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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 12:37 Uhr

H5N8-Virus breitet sich aus : Vogelgrippe: Weitere Geflügel-Bestände betroffen

vom

Die Vogelgrippe grassiert weiter. Der aggressive Erreger wurde bereits in sieben Nutzgeflügelbeständen in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen. Das Agrarministerium spricht von einem „wachsenden Seuchengeschehen“.

Die Vogelgrippe hat weitere Nutzgeflügelbestände in Mecklenburg-Vorpommern erreicht. Der hochpathogene Erreger H5N8 wurde nach Angaben des Agrarministeriums mittlerweile in sieben Geflügelhaltungen nachgewiesen. Die jüngsten Fälle betrafen zwei kleine Hühnerhaltungen in Neu Boltenhagen bei Greifswald. Zudem sei in zwei Haltungen im Vogelgrippe-Sperrbezirk von Mesekenhagen (Vorpommern-Greifswald) eine niedrigpathogene H5-Variante nachgewiesen worden. Die Bestände seien getötet worden.

Die vergangenen Tage hätten gezeigt, dass man es mit einem wachsenden Seuchengeschehen zu tun habe, sagte eine Sprecherin des Agrarministeriums am Mittwoch. „Es kann davon ausgegangen werden, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.“ Zum Glück seien bislang keine Großtierbestände im Nordosten betroffen. Nach Angaben des Ministeriums gibt es landesweit rund 41 600 Geflügelhaltungen mit fast 14,5 Millionen Tieren. Rund 300 Betriebe halten mehr als 1000 Tiere.„Wir beobachten derzeit ein sehr dynamisches Geschehen mit starken Ausbreitungstendenzen“, beschrieb der Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, Thomas C. Mettenleiter, das Seuchengeschehen. Der Infektionsdruck aus der Natur in die Ställe sei sehr hoch. Das Institut sieht Indizien für eine „beträchtliche Kontamination“ der Umwelt mit dem H5N8-Erreger.

So sei die Rate der positiv getesteten toten Wildvögel im Vergleich zur Vogelgrippe H5N1 vor zehn Jahren sehr hoch, sagte Mettenleiter.

Tote Wasservögel würden in der Natur von Räubern wie Füchsen, Mardern oder auch Greifvögeln geöffnet. Damit könnten Innereien, die hohe Viruslasten tragen, verschleppt und der Erreger weiter verbreitet werden.

Mettenleiter zufolge muss davon ausgegangen werden, dass infizierte Wildvögel in der Inkubationszeit oder solche Vögel, die gar keine Krankheitssymptome bekommen, als „mobile Virusträger“ die Ausbreitung forcieren. So war der hochpathogene Erreger H5N8, der derzeit deutschen Geflügelhaltern Sorge bereitet, bereits im Juni 2016 im russisch-mongolischen Grenzgebiet bei gesund erlegten Graureihern, Haubentauchern, Kormoranen und Möwen nachgewiesen worden.

Bei den beiden Fällen in Neu Boltenhagen handelt es sich um Hühner- und Entenhaltungen mit jeweils 56 und 30 Tieren. Nachdem in dem ersten Bestand einige Tiere verendet waren und am Wochenende der Erreger nachgewiesen worden war, habe man begonnen, 99 weitere Haltungen im Umkreis zu überprüfen, sagte der Amtstierarzt von Vorpommern-Greifwald, Holger Vogel.

In einem Nachbarbestand sei dann ebenfalls der Erreger nachgewiesen worden. Diese Bestände wurden geräumt, ebenso zwei kleinere private Haltungen mit Enten, Puten und Hühnern im Umkreis von Mesekenhagen, wo eine niedrigpathogene H5-Variante bei Enten und Puten gefunden worden sei. In Mesekenhagen war vor knapp zwei Wochen das erste Mal der H5N8-Erreger in einer Kleinstgeflügelhaltung in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden.   Angesichts des hohen Infektionsdruckes von außen müsse mit weiteren Eintragungen in Nutzgeflügelbestände gerechnet werden, sagte Mettenleiter. Aktuell spricht das FLI von einer „Epidemie unter Wildvögeln mit gelegentlichen Einträgen in Nutzgeflügelbestände“.

Gerade für Kleintierhalter sei es schwierig, die strengen Biosicherheitsmaßnahmen zu erfüllen, wie sie die Eilverordnung des Bundes vorschreibe, sagte Vogel. Dennoch seien die Geflügelhalter bemüht, die Vorgaben umzusetzen. Bei etwa 7000 Haltungen im Landkreis Vorpommern-Greifswald seien bislang zwei Verstöße gegen die Stallpflicht festgestellt worden.

Wie groß ist der wirtschaftliche Schaden durch den Ausbruch der Geflügelpest bisher?

Das ist schwer zu beziffern. Für die betroffenen Geflügelbetriebe, die Zehntausende Tiere verloren haben, ist der Schaden natürlich immens - auch wenn sie von den Tierseuchenkassen entschädigt werden. Hinzu kommen für die gesamte Branche Einbußen durch das Wegbrechen von Exportmärkten. Bisher haben Israel, Japan, Südafrika und Südkorea Einfuhren von Geflügel und Geflügelprodukten aus Deutschland verboten.

Welchen Umfang haben die Exporte?

Nach Angaben des Zentralverbandes der Geflügelwirtschaft (ZDG) ist der Anteil der Exporte in Drittländer außerhalb der EU sehr gering. Hauptsächlich produziert Deutschland Geflügelfleisch und Eier für den eigenen Bedarf. Bei Eiern wird der Bedarf nur zu 70 Prozent gedeckt.

Von den Ausfuhren entfallen mehr als 90 Prozent auf EU-Länder. Nur der Rest geht an Nicht-EU-Länder, von denen vier jetzt Einfuhren verboten haben. Zwölf weitere können Geflügelprodukte nicht mehr einführen, weil in den nötigen Dokumenten die Freiheit Deutschlands von der Vogelgrippe nicht bescheinigt werden kann.

Dann tun die Exporteinschränkungen tatsächlich nicht sehr weh?

Das ist unterschiedlich. Mecklenburg-Vorpommern zum Beispiel versucht, neue Absatzmärkte zu erschließen und hatte in jüngster Zeit Interessenten aus Südkorea und Kuba zu Gast, die sich Betriebe und Geflügelschlachthöfe ansahen. Für diese Geschäfte sieht es nun schlecht aus. Außerdem gibt es noch den Zuchtsektor. Der Handel mit Bruteiern und Eintagsküken ist international. Für den Sektor ist es dem ZDG zufolge sehr schmerzhaft, dass Deutschland den Status „Frei von Vogelgrippe“ verloren hat. Jedes Exportland entscheidet für sich, ob es weiter Eier und Küken einführt. Der ZDG hofft, dass die Einfuhrsperren relativiert werden und nur auf die von Vogelgrippe betroffenen Regionen in Deutschland bezogen werden.

Kaufen Kunden in Deutschland jetzt weniger Geflügelfleisch?

Das ist nach Angaben der Branche nicht zu spüren. Die Kunden geben den Tierhaltern keine Schuld an der Geflügelpest, sondern sehen sie als „höhere Gewalt“ an.

Dürfen Eier und Geflügelfleisch weiter mit dem Etikett „Freiland“ verkauft werden, wenn die Stallpflicht gilt?

Ja, bis zu zwölf Wochen lang. Bei Bio-Geflügelfleisch und Bio-Eiern gilt diese zeitliche Begrenzung nach Angaben des bundesweit tätigen Ökolandbauverbandes Biopark nicht. Konventionelle Freiland-Eier dürfen nach einem Vierteljahr nur noch als billigere Eier aus Bodenhaltung angeboten werden, das bedeutet Einbußen für die Betriebe. Der ZDG setzt sich nach eigenen Angaben dafür ein, dass eine Stallpflicht nicht länger als zwölf Wochen gelten darf.

Verringert sich die Legeleistung, wenn ans Freiland gewöhnte Hennen in den Ställen bleiben müssen?

Vorübergehend passiert das durchaus, einen signifikanten Rückgang gibt es nach Angaben von Praktikern jedoch nicht. Im günstigsten Fall haben die Hennen auch weiterhin die Möglichkeit, ans Tageslicht zu kommen - in sogenannten Wintergärten, die überdacht sind. Dann fehlt ihnen nur der Auslauf und frisches Grün.

Stimmt es, dass Freiland-Hühner im Stall aggressiv werden?

Ja, ihr Tagesrhythmus ist erst einmal gestört. Um zu verhindern, dass sich die Tiere gegenseitig attackieren, brauchen sie im Stall mehr Beschäftigungsmaterial wie Einstreugetreide, Grünfutter oder Behälter mit Löchern, aus denen sie Körner picken können.

>> Aktuelle Informationen rund um die Vogelgrippe in MV lesen Sie hier

 

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erstellt am 23.Nov.2016 | 16:00 Uhr

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