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Mecklenburg-Vorpommern

09. Dezember 2016 | 14:36 Uhr

Wildvögel in MV betroffen : Vogelgrippe: Auf Nummer sicher

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In den Dörfern sind so gut wie keine Hühner, Enten und Gänse mehr zu sehen. Auch in den Zoos sind die Vögel in Ställe gesperrt

Die Vogelgrippe greift in Mecklenburg-Vorpommern offenbar auf immer mehr Wildvögel über, hat große Nutztierbestände im Land bislang aber verschont. Allerdings mahnte Agrarminister Till Backhaus (SPD) gestern in Schwerin: „Auch wenn die Lage hierzulande aktuell noch überschaubar ist, müssen wir auf das Schlimmste vorbereitet sein.“ Die Ereignisse in Schleswig-Holstein, wo bereits 30 000 Hühner wegen der Geflügelpest getötet werden mussten, zeigten, welche Dimension die Seuche über Nacht annehmen könne.

In Mecklenburg-Vorpommern haben die meisten Geflügelhalter ihre Tiere in Ställen untergebracht. Seit gestern gilt die Stallpflicht. Im Geflügelhof Raden (Landkreis Rostock) hofft man noch auf eine Ausnahmegenehmigung. Die Betreiber haben nicht genug Platz, um alle Enten und Gänse in Ställe zu sperren. Auch reicht das Personal nicht, um alle Tiere in wenigen Tagen zu schlachten. Viele Tiere haben noch gar nicht ihr Schlachtgewicht erreicht.

In der Pisedeer Marken-Ei GmbH bei Malchin (Mecklenburgische Seenplatte) – mit 65 000 Tieren einer der größten Legehennenbetriebe im Land – sind die Freiflächen leer. Wie Geschäftsführerin Marlies Grünwoldt berichtete, haben die Hennen Beschäftigungsmaterial wie Strohballen, Picksteine, Mineralstoffbehälter und feinen Kies bekommen. Das Futter sei ausgewogen, so bestehe keine Gefahr, dass sie sich gegenseitig an die Federn gehen. Außerdem setzt Grünwoldt auf Musik in den Ställen – Klassik und Pop verbessern die Legeleistung, ist sie sicher.

Die Eier dürfen auch weiterhin als Freilandeier verkauft werden, wenn die Hühner nicht länger als zwölf Wochen eingesperrt sind, wie das Agrarministerium Mecklenburg-Vorpommerns mitteilte. Danach würden sie den Status verlieren. Die Öko-Verordnung kennt eine solche Frist nicht.

Auch die Tierparks im Land haben Schutzmaßnahmen eingeleitet. „Wir gehen auf Nummer sicher und wollen keine Risiken eingehen“, sagte der Leiter des Vogelparkes Marlow (Vorpommern-Rügen), Matthias Haase. Das Wassergeflügel wurde in überdachte Volieren gesperrt. „Wir kommen damit der Aufstallpflicht für unsere Enten, Gänse, Schwäne und Co. nach.“ Die begehbaren Gehege der Wellensittiche und Loris wurden für die Besucher vorübergehend gesperrt. 1000 Vögel leben im Vogelpark Marlow, nur wenige Kilometer Luftlinie von der Ostsee entfernt, wo sich viele Wildvögel sammeln. Bislang habe der Park bei Vogelgrippe-Epidemien 2014 und 2006 Glück gehabt.

Weniger glimpflich verlief im vorigen Jahr die Vogelgrippe für den Zoo Rostock. 60 Tiere – darunter Ibisse, Störche und Kraniche – mussten eingeschläfert werden. „Damals hat uns der Virus überrascht, jetzt sind wir aber vorbereitet“, sagte Kuratorin Antje Zimmermann.

Die meisten der 441 Vögel seien bereits in Ställen, sagte sie. In den Eingangsbereichen seien Desinfektionsmatten ausgelegt und für die Tierpfleger Schutzkleidung bereitgestellt. In Schwerin waren die Vögel bereits in der vorigen Woche von den Außenanlagen geholt worden.

Backhaus forderte die Tierhalter auf, generell einen plötzlichen Seuchenausbruch einzukalkulieren. Sie müssten zu jeder Zeit in der Lage sein, ihr Geflügel innerhalb von 48 Stunden unter Dach zu bringen.

 

 

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erstellt am 14.Nov.2016 | 20:45 Uhr

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