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Mecklenburg-Vorpommern

25. Juli 2016 | 10:10 Uhr

Besuch im Verlag : US-Botschafter auf Antrittstour

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

John B. Emerson wirbt im Nordosten für Freihandelsabkommen und für mehr deutsches Engagement in der Welt

Es war nicht das erste Mal, dass der US-amerikanische Botschafter John B. Emerson nach Mecklenburg-Vorpommern reiste. Privat, so gestand er im Redaktionsgespräch, sei er schon zweimal hier gewesen, auf Einladung von Jägern! „Aber keine Sorge, ich bin nur ein Foto-Jäger“, beruhigte der Botschafter.

Offiziell war Emerson zum ersten Mal in MV: Er absolvierte seinen Antrittsbesuch bei Ministerpräsident Erwin Sellering. Bevor er im Anschluss daran General Christoph Munzlinger im Landeskommando der Bundeswehr begrüßen konnte, machte der Botschafter in Begleitung der Hamburger Generalkonsulin Nancy Corbett einen Besuch im medienhaus:nord. Emerson zeigte sich beeindruckt von der Vielzahl der Ausgaben, die der Verlag herausgibt, und erkundigte sich sehr detailliert über die Medienlandschaft im Nordosten.

Bezüglich der internationalen Konfliktherde äußerte Emerson die Hoffnung, dass die europäischen Staaten, voran Deutschland, noch mehr Verantwortung übernähmen. Er lobte diesbezüglich den Anstoß, den Bundespräsident Joachim Gauck im Oktober 2013 unternommen hatte. „Auch wenn die USA immer eine maßgebliche Rolle spielen, so kann doch keine Nation allein alle Krisenherde der Welt bewältigen“, so Emerson. Dass sich die Hoffnungen auf eine friedlichere Welt nach dem Ende des Kalten Krieges 1989/90 nicht erfüllten und die Welt noch viel komplexer und komplizierter geworden ist, könne nicht wirklich überraschen, sagte Emerson. Die Staaten der westlichen Welt müssten innerhalb ihrer Bündnisse für eine Entschärfung der Krisenherde sorgen.

Im Gespräch erläuterte der Botschafter, dass Befürchtungen von Verbraucherschützern und Lobbyismuskritikern gegen das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen (TTIP) unbegründet seien. Er könne die Sorgen und Kritiken nicht nachvollziehen. Es gehe bei TTIP nicht vordergründig darum, Verbraucherstandards aufzuweichen oder auf niedrigem Niveau zu nivellieren, sondern so anzugleichen, dass für europäische wie US-amerikanische Unternehmen der Marktzugang beiderseits des Atlantik vereinfacht und erleichtert wird. Das sei auch eine Chance für kleine und mittlere Unternehmen. Nach seiner Beobachtung, so der Botschafter, hätten die Verhandlungen bereits dazu geführt, dass sich die Standards eher auf dem jeweils höchsten Niveau anglichen. „Wir müssen diese Prozesse so transparent machen, wie es bei einer so schwierigen Materie möglich ist, damit die Menschen die Vorteile erkennen und verstehen können. “

Konkrete Investoren hat der Botschafter nicht an der Hand. Jedoch sieht er für Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaft etwa bei den erneuerbaren Energien durchaus Chancen auf dem amerikanischen Markt. MV nehme hier eine führende Position in Deutschland ein, in den USA zählten Kalifornien und ausgerechnet der Öl-Staat Texas zu den größten Windkraft-Betreibern. „Unsere Nationen sind sich einig, die erneuerbaren Energien als Weg gegen den Klimawandel voranzutreiben.“

Den Mauerfall übrigens erlebte Emerson in seinem Büro in Los Angeles, wo er damals als Chief Deputy City Attorney (Anwalt) tätig war. „Irgend jemand kam rein und machte den Fernseher an“, erinnert er sich. „Und da sah ich Tom Brokaw von CNN, wie er live von der Berliner Mauer die Ereignisse schilderte.“ Er sei einerseits begeistert gewesen, andererseits auch ein bisschen sorgenvoll: Wie sollte man sich zu dem Zeitpunkt sicher sein, dass es seitens der Führungen in Ost-Berlin und Moskau nach einigen Tagen nicht eine ähnliche Reaktion geben würde wie 1956 in Ungarn oder 1968 in der Tschechoslowakei? Insofern sei es großartig gewesen zu sehen, wie schnell sich dann die Entwicklung in Richtung Freiheit und vereinigtes Deutschland vollzog.

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erstellt am 04.Nov.2014 | 20:05 Uhr

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