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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 13:49 Uhr

Bedürftigkeit in MV : Warteliste bei Tafeln - mehr Bedürftige im Land

vom

Die Tafeln im Land haben immer größeren Zulauf. Viele Flüchtlinge holen sich dort Lebensmittel, aber auch immer mehr Rentner.

Manche Händler kennen das: Am Monatsende wird weniger eingekauft, weil das Geld alle ist. Dann wächst der Andrang bei den Tafeln für sozial Bedürftige, die ohnehin immer mehr Menschen mit Lebensmitteln versorgen. In den vergangenen Jahren vergrößerte sich ihre Kundschaft in Mecklenburg-Vorpommern um etwa ein Drittel, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Stralsund hat eine Warteliste für die Tafel. „Etwa 350 Familien standen Ende Oktober auf der Liste“, berichtete Tafel-Chefin Kornelia Uschmann. 800 Menschen haben in der Hansestadt einen Pass, der sie zum Empfang kostenloser Lebensmittel berechtigt.

Die wachsende Nachfrage liegt auch, aber nicht nur an den Flüchtlingen, wie der Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln, Günther Hoffmann, sagte. „Wir haben auch immer mehr Altersarmut.“

Hoffmann, selbst Ruheständler, leitete bis vor kurzem die Warener Tafel. Die Älteren würden sich oft schämen, zur Ausgabestelle zu gehen, „weil sie noch nie im Leben um etwas gebettelt haben“. Doch immer mehr Rentner kommen mit ihrer kleinen Rente nicht aus. Das sind diejenigen, die zur Wende zwischen 40 und 50 waren und danach häufig arbeitslos, sagte Thoralf Gehrke von der Altentreptower Tafel.

Berechtigt, kostenlos Lebensmittel zu erhalten, sind Hartz IV-Empfänger, Rentner mit Grundsicherung, Sozialhilfeempfänger, Obdachlose und Asylbewerber. Die Idee der Tafelgründer war es, durch die Lebensmittelspenden den Bedürftigen zu ermöglichen, etwas Geld für anderes als nur das Allernotwendigste zur Verfügung zu haben.

Die knapp 30 Tafeln im Land sammeln Lebensmittel in Einkaufsmärkten, bei Bäckern, Fleischern oder anderen Produzenten. Sie versorgen landesweit wohl mehr als 40 000 Männer, Frauen und Kinder. Die Neubrandenburger Tafel hat allein in der Kreisstadt 2000 Kunden, weitere 200 in Burg Stargard und 40 in dem Dorf Cölpin. Wie Leiterin Dorothee Nitsch berichtete, holen ehrenamtliche Mitarbeiter jeden Morgen von den Märkten die Waren ab, die am Abend bereitgestellt wurden. Das sind nicht mehr taufrisches Gemüse und Obst, Brot, Brötchen und Kuchen vom Vortag oder Molkereiprodukte kurz vor Ablauf der Mindesthaltbarkeit sowie Fleisch- und Wurstwaren. Manchmal bringen auch Kleingärtner Äpfel, Birnen und Salat.

Die Waren werden in der Ausgabestelle sortiert und am Nachmittag verkauft. Die Kunden brauchen einen Berechtigungsschein. Mit dem erhalten sie einmal pro Woche Lebensmittel gegen eine Spende von einem Euro. Andere Tafeln nehmen zwei Euro oder geben nur alle zwei Wochen Essen ab, wie in Wismar, wo die Tafel 800 bis 900 Kunden hat.

Die Schweriner Tafel mit Ausgabestellen in der Landeshauptstadt und acht Städten in Westmecklenburg versorgt rund 1800 Menschen mit zusätzlichen Lebensmitteln. Etwa 100 Ältere und Behinderte werden per mobiler Tafel zu Hause beliefert. Für Ausländer werden mancherorts, wie in Wismar, extra Körbe gepackt, mit viel Obst und Gemüse, aber ohne dunkles Brot und Schweinefleisch.

Das Verhältnis zwischen deutschen und ausländischen Bedürftigen ist der Umfrage zufolge friedlich. Dennoch, so meinen die Tafeln, sollten die Sozialämter und Jobcenter die Flüchtlinge nicht an die Tafeln verweisen. Diese würden ehrenamtlich geführt. Für die Versorgung der Migranten müsse der Staat zuständig sein.   Etwa die Hälfte der Tafeln werden von Vereinen betrieben, die anderen von Wohlfahrtsverbänden wie Volkssolidarität oder AWO. Teilweise stellen die Kommunen oder kommunale Unternehmen Räume zur Verfügung.

Die Mitarbeiter der Tafeln äußerten sich zumeist zufrieden über die Unterstützung, die sie erfahren. Die Beiträge der Bedürftigen helfen den Tafeln, ihre Kosten wie Mieten, Strom, Heizung und Sprit sowie den Unterhalt der Autos zu bezahlen.

Etliche Lebensmittel bleiben auch bei den Tafeln übrig, zumeist verdorbenes Obst und Gemüse. In Stralsund holt ein Landwirt manches noch für seine Schweine ab. Den Rest entsorgen die Tafeln - auf eigene Kosten.

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erstellt am 07.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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