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Mecklenburg-Vorpommern

03. Dezember 2016 | 03:30 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern : Vogelgrippe breitet sich aus

vom
Aus der Onlineredaktion

Immer mehr Fälle von Vogelgrippe werden in Deutschland festgestellt, auch in Mecklenburg-Vorpommern. Zumeist geht es um Wildvögel. In Vorpommern ist jedoch ein privater Hühnerhof betroffen, im benachbarten Schleswig-Holstein sogar eine Massentierhaltung.

Die Gefahr einer Ausbreitung der Vogelgrippe ist in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin hoch. Am Wochenende kamen drei neue Verdachtsfälle bei Wildvögeln hinzu. Bei einem toten Mäusebussard, der auf Ummanz (Vorpommern-Rügen) gefunden wurde, sowie bei zwei Mantelmöwen in Boltenhagen (Nordwestmecklenburg) sei das Virus H5 festgestellt worden, sagte am Sonntag eine Sprecherin des Agrarministeriums in Schwerin. Das Greifswalder Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) untersuche noch, ob es sich um den hochansteckenden Virustyp H5N8 handele.

Am Samstag hatte sich der Verdacht auf das hochansteckende Virus auf einem Nutztierhof im Landkreis Vorpommern-Greifswald bestätigt. Auf dem privaten Hühnerhof in Mesekenhagen waren am Freitag 31 Tiere tot aufgefunden worden, 26 weitere wurden wegen des Verdachts auf Vogelgrippe vorsorglich getötet. Das war nach Angaben von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) der erste amtlich bestätigte Fall in einem Nutztierbestand.

Ab Montag gilt für Geflügel in ganz Mecklenburg-Vorpommern die Stallpflicht. Auf einem Biohof in Zieslübbe bei Parchim wurden bereits am Sonntagmorgen 2400 Tiere zusammengetrieben und in zwei zu Ställen umfunktionierten Getreidelagerhallen gebracht.

Das Agrarministerium bestätigte außerdem, dass neben den Nutztieren in Vorpommern auch die auf der Insel Ruden und am Schweriner See gefundenen Wildvögel an der Geflügelpest verendet waren. Die Sprecherin sagte am Sonntag: „Wir sind froh, dass wir keinen weiteren Nachweis in einem Nutztierbestand haben.“ In Schleswig-Holstein begann am Sonntag die Tötung von Hühnern in einer Massentierhaltung. In dem Zuchtbetrieb für Bruteier in Grumby bei Schleswig mit 30 000 Tieren hatte das FLI als nationales Referenzlabor zuvor die hochansteckende H5N8-Variante nachgewiesen.

Der Betrieb ist bundesweit die erste Massentierhaltung, die von der aktuellen Vogelgrippe-Epidemie betroffen ist. Der Erreger gilt als ungefährlich für Menschen, ist aber eine erhebliche Bedrohung für Hausgeflügel.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nannte die Situation besorgniserregend. „Wir können nach wie vor nur hoffen, dass dies ein Einzelfall ist.“ In Schleswig-Holstein ist noch ein kleinerer Geflügelhof in der Nähe von Lübeck betroffen.

Seit Sonntag gibt es auch in Sachsen einen ersten Vogelgrippe-Fall. Eine am Freitag am Cospudener See bei Leipzig gefundene Wildente habe den H5-Virus, sagte ein Stadtsprecher. Das hätten erste Untersuchungen ergeben. Auch hier war zunächst unklar, ob es sich um den aggressiven Typ H5N8 handelt.

Erstmals war die H5N8-Variante der aktuellen Epidemie in Deutschland am 8. November bei verendeten Wasservögeln in Schleswig-Holstein nachgewiesen worden. Verendete Wildvögel wurden seither neben Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen auch in Baden-Württemberg und Bayern gefunden. Europaweit wurden aus mindestens sieben Ländern Geflügelpest-Nachweise bei Wildvögeln oder in Geflügelbeständen gemeldet.

Angesichts der Ausbreitung der Vogelgrippe berief Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) den Zentralen Krisenstab Tierseuchen ein. In einer ersten Sitzung wurde ein bundesweit einheitliches Vorgehen zum Schutz vor der Geflügelpest beschlossen. Es solle überall dort die Stallpflicht für Geflügel angeordnet werden, wo die Wahrscheinlichkeit eines Eintrages der H5N8-Variante hoch ist, teilte das Ministerium mit. „Das sind insbesondere Feuchtgebiete, Rastgebiete von Zug- und Wildvögeln, aber auch Gebiete mit einer hohen regionalen Dichte von Geflügelbetrieben.“ Mit den Stallpflicht-Zonen soll eine Ansteckung über Kot oder verunreinigtes Wasser verhindert werden.

Wie der Erreger in den von der Außenwelt abgeschotteten Bestand in Grumby bei Schleswig gelangen konnte, blieb zunächst unklar. Es gebe jede Menge Spekulationen, sagte Habeck. „Aber die helfen nicht an dieser Stelle.“ Das FLI wollte ein Team von Experten schicken, die klären sollten, wie das Virus in die Ställe gelangen konnte. Um den Hof wurde ein Sperrbezirk von drei Kilometern eingerichtet.

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