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Internationaler Tag des Glücks : Warum wir in MV so glücklich sind

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von wegen „Jammer-Ossi“: Eine neue Studie widerlegt das alte Klischee.

Die Menschen in Ostdeutschland sind so zufrieden mit ihrem Leben wie nie zuvor seit der Wende. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) relativiert das alte Klischee. Im Schnitt liegen die Befragten aus den neuen Ländern auf der Glücks-Skala von 0 bis 10 bei einem Wert von 7,35. Zwar rangieren sie noch immer knapp unter dem Westschnitt. Aber der Abstand schmilzt – vor allem durch den „Aufholprozess in Ostdeutschland“. Am Montag ist der Internationalen Tag des Glücks. Motto: Glück ist mehr als materieller Wohlstand. Vorn steht Mecklenburg-Vorpommern, das vielen als schönes Bundesland gilt, doch im jüngsten Glücksatlas der Post auf dem letzten Rang lag. Woran liegt das? Ist es wirklich nur eine Frage des Geldes? Eine Spurensuche.

Politik

...macht glücklich. Das stellt die Linken-Politikerin Simone Oldenburg für sich fest – obwohl sie als Chefin einer Oppositionsfraktion im Landtag selten eine Idee durchsetzen kann. „Die Regierungsparteien sind meist die Windmühlen, gegen die wir kämpfen – Glück sieht dann öfter mal anders aus“, sagt sie. „Wenn es aber gelingt, auch nur einen kleinen Schritt in Richtung Verbesserung der Lebensqualität der Menschen durchzusetzen, dann bin ich durchaus glücklich.“

Angeln

44.000 Menschen im Land suchen ihr Glück an der Rute. So viele Mitglieder zählt der Landesanglerverband, der damit der größte Naturschutzverband in MV ist, wie Sprecherin Claudia Thürmer sagt. „Mich macht Angeln definitiv glücklich“, erklärt sie. „Man spürt eine Verbindung, die man in unserem hektischen Alltag sonst so nicht mehr spürt. Was unsere Urahnen erlebt haben, das erlebt man beim Angeln.“

Geld

...macht glücklich. Sollte dieser Satz stimmen, hat der Durchschnittsmensch im Nordosten einen Grund, unglücklich zu sein. Für Konsum und Sparen haben die Menschen hier  bundesweit das wenigste übrig. Im Jahr 2014 gab jeder Einwohner des Landes im Schnitt 16 758 Euro für privaten Konsum aus. Das entsprach 85,2 Prozent des Bundesdurchschnitts. Auch beim Sparen bildete der Nordosten das Schlusslicht mit 997 Euro oder 5,6 Prozent des verfügbaren Einkommens. Das waren zwar 113 Euro mehr als im Jahr davor – aber immer noch weniger als in jedem anderen Bundesland.

Gärntern

Vor allem in den Großstädten boomt das Kleingartenwesen, wie Regina Witte vom Landesverband der Gartenfreunde berichtet. Auch immer mehr jüngere Leute pachten ein Stück Land in einer Gartenkolonie, die schon mal „Glückliche Scholle“ oder „Glück im Grünen“ heißen. In Rostock gebe es Wartelisten, sagt Witte. „Gärtnern ist individueller als die vorgefertigten Freizeitbeschäftigungen, auf die man so trifft.“ Im Garten kann jeder selbst gestalten.

Eigenständigkeit

Die Selbstständigkeit sei vielen Menschen in der DDR abhandengekommen, sagt der Schweriner Historiker  Wolf Karge, der mit zahlreichen Büchern  zur Geschichte von MV bekannt geworden ist. „Man befand sich in einem Gefüge, das einen nicht dazu animierte, über den eigenen kleinen Kreis hinaus selbstständig aktiv zu werden.“ Eigenständiges Denken und Arbeiten aber bringen Erfolgserlebnisse. „Und Erfolg macht glücklich.“

Ehrenamt

Das Engagement der Menschen in MV wächst. Fast 43 Prozent der Einwohner sind laut einer Studie des Bundesfamilienministeriums in ihrer Freizeit für andere aktiv. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es demnach sogar fast 54 Prozent. Im Jahr 1999 seien nur 29 Prozent der Menschen im Land ehrenamtlich aktiv gewesen. „Ehrenamt macht glücklich“, sagt Susann Plant von der Ehrenamtsstiftung des Landes.

Eine Frage der Mentalität

„Es gelingt den Schleswig-Holsteinern mehr als den Bewohnern in anderen Bundesländern, das Glas als halb voll zu betrachten“, hatte Bernd Raffelhüschen als Mitautor des „Glücksatlas 2016“ gesagt. Die Mecklenburger und Vorpommern sind nach seinen Worten auch nicht unglücklich. Sie seien nur weniger glücklich. Auf einer Skala von 0 bis 10 ermittelten die Autoren der Studie für MV eine  Lebenszufriedenheit von 6,77. Im bundesweiten Durchschnitt wurden 7,11 Punkte erreicht. Die zufriedensten Menschen leben der Studie zufolge in Schleswig-Holstein mit 7,41 Punkten.

Er muss nicht Glück sein

Ein gelingendes Leben im ethisch qualifizierten Sinne muss nicht unbedingt von intensivem Glücksempfinden begleitet sein, gibt die Rostocker Theologie-Professorin Gesche Linde zu bedenken. Warum die Menschen in MV laut Glücksatlas weniger zufrieden sind als anderswo? Linde meint, es wird mit der ökonomischen Situation zu tun haben, mit mangelnden Infrastrukturen. „Und mit dem womöglich weit verbreiteten Eindruck, dass man dort, wo man ist, nur bleiben kann, wenn man langfristig zugleich eine Verschlechterung seiner Lebensbedingungen in Kauf zu nehmen bereit ist.“ Die Herausforderung bestehe darin, sich darüber klar zu werden, was man in seinem Leben nicht missen möchte.

Glück im Spiel

„Wir sind glücklich.“ Das würden die fünf Lotto-Gewinner, die in den ersten beiden Monaten dieses Jahres im Land jeweils mehr als 100.000 Euro gewannen, bestimmt unterschreiben. Gefreut haben sich  auch die Bezieher der vielen kleinen Gewinne. Von den mehr als 18 Millionen Euro, die  im Januar und Februar für Lotto ausgegeben wurden, flossen acht Millionen an die Tipper  zurück.

 
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