weg für den Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Blockes. Nach kontroverser Diskussion ermächtigten die Abgeordneten Landrat Ralf Drescher (CDU) mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP Vorbereitungen zum Verkauf des unsanierten, rund 300 Meter langen Gebäudeteils zu treffen. Die Grünen scheiterten mit einem Antrag zur Vorbereitung eines Bürgerentscheids. Auch die Linken konnten sich mit dem Vorschlag, Teile das Gebäudes nur an Land oder Bund zu verkaufen, nicht durchsetzen.

Der Bund hatte vor rund zehn Jahren vier Blöcke der vor 80 Jahren als gigantisches KdF-Seebad geplanten Nazi-Immobilie an Privatinvestoren verkauft, die derzeit die Gebäude direkt am Ostseestrand zu mehr als 1000 Ferien- und Eigentumswohnungen umbauen. Der Landkreis erwarb den letzten der 450 Meter langen Blöcke für den Kaufpreis von einem Euro plus der Auflage zur Erschließung.

Mit 16,4 Millionen Euro von Bund, Land, EU und Jugendherbergswerk entstand 2011 in einem Drittel des Blockes eine Jugendherberge. Plan war auch, dass dort eine Gedenk- und Bildungsstätte geschaffen werden sollte. Der Kreis sieht sich allerdings mit den Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro überfordert. Die Verwaltung wolle eine denkmalgerechte Sanierung statt eines weiteren Verfalls, begründete Drescher nun die Verkaufsbemühungen.  Die Linken sind gegen eine Privatisierung. Sie wollen, dass sich Land und Bund für den Aufbau einer Gedenk- und Bildungsstätte engagieren.

Sie befürchten, dass in dem Block Luxuswohnungen mit Quadratmeterpreisen von bis zu 7000 Euro entstehen.

In einer Online-Petition hatten sich rund 15 000 Bürger gegen den Verkauf ausgesprochen. Sie beklagen, dass mit dem Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Blockes der Charakter des Mahnmals zweier Diktaturen verloren geht. Prora war zu DDR-Zeiten als Großmilitärstandort ausgebaut worden. Zwei kulturhistorische Vereine, das Prora-Zentrum und das Dokumentationszentrum befürchten, dass sie die von Privatinvestoren diktierten Mieten nicht zahlen können.

Landrat Drescher stellte klar, dass Bedingung für eine Privatisierung die Schaffung einer Gedenk- und Bildunsstätte sei. Sollte dies nicht möglich sein, werde der Kreis von einer Privatisierung absehen.  Mehrere Investoren haben demnach bereits Interesse an der denkmalgeschützten Immobilie signalisiert. Auch sei die Immobilie dem Land angeboten worden. Die Staatskanzlei bestätigte das Angebot des Landkreises. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei.

Inzwischen hat es mit den Vereinen und der Landeszentrale für politische Bildung Gespräche gegeben, wie die politische und historische Arbeit der Vereine in der Anlage künftig gewährleistet werden kann. Entscheidend sei, dass der Besucher ein professionelles Angebot zur politischen Bildung vorfinde, sagte der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt. Die Trägerschaft der Immobilie sei dabei zweitrangig. 

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erstellt am 02.Mai.2016 | 20:45 Uhr

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