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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 20:41 Uhr

Aus dem Gerichtssaal : Vortäuschen einer Messerattacke - Arrest für Ex-Linkspolitiker  

vom

Rechtsradikale überfallen einen jungen Linken in Wismar - diese Meldung sorgt zu Jahresbeginn für Empörung. Später stellt sich das Ganze als Hirngespinst heraus - mit juristischen Folgen.

Weil er eine Messerattacke gegen sich vorgetäuscht hat, muss ein 19-jähriger ehemaliger Linkspolitiker aus Schwerin für zwei Wochenenden in Arrest. Das Amtsgericht Schwerin verurteilte den Studenten am Dienstag zu dieser Jugendstrafe. Seine Tat im Januar 2016 habe erhebliche Ermittlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft und Rechtsmedizin ausgelöst, sagte der Richter.

Der junge Mann gestand, dass er sich die Tat ausgedacht habe. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Als damals 18-jähriger Student in Wismar und Mitglied im Kreisvorstand der Linken in Schwerin hatte er am 5. Januar beim Polizeipräsidium Rostock per E-Mail Strafanzeige erstattet. Darin schilderte er den Angaben vor Gericht zufolge, dass er am Vortag in Wismar nach Verlassen des Bahnhofs von drei vermutlich rechtsradikalen Männern überfallen worden sei. Das Trio habe ihn beschimpft und mit Messerstichen an Arm und Brust verletzt. Die vermeintliche Tat von Rechtsradikalen sorgte bundesweit für Aufsehen.

Ein Rechtsmediziner äußerte laut Gericht rasch Zweifel an dieser Darstellung, alles deutete demnach auf eine Selbstverletzung hin. Das Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wurde eingestellt.  Der Anwalt des 19-Jährigen erklärte, sein Mandant habe zur Tatzeit Vorfälle der Vergangenheit aufgearbeitet. Er sei zudem mehrere Monate zuvor stationär in psychologischer Behandlung gewesen. Die Tat nannte der Verteidiger den für Jugendliche typischen Versuch, sich selbst darzustellen. Dass der vermeintliche Vorfall derart großes Medieninteresse hervorrufen würde, habe der Student nicht absehen können. Der Verteidiger plädierte auf eine Verurteilung zu gemeinnütziger Arbeit, nicht jedoch zu Arrest. „Wir haben hier niemanden, vor dem wir den Staat schützen müssen“, sagte er.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen eine Woche Dauerarrest gefordert. Die Strafe müsse eine deutliche Warnung für den Mann sein, seine Tat habe durch die Ermittlungen erhebliche Ressourcen gebunden.

Der Richter folgte diesem Gedanken. Er warf dem jungen Mann auch vor, dass er die Wirkung seiner Tat auf die öffentliche Wahrnehmung und die Polarisierung in der politischen Landschaft hätte erkennen müssen - trotz einer sozialen Unreife, die ihm eine Gutachterin bescheinigte. Zudem habe er lange an seiner falschen Schilderung festgehalten.

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erstellt am 08.Nov.2016 | 15:35 Uhr

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