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Mecklenburg-Vorpommern

07. Dezember 2016 | 09:41 Uhr

Petritor in Rostock : Visionen an der Warnow

vom
Aus der Onlineredaktion

In der Hansestadt Rostock soll ein historischer Bau in neuem Gewand wiedererstehen

Der Oberbürgermeister der Hansestadt hat es Mitte des Jahres verkündet: Bis 2018 soll das Petritor in der Altstadt von Rostock wieder aufgebaut sein. Als eines der vier früheren Haupttore, im Osten der Hansestadt gelegen, soll das im Mai 1960 im Rahmen von Verkehrsplanungen über Nacht abgerissene Tor bis zum 800-jährigen Stadtjubiläum rekonstruiert sein. Damit soll die zu DDR-Zeiten entstandene Lücke im historischen Stadtbild geschlossen werden.

Laut OB Methling soll bereits 2017 die Grundsteinlegung für den Bau stattfinden. Die Stadtplaner bei der Rostocker Gesellschaft für Stadterneuerung (RGS) seien bereits beauftragt, den Neuaufbau in die Wege zu leiten. Ein Architektenwettbewerb soll ausgeschrieben werden. Die Kosten für das Projekt sind offenbar noch vollkommen im Dunklen.

Der Gestaltungsplan als wesentliches Kernstück der Rahmenplanung sieht für den Bereich des ehemaligen Petritors eine Neubebauung vor. Bisher blieb aber noch offen, ob das Tor in seiner ursprünglichen Gestalt wiedererstehen soll. Eine solche Variante wird wohl von Vereinen wie dem Förderverein der Petrikirche oder dem Verein Rostocker Geschichte favorisiert. Annekatrin Haker von der RGS stellt in diesem Zusammenhang aber klar: „Ziel des Planungswettbewerbs ist nicht ein originalgetreuer Nachbau des Petritors.“ Vielmehr solle sich der Zuschnitt des ambitionierten Projekts an den historischen Strukturen des ehemaligen Tors und seiner Nachbarbebauung orientieren. Ziel sei ein attraktiver Übergang vom modernen neu entstehenden Petriviertel mit einer einladenden Geste hin zur östlichen Altstadt.

„Als Prämissen stehen natürlich auch die heutigen verkehrstechnischen Anforderungen. So sind unter anderem Durchfahrtshöhen für die Feuerwehr zu beachten, aber auch Fragen der Barrierefreiheit sind mit den Planungen zu beantworten“, so Haker weiter. Ihr Fazit: Der neu entstehende Baukörper soll ein würdiger Abschluss der Entwicklung der Östlichen Altstadt sein.

Einer, der diese Worte mit Interesse und Zustimmung aufnehmen dürfte, ist Dr. Harald Lochotzke, der in Rostock städtebautechnisch schon mit der Deutschen Med unweit des Kröpeliner Tors und mit dem Zauberhut-Projekt, einem Theater auf der Warnow, von sich reden gemacht hat. Seiner Meinung nach wäre der originalgetreue Nachbau des historischen Tores der falsche Weg, um Historie und Moderne zusammenzuführen und seiner Heimatstadt damit ein in die Zukunft gewandtes Stadtbild zu geben. Aus seiner Sicht, so Lochotzke, ist es langweilig, eine Idee von vor fast 800 Jahren nachbauen zu wollen. Ein Denkmal sollte kontrastiert und nicht kopiert werden. „Für mich geht es um die Frage, was dieser besondere historische Ort, an dem das Petritor einmal stand, heute für unsere Stadt zu leisten vermag. Der Begriff „Tor“ muss demzufolge neu bestimmt und auf das Heute ausgerichtet sein“, so der 60-jährige Projektentwickler. Er hat in diesem Sinne einen architektonischen Entwurf entwickelt, der dem historischen Platz im buchstäblichen Sinne des Wortes eine ganz neue Sicht eröffnet. Im Ensemble mit der imposanten Kulisse der Petrikirche soll ein Bau entstehen, der von der Faszination der Blickachsen geprägt ist und einen Weg von der Kirche über/durch das alte Petritor direkt ans Wasser der Warnow bietet.

Um den Bogen zur wechselvollen Geschichte der Hansestadt zu schlagen, beinhaltet das Projekt von Lochotzke eine Kombination mit den Rostocker Ausgrabungen und dem archäologischen Museum. Soll heißen: Der stützenfreie Baukörper soll mit gläsernen Außenwänden drei bis vier Geschosse in die Erde gehen und bis zu sechs Meter hohe Räume für die Präsentation von Sachzeugen der Rostocker Stadtgeschichte bieten. In Verbindung mit moderner Multimediatechnik sollen damit dem Besucher neben Geschichtswissen und -erleben vielfältigste Sinneswahrnehmungen geboten werden. Natürlich können in das Projekt auch Cafés, Entertainment und diverse Verkaufseinrichtungen integriert werden. Lochotzke schwärmt: „Das ist eine super Lage für einen funktionierenden Platz mit dem Blick in die Zukunft.“

Die Frage nach der Finanzierung eines solchen Projekts beantwortet Harald Lochotzke fast lapidar: „Ganz einfach: Wenn die Stadt das Grundstück verkauft, kann es jeder bauen. Geldgeber gibt es dafür immer. Wenn es ein Museumsbau wird, bezahlt es das Land und die Stadt. Man kann also beides sinnvoll miteinander verbinden.“

Dass sein neuestes Projekt eine Art Ersatz für den gescheiterten Zauberhutplan auf der Warnow ist, weist er allerdings von sich. Das sind zwei Paar Schuhe, winkt der einstige Präsident des Rostocker Olympia-Fördervereins lachend ab. Vielmehr kam ihm diese Intuition bei den Streifzügen durch seine Stadt und damit verbundenen Gedanken, was er für deren gedeihliche Entwicklung tun könne.
Es gehe ihm im Übrigen auch nicht darum, dass zwingend „er“ das Projekt umsetzt. Vielmehr sei es ihm wichtig, dass in der Stadt etwas Großartiges entsteht, das deren guten Ruf in die Welt trägt.

 

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