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Mecklenburg-Vorpommern

01. Oktober 2016 | 00:00 Uhr

Kriminalität in der Ostsee : Verbrechen auf offener See

vom
Aus der Onlineredaktion

Wie Wasserschutzpolizisten, Bundespolizei und Marine gegen Kriminalität in der Ostsee und auf den Weltmeeren vorgehen

Alkohol im Schiffsverkehr, Umweltvergehen oder auch Schwarzangeln: Der Katalog für Straftaten auf der Ostsee ist umfangreich, doch die Zahl der tatsächlich begangenen Taten vergleichsweise gering. „Der Überwachungsdruck auf der Ostsee ist hoch“, sagt der Chef der Bundespolizeiinspektion See Warnemünde, Holger Mühlstein. Zusammen mit Kollegen etwa der Wasserschutzpolizei sind die Bundespolizisten Tag und Nacht auf der Ostsee unterwegs.

Mit Erfolg: Die Regeln werden eingehalten. „Es ist überschaubar, was da draußen los ist“, wie Mühlstein beim Rostocker Hafenstammtisch zum Thema „Kriminalität auf See“ berichtet.

Dennoch versuchen es Kapitäne immer wieder, Überreste von Tankreinigungen oder auch Müll zu entsorgen. So wurden im Oktober 2015 rund 40 Kilogramm Paraffin im Norden Rügens eingesammelt, im März zuvor waren es mehr als 30 Kilogramm. Paraffin wird als Massengut in Tankern transportiert.

Zur Überwachung und zum Aufspüren von Umweltsündern werden Ost- und Nordsee regelmäßig per Hubschrauber überflogen. Entdeckt die Besatzung Ölspuren, werden Gewässerproben entnommen, mit denen Verursacher ausfindig gemacht werden können. „Diese Vergehen ziehen Geldstrafen im vierstelligen Euro-Bereich nach sich“, heißt es von der Wasserschutzpolizei.

„Manche Kapitäne auf den Handelsschiffen denken, dass wir bei Nebel oder schlechtem Wetter nichts feststellen können“, sagt Mühlstein. Weit gefehlt: Die Skipper vergessen, dass es Satelliten gibt. Deren Bilder werden nach Cuxhaven ins Havariekommando übermittelt und können anschließend ausgewertet werden. So habe die Zahl der Verschmutzungen in den vergangenen Jahren stark abgenommen. „Das Entdeckungsrisiko ist zu groß.“

Auch wenn das Kriminalitätsgeschehen auf der Ostsee eher gering ist, sind dennoch viele Menschen aus dem Nordosten auf den Weltmeeren unterwegs, um Kriminellen Einhalt zu gebieten. Dazu gehört auch die Marine, die aktuell bei der Operation „Sophia“ im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien unterwegs ist. Sie überwacht dieses Seegebiet, um Aktivitäten von Schleusern einzuschränken, sagt Fregattenkapitän Torsten Eidam, der als Kommandeur auf dem Tender „Werra“ tätig war. Seine Mannschaft konnte drei Schleuser festsetzen und an die italienischen Behörden übergeben.

Seit Mai 2015 seien dort zusammen auch mit privaten Initiativen rund 18 000 Menschen gerettet worden, berichtet Eidam. Es habe Tage gegeben, da sind von der libyschen Küste aus 10 000 Menschen aufgebrochen – auf Schlauchbooten, die kaum tragfähig waren.

Wie die Marine, ist auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlingen in Seenot zu helfen. Im März/April dieses Jahres war Jörg Westphal vom DGzRS-Informationszentrum im Mecklenburg-Vorpommern in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei. Seine Crew konnte 1138 Menschen retten. „Ich bin wirklich froh über jeden Tag, den ich da unten war.“

Das Geschehen auf der Ostsee ist von dieser Art der Kriminalität zwar weit entfernt. Doch werden auf dem kleinen Binnenmeer auch die Einsätze in den internationalen Gewässern etwa gegen die Piraterie vor Somalia geprobt.

Gerade der EU-Einsatz „Atalanta“ am Horn von Afrika sei eine Erfolgsgeschichte. „Seit Februar 2014 gab es keinen Piratenangriff mehr“, betont der Sprecher des Rostocker Marinekommandos, Johannes Dumrese. „Einer der wichtigsten Gründe dafür ist, dass dort graue Schiffe herumfahren.“ Es gehe um die internationale maritime Sicherheit, dazu seien internationale Verbände wie etwa „Atalanta“ notwendig. Da spielen die Deutsche Marine wie die Streitkräfte anderer Nationen eine gewichtige Rolle. Denn sie hätten ein Alleinstellungsmerkmal: „Das ist die Fähigkeit, militärische Gewalt anwenden zu können. Da haben wir das Monopol“, sagt Dumrese.

 

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