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Mecklenburg-Vorpommern

10. Dezember 2016 | 08:00 Uhr

Im Land, wo die Welt zu Ende ist : Viva Chile!

vom
Aus der Onlineredaktion

Marie Eckermann aus Schwerin berichtet in unserer Zeitung von ihrem Freiwilligendienst in Chile

Inzwischen bin ich schon fast einen Monat in Chile und gewöhne mich so langsam an viele Dinge, die mir am Anfang doch sehr fremd erschienen. Ich weiß, es wird noch dauern, bis ich die Sprache sicher beherrsche und mich vollkommen eingelebt habe. Doch in der Gastfamilie und an meiner Arbeitsstelle, dem Kinderheim, fühle ich mich sehr wohl.

Marschmusik klingt über den Hauptplatz Santa Bárbaras. Chilenische Flaggen wehen in einer warmen Frühlingsbrise und Menschen stehen dicht gedrängt am Straßenrand. Ein kleines Militärensemble schreitet forschen Schrittes durch die Straße und bildet den Auftakt einer großen Parade anlässlich der Nationalfeiertage in Chile. Sämtliche Vereine und Schulen der Stadt präsentieren sich in der Parade, alle Mitwirkenden sind traditionell in bunte Kleider und Ponchos gekleidet. Wir schreiben Mittwoch, den 7.September – der Hype rund um den 18. September, den Nationalfeiertag, hat bereits begonnen!

Ein Land im Ausnahmezustand – so könnte man Chile zur Zeit der Feiertage bezeichnen. Vier Tage lang wird bis spät in die Nacht hinein gefeiert und getanzt. Bei uns zu Hause konnten mein Mitfreiwilliger und ich ein paar Schritte des Nationaltanzes, der Cueca, lernen. Der Tanz ist ein Paartanz und wird aufgrund seiner Bewegungen oft als eine Art Balztanz betrachtet, da Mann und Frau sich umkreisen. Zur Untermalung wird von beiden Tänzern auch noch ein weißes Tuch in der rechten Hand getragen. Die Chilenen lernen den Tanz von früh auf. Bereits der zweijährige Enkel meiner Gasteltern tänzelte mit einem Tuch in der Hand durchs Haus.

Am Donnerstag, 15. September, schmückten wir das Kinderheim für die Feiertage. Luftballons und Girlanden in den Nationalfarben Blau, Rot und Weiß wurden aufgehängt und ein Asado, ein „Großes Grillen“' veranstaltet.

Am Freitag, 16. September, wurde dann in Santa Barbara ein großes Festzelt aufgestellt. Zu beiden Längsseiten gab es viele kleine Stände mit typisch chilenischen Genüssen wie zum Beispiel Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Sopaipillas (frittierte Teigfladen) oder Terremoto (ein Cocktail mit Ananaseis und Beerenlikör) sowie Pisco Sour, der Nationalschnaps aus Traubenbrand. Vorn befand sich eine Bühne, wo rund um die Uhr Bands aus der Region für ordentlich Stimmung sorgten. Getanzt wird hier vor allem im Cumbia-Style, einer Stilrichtung des lateinamerikanischen Salsa.

So wie vor fast jedem anderen Haus in Santa Bárbara wurde auch bei uns am 18. September die chilenische Nationalflagge an einem Mast aufgezogen. Dabei stand die Gastgroßmutter am Fenster, sang ganz stolz die Nationalhymne und forderte uns auf, mitzusingen. Das hat mich sehr berührt – zu sehen, wie stolz diese 92-Jährige auf ihr Heimatland ist.

Am selben Tag konnte ich meine Fertigkeiten bei der Zubereitung von Empanadas unter Beweis stellen. Dazu wurde eine Mischung aus Fleisch, Zwiebeln, Ei und Oliven in einen runden Teigfladen eingewickelt und gebacken. Lecker!
Abends ging ich mit drei weiteren Freiwilligen ins Festzelt, um bis in den Morgen hinein zu feiern und zu tanzen.

Am Montag nach dem Ausschlafen wurde bei uns zu Hause in der Gastfamilie ein großes Asado veranstaltet. Am Tag zuvor war ein Schaf geschlachtet worden, welches nun am großen Esstisch gemeinsam mit der ganzen Familie verspeist wurde. Außerdem wurde unter anderem ein Salat aus pilzähnlichen Früchten, den Dihu-eñes, zubereitet. Hier gelten diese wilden Pilze, die als knollenähnliche Früchte an Bäumen wachsen, als leckere Delikatesse. Auch ich habe mit Kindern des Heims bereits unter körperlicher Höchstleistung diese „Pilze“ von Bäumen geklaubt, um danach festzustellen, dass ich die Pilze in Deutschland doch um einiges leckerer finde.

Nach diesen intensiv gelebten Tagen, was sowohl die Lebenslust beim Tanzen als auch den Empanada- und Terremotokonsum betrifft, ist in meiner chilenischen Familie der Alltag wieder eingekehrt. Leider wurde ich direkt danach krank und konnte aufgrund eines grippalen Infekts einige Tage nicht im Heim arbeiten. Nachdem es mir endlich wieder besser ging, ergab sich die Möglichkeit, mit anderen Freiwilligen in die Nähe Santa Bárbaras zu einem wunderschönen Wasserfall zu fahren. Da waren die schwierigen Momente während meines Krankseins sofort vergessen und ich konnte den Anblick der Naturgewalten so richtig genießen.

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